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12.09.2013

12:08 Uhr

Arzneiverordnungs-Report

Krankenkassen geben Milliarden Euro zu viel aus

Gegen Volkskrankheiten bringt die Pharmaindustrie immer wieder neue Mittel auf den Markt – viele helfen allerdings nicht viel besser als ältere. Und mit diesen könnten die Krankenkassen Milliarden Euro einsparen.

Medikamente vom Laufband – oft sind sie zu teuer und manchmal sogar nutzlos, so ein Report. obs

Medikamente vom Laufband – oft sind sie zu teuer und manchmal sogar nutzlos, so ein Report.

BerlinDie Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen sind im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent auf 30,6 Milliarden Euro gestiegen. Das geht aus dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Arzneiverordnungs-Report 2013 hervor. Rund 3,7 Milliarden Euro hätten gespart werden können, ohne dass Patienten schlechter versorgt worden wären, sagte Herausgeber Ulrich Schwabe. Alleine 2,5 Milliarden Euro hätten gespart werden können, wenn man auf teure sogenannte Analog-Präparate verzichtet hätte, die nur geringfügig anders wirken als frühere Mittel.

Zwar würden - gemäß der Reform des Medikamentensektors AMNOG - immer mehr neue Mittel offiziell daraufhin überprüft, ob sie wirklich mehr helfen als ältere. So habe der dafür zuständige Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Krankenkassen, Ärzten und Kliniken bisher 48 neue Wirkstoffe bewertet. Einsparungen von seither 120 Millionen Euro habe es dadurch gegeben.

Pharmabranche an der Patentklippe

Wichtige Patente laufen aus

Die Pharmabranche steht vor schwierigen Zeiten: Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Accenture werden bis zum Jahr 2015 rund 50 Blockbuster ihren Patentschutz verlieren – das sind Arzneien, die für mindestens eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr sorgen. Die Originalprodukte verlieren nach Patentablauf in der Regel massiv Marktanteile an die deutlich preisgünstigeren Nachahmer-Produkte der Generikahersteller.

Cholesterinsenker und Blutverdünner

Betroffen sind die Medikamente etlicher Pharmakonzerne. Etwa der Cholesterinsenker Lipitor, mit dem Pfizer einst mehr als 12 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr machte. Oder der Blutverdünner Plavix, der Sanofi und Bristol-Myers Squibb 2011 mehr als neun Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Auch das Asthma-Mittel Singulair von Merck verliert seinen Schutz.

Generikahersteller profitieren

Von Ablauf der Patente profitieren die Hersteller von Generika: Sie dürfen die Arzneien kopieren und zu günstigen Preisen verkaufen. Das dämpft die Kosten – auch die Patienten profitieren davon.

Probleme mit dem Nachschub

Der Pharma-Industrie fällt es immer schwere, neue Blockbuster-Medikamente zu entwickeln. Das hat mit den strikteren Zulassungsbedingungen und den schärferen Kontrollen der Behörden zu tun. Ein Beispiel: Der deutsche Hersteller Merck stoppte das Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin, weil es in mehreren Ländern keine Zulassung bekam.

Das reiche aber nicht für das politisch gewollte Sparziel von 2 Milliarden, so die Herausgeber des Reports. Doch seien Medikamente, die schon länger auf dem Markt seien, aber noch Patentschutz hätten, in Deutschland weiterhin oft teurer als in anderen europäischen Ländern.

Diese oft millionenfach verordneten Mittel kommen nun allerdings verstärkt auch auf den Prüfstand des G-BA. Den Anfang machten im Frühjahr sechs Gruppen von Medikamenten gegen Schmerzen, Herzleiden, Diabetes und andere Krankheiten mit einem Umsatzvolumen von geschätzt rund fünf Milliarden Euro.

Bereits in den Vorgängerreports hatte es geheißen, dass die Ärzte reihenweise neue teure Mittel ohne zusätzlichen Nutzen verschreiben. Die Pharmaindustrie warf den Herausgebern methodische Mängel vor, aufgrund derer sie zu übertriebenen Sparmöglichkeiten kämen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

12.09.2013, 13:26 Uhr

Krankenkassen geben Milliarden Euro zu viel aus! Ist dies nicht im Sinn der Politik?
Wenn dem nicht so wäre, hätten alle Politiker schon längst aufgeheult.
Diese Überschrift im HB, wertet kranke Menschen herab, und gibt ein falsches Bild von der Wirklichkeit wider.

baslergeniesser

12.09.2013, 14:04 Uhr

Ein neues Medikament zu entwickeln kostet 10 Jahre und rund 1 Milliarde Dollar. Diese Investition (zusammen mit den Investionen in gescheiterte Projekte) will die Industrie wieder reinholen, ganz klar. Wer kann's ihnen verdenken?

Frank3

12.09.2013, 16:39 Uhr

UND WARUM GLED NUR IN DEUTSCHLAND ZURÜCKHOLEN und in andre Länder Billigangebot ???

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