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20.04.2011

14:01 Uhr

„Atom-Dino“

SPD und Grüne wettern gegen RWE-Chef

Exklusiv Das strikte Festhalten von RWE-Chef Jürgen Großmann am Atomkurs halten SPD und Grüne für gefährlich - nicht nur aus Sicherheitsgründen. Sie bangen vielmehr um die wirtschaftliche Zukunft des Energiekonzerns.

Jürgen Großmann bei der Hauptversammlung in Essen. Quelle: dpa

Jürgen Großmann bei der Hauptversammlung in Essen.

Düsseldorf/EssenSPD und Grüne sehen angesichts des strikten Festhaltens von RWE-Chef Jürgen Großmann am Atomkurs den Energieversorger vor einer unsicheren Zukunft. "Großmann führt RWE in die Sackgasse: Der Konzern wird nur noch als technisch und strategisch veralteter Dinosaurier wahrgenommen, dem die Kunden weglaufen und mit dem niemand Geschäfte machen will", sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber Handelsblatt Online. Wie die anderen Atomkonzerne rede auch der RWE-Chef um die wirklichen Sicherheitsfragen herum. Dabei könne keine der Atomanlagen von RWE heute noch einmal genehmigt werden. "Viele heute relevanten Sicherheitsanforderungen sind nicht nachrüstbar", sagte Kelber. "In Biblis zum Beispiel hat RWE mit allen Tricks über Jahre wichtige Nachrüstungen unterlassen."

Auch die Grünen sehe RWE mit Großmann auf dem Weg in die Sackgasse. "Auf die Renditen alter Atommeiler zu setzen statt in den Zukunftsmarkt der Erneuerbaren Energien zu investieren, ist keine erfolgversprechende Unternehmensstrategie", sagte Fraktionsvize Bärbel Höhn Handelsblatt Online. Das sähen auch immer mehr RWE-Aktionäre so, betonte die Grünen-Politikerin.

Auch aus der FDP kam Kritik am RWE-Chef. Aus einer aktienrechtlichen Perspektive sei Großmanns Positionierung wohl „durchaus nachvollziehbar“, sagte der energiepolitische Sprecher der FDP im Europaparlament, Jorgo Chatzimarkakis, Handelsblatt Online. „Gleichwohl sollte er auch die politische Großwetterlage einschätzen.“

Chatzimarkakis, der auch Mitglied im FDP-Bundesvorstand ist, forderte von Großmann, er solle der Politik „konkret vorrechnen wie die abgeschalteten AKWs kompensiert werden können und was dies an zusätzlichem CO2-Austoß bedeutet“. Zur Frage nach dem Atomausstieg  gehöre auch eine Debatte über die CO2-Abscheidung bzw. unterirdische Speicherung von Kohlendioxid (CCS).

Der FDP-Politiker nahm dabei Bezug auf einen entsprechenden Beschluss der Bundesregierung von vergangener Woche. Die Festlegung, die das Kabinett getroffen hat, sei „äußerst halbherzig und verlagert die Verantwortung für diese von RWE mitentwickelte Technologie auf die Länder“, kritisierte Chatzimarkakis. Diese wiederum machten sich zu sehr abhängig von Bürgerinitiativen gegen CCS, so dass man in einem Teufelskreis ende. „Hier könnte Großmann endlich einmal nach vorne schauen und die Agenda besetzen“, sagte der FDP-Politiker.

Großmann hatte auf der RWE- Hauptversammlung vor den Folgen eines übereilten Ausstiegs aus der Atomkraft gewarnt. Eine schnelle Abschaltung der Reaktoren könne erhebliche Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Wohlstand haben, sagte er. Großmann betonte, die deutschen Kernkraftwerke erfüllten die geltenden Sicherheitsanforderungen. Begleitet wird die Hauptversammlung von lautstarken Protesten zahlreicher Atomkraftgegner. Demonstranten versuchten, mit Sitzblockaden und Zwischenrufen die Veranstaltung zu stören.

Großmann ließ sich davon nicht beeindrucken. Er kritisierte das Atom-Moratorium der Bundesregierung als voreilig. "Unsere Regierung hat nach dem Motto gehandelt: Erst abschalten, dann prüfen", sagte er. Großmann verteidigte die Klage des Konzerns gegen das Atom-Moratorium mit der vorübergehenden Stilllegung des AKW Biblis. "Das sind wir Ihnen, unseren Aktionären, schuldig." Der RWE-Chef warnte vor steigenden Strompreisen, die in Deutschland zur Schließung von Werken der energieintensiven Aluminiumindustrie führen könne.

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Kommentare (1)

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hl346de

22.04.2011, 13:46 Uhr

Als Politiker haben alle leicht reden, fordere dies und das und das eigene Gehalt wird einstimmig erhöht. Zum Beispiel um die höheren Strompreise zu bezahlen. Von jeder Reinigungsfachkraft verlangen wir eine Ausbildung und Kenntnisse von dem was er/sie machen soll. Wo haben die Politiker denn Kerntechnik gelernt? Und als Minister treiben sie sogar ein lustiges Karussel. Heute Familie, morgen Arbeit, heute Gesundheit und morgen Wirtschaft. Dabei muss ich Herrn Dr. med. Rösner noch ausdrücklich gratulieren. Medizin und Gesundheit haben doch durchaus noch gemeinsame Inhalte.
Aber bezahlen müssen wir das alles, und wenn nur wieder eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird.

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