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09.03.2011

07:21 Uhr

Aschermittwoch in Passau

Schweinshaxe, Bier und Guttenberg

VonGero Brandenburg

CSU-Chef Seehofer befeuert Guttenbergs Comeback, und auch für den Rest der Partei ist Passau kein Ort des Selbstzweifels. Wie die Partei ihre Wunden leckt - und dabei in die Guttenbergsche Parallel-Dimension abdriftet.

Die CSU trauert um ihren gefallen Superstar - und verliert dabei den Blick für die Realität. Quelle: dpa

Die CSU trauert um ihren gefallen Superstar - und verliert dabei den Blick für die Realität.

PassauAuf die Freunde aus Niedersachsen ist Verlass. Die CDU-Delegation aus Peine ist seit 36 Jahren fester Bestandteil des Politischen Aschermittwochs der CSU und hat auch diesmal gute Stimmung mit nach Passau mitgebracht. Mit dem ICE sind sie angereist. In Würzburg ist das Fassbier zur Neige gegangen, doch in Nürnberg wurde es wieder aufgefüllt. Jetzt sitzt  man gemütlich beisammen im Clubraum des Hotels Zum Weißen Hasen in Passau bei Weißbier und Urtyp Hell aus der Löwenbrauerei. Die CDU-Reisegruppe aus Rotenburg an der Wümme hat sich dazu gesellt. Wimpel schmücken die Tische. Es ist 18.30 Uhr. Bestens gelaunt warten die 80 Norddeutschen auf ihre Ehrengäste.

Alexander Dobrindt, der CSU-Generalsekretär, hat sich angemeldet. Auch Andreas Scheuer, Bundestagsabgeordneter aus Passau und Parlamentarischer Staatssekretär, will kommen. Es sind Ehrengäste in Katerstimmung. Eine Woche ist es her, dass Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der große Hoffungsträger der CSU, von allen politischen Ämtern zurückgetreten ist.

„Das ist mehr als bedauernswert“, klagt Martin Olbrich, der die Reise der CDU-Mitglieder aus Peine organisiert hat. „Guttenberg hat die jungen Leute begeistert, ein guter Mann.“ Der Freiherr aus Franken war lange Zeit der beliebteste deutsche Politiker, Projektionsfläche für die Sehnsüchte der Menschen, in Bayern und im Rest der Republik.

Nun ist er weg. Für immer? Das mag keiner der Anwesenden glauben. „Er kommt wieder, ganz sicher“, prophezeit Olbrich. Andreas Scheuer, 2002 gemeinsam mit Guttenberg in den Bundestag eingezogen, betritt den Raum, setzt sich an den vordersten Tisch und stellt klar: „Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein guter Freund. Für ihn wird es in der CSU immer einen Platz geben.“

Auch CSU-Chef Horst Seehofer rechnet mit einem Comeback des früheren Bundesverteidigungsministers: „Er wird wieder zurückfinden in die deutsche Politik. Die CSU wird das nicht nur unterstützen, sondern auch anstreben“, sagte der Bayerische Ministerpräsident der „Passauer Neuen Presse“. Der Rücktritt habe „an den politischen Qualitäten von Karl-Theodor zu Guttenberg nichts geändert“

Einige Straßen weiter stimmt sich die Junge Union (JU) Passau im Ratskeller mit Schweinshaxen, Schnitzel und Bier auf den politischen Aschermittwoch ein. Auch dort hofft man auf ein politisches Comeback von Guttenberg. Weil er authentisch sei, ein echter Mann des Volkes, unabhängig und für die CSU von größtem Wert. 2013 könnte er wiederkehren, spätestens aber zur Bundestagswahl 2017.

„Wir haben keine konservativen Charakterköpfe mehr in Deutschland, umso wichtiger ist er“, sagt der JU-Kreisvorsitzende Armin Dickl. Die Enttäuschung über den amtierenden Spitzenmann der Partei ist spürbar. „KT trifft den Bauch der Menschen, so wie früher Edmund Stoiber. Von Seehofer hatte ich mir mehr erwartet.“ Allgemeine Zustimmung am Stammtisch.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

09.03.2011, 07:31 Uhr

Wer den genialen Artikel von Volker Zastrow in der FAZ gelesen hat ("Wie Ken den Kopf verlor"), muss von KTG bedient sein - oder er ist selbst ein Blender! Nur wer die "erschlagenden" Fakten um KTG nicht wahrnimmt, kann sein Anhänger noch sein. Es gint also nur zwei Varianten der Anhänger: Blinde oder Blender!

Account gelöscht!

09.03.2011, 07:36 Uhr

Vollständige Überschrift:
"Wie Ken den Kopf verlor - Guttembergs verschleppter Rücktritt"
Einfach lesenswert! Journalistischer Hochgenuss!

Steuerzahler

09.03.2011, 08:12 Uhr

Einfach genial dieser Artikel, kaum noch zu toppen!!
"Wie Ken den Kopf verlor - Guttembergs verschleppter Rücktritt" (FAZ)
Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen.

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