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28.07.2016

13:24 Uhr

Asylbewerber prahlt mit IS-Kontakten

Flüchtlingsheim in Herbrechtingen durchsucht

Er prahlte damit, in Syrien für den IS gekämpft zu haben: Die Polizei hat die Unterkunft eines Flüchtlings nahe Ulm durchsucht. Gegen ihn wird nun wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation ermittelt.

Die Unterkunft des 20-jährigen Verdächtigen wurde inzwischen durchsucht. dpa

Flüchtlingsunterkunft Herbrechtingen

Die Unterkunft des 20-jährigen Verdächtigen wurde inzwischen durchsucht.

Stuttgart, HerbrechtingenWeil ein Asylsuchender mit Kontakten zum Islamischen Staat (IS) geprahlt hat, ist eine Flüchtlingsunterkunft im baden-württembergischen Herbrechtingen durchsucht worden. Der 20-Jährige soll unter anderem angegeben haben, an Kämpfen des IS in Syrien beteiligt gewesen zu sein, wie Landeskriminalamt und Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart am Donnerstag mitteilten. Zuvor hatte der SWR darüber berichtet.

Gegen den Mann wird wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung ermittelt. Der Verdächtige ist nicht polizeibekannt und wieder auf freiem Fuß. Bei der Durchsuchung wurden zwei Handys beschlagnahmt, die nun ausgewertet werden. Hinweise auf mögliche Anschlagspläne gab es den Angaben zufolge aber „zu keiner Zeit“.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

Von

dpa

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