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09.03.2011

13:21 Uhr

Aschermittwoch

Seehofer redet die CSU zurück in die Zukunft

VonGero Brandenburg

Mit Guttenberg hat sie ihre Zukunft zunächst verloren, nun umarmt die CSU in Passau ihre Vergangenheit: Stoiber, National-Rhetorik, Türken-Schelte. Seehofer kommt von der Überfigur KTG nicht los - will er auch gar nicht.

Wiederauferstehung: Mit National-Rhetorik und Türken-Schelte will die CSU an ihre glorreiche Vergangenheit anknüpfen. Quelle: dpa

Wiederauferstehung: Mit National-Rhetorik und Türken-Schelte will die CSU an ihre glorreiche Vergangenheit anknüpfen.

PassauDie Passauer Stadtkapelle gibt ihr Bestes, die Kellnerinnen flitzen im feschen Dirndl durch die Gänge – aber nach Stammtischparolen sieht die Dreiländerhalle in Passau noch nicht aus. Die Ordnungskräfte, 150 sollen es sein, sind völlig entspannt. Armin Dickl, Kreisvorsitzender der Jungen Union in Passau und ehrenamtlicher Leiter des Ordnerdienstes, bestätigt den Eindruck: „So ruhig wie heute war es schon lange nicht mehr.“

Plakate geben aber die Richtung des Tages vor: „KT – du bist einer von uns!“ und „Sozis heißens, Kommunisten sind’s!“ Wer will kann sich die Parolen herunterladen, die CSU gibt’s jetzt auch kostenlos im App-Store.

Das Banner an der Wand der Dreiländerhalle verspricht Rekordverdächtiges.  „Willkommen am größten Stammtisch der Welt.“ Doch der Durst scheint nicht allzu groß zu sein: Eine Viertelstunde vor Beginn der Reden stehen in der Passauer Mehrzweckhalle grade mal acht Leute am Bierausschank.

Dafür ist der Hunger der Partei umso größer: Seit 2 Uhr morgens hat das Catering Brezeln, Käse- und Fischsemmeln zubereitet. Es ist auch der Hunger auf Veränderung, der die CSU diesmal antreibt.

Mit dem Aschermittwoch ist alles vorbei. Von dieser Grundlektion des Karnevals hängt das Überleben der CSU in diesem Jahr mehr als zuvor ab: Die Partei will sich nicht länger über den Sturz ihres Superstars Karl-Theodor zu Guttenberg definieren lassen - der politische Aschermittwoch soll der Tag ihrer Wiederauferstehung sein.

Kurz nach Zehn betritt CSU-Chef Horst Seehofer zusammen mit Ehefrau Karin die Halle. Beifall brandet auf. Die Kapelle spielt den bayerischen Defiliermarsch. Seehofer, flankiert von Sicherheitsbeamten, schiebt sich durch die Menge. Er begrüßt die Nieder- und Oberbayern, die Oberpfälzer, Schwaben und Franken.

Er schüttelt Hände, lacht und winkt. Als er an Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber vorbeikommt und ihn umarmt, jubelt die Halle. Mag Guttenberg sich auch vorerst verabschiedet haben, an Edmund Stoiber und ihrer glorreichen Vergangenheit kann sich die CSU immer aufrichten.

Manfred Weber, Bezirksvorsitzender der CSU Niederbayern, spielt den Einpeitscher für Seehofer. Der Karl-Theodor habe „einen Fehler, vielleicht einen schweren Fehler“ gemacht. „Aber er hat bereut, er verdient eine neue Chance.“ Jubel.

Der Trittin dagegen habe bei den Kommunisten sein politisches Handwerk gelernt und rufe zum Schottern beim Castor-Transport auf. Pfiffe und Buh-Rufe in der Halle. Und der Fischer habe weder gearbeitet noch studiert, sondern sei nur durch Gewalt gegen Polizisten aufgefallen. Wieder Pfiffe.

„Und der Gysi …“ Webers Stimme geht im Lärm fast unter. "Dieser Stasi-Mitarbeiter...“. Laute Buh-Rufe. Nun ist die Menge in Stimmung und Weber setzt zum Höhepunkt an: „Es ist eine Schande für unser Land, dass solche Leute im Bundestag sitzen.“

Kommentare (2)

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Steuerzahler

09.03.2011, 15:22 Uhr

Diese Polit-Claqueure von CSU u. CDU haben es immer noch nicht begriffen.
!!! Das Volk darf nicht verarscht werden !!! (Grundgesetz §1)
Ist der Kopf des Fisches abgetrennt, darf der Rest aber weiter stinken?
Ein Selbstreinigungseffekt ist bei diesen Parteien nicht erkennbar.
Ganz im Gegenteil, wird auf die Kollegen eingedroschen, die diese Volksverarschung
nicht gedeckt oder mitgemacht haben (Schavan, Lammert).
Der Herr Guttenberg ist nicht wegen der Fehler in seiner Dissertation zum Rücktritt gedrängt worden, oder wegen der Plagiate. Dieses Manko hätte man ihm verziehen.
Er ist zum Rücktritt gezwungen worden, weil er sich hingestellt und vor laufenden Kameras das Volk derart wiederholt verarscht hat und behauptete, nicht gewusst zu haben was er tat.
Das ist nicht vor 5 oder 6 Jahren passiert sondern in der Zeit vom 18.2. bis 23.2.2011,
also hier und heute.
Das kann man nur mit Realitätsverlust entschuldigen und selbst in seiner Rücktrittsrede schaffte er es nicht, die toten Soldaten ruhen zu lassen.
Deshalb ist er nicht mehr tragbar für öffentliche Ämter.
Das sollte auch im hintersten Winkel der CSU u. CDU verstanden werden.
Aber dieses volksverarschende Verhalten der CSU u. CDU wird berechtigt von mündigen und denkenden Wählern abgestraft, denn sie leisteten Beihilfe.

Account gelöscht!

09.03.2011, 17:32 Uhr

Wieder ein klares Beispiel: Macht macht krank, vor allem im Kopf. Die Folgen und weiter Erkrankungen sind unabsehbar, vor allem, was die nächsten Wahlen anlangt. Wer, wie Seehofer, gebetsmühlenartig nach einer wie auch immer gearteten "Lichtgestalt" fleht und lechzt, muß wohl unter schwerem "Fracksausen" leiden und die Hosen mächtig voll haben, zum Glück gibts inzwischen auch hochwertige "Pampers" für Senioren (die die Gesetzlichen leider nicht bezahlen, Seehofer ist aber sicher gut privat versichert), die substantiell peinliche Ausflüsse wenigstens vorläufig auffangen können. Da hilft nur eins: Regelmäßig die Windeln wechseln bis zur nächsten Wahl, Herr Seehofer! Volk riecht mit!

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