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12.03.2012

12:49 Uhr

Atomlager Asse

Röttgen will Atommüll schnell bergen

Der Bundesumweltminister hat angekündigt, den Atommüll aus dem niedersächsischen Lager Asse so schnell wie möglich zu bergen. Röttgen hat das Atommülllager am Montag zum ersten Mal besucht.

Bundesumweltminister Norbert Roettgen (CDU, M.) vor dem Besuch in Asse. dapd

Bundesumweltminister Norbert Roettgen (CDU, M.) vor dem Besuch in Asse.

RemlingenBundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will die Abfälle aus dem maroden Atomlager Asse schnellstmöglich bergen lassen. „Es muss schnellstens raus. Es arbeiten alle daran, dass es so raus kommt, dass keine Menschen gefährdet werden“, sagte Röttgen vor dem ersten Asse-Besuch seiner Amtszeit am Montag in einer Diskussion mit Anwohnern. Es gebe keine Verschleppungstaktik der Politik, betonte Röttgen.

Viele Anwohner empfingen ihn mit Pfiffen und Plakaten wie „Röttgen bring in Ordnung, was die Atomlobby versaut hat.“ Einige Bürger unterstellten Röttgen, dass die Regierung das Lager lieber verfüllen wolle. Bisher ist ungewiss, wie lange das frühere Salzbergwerk noch stabilisiert werden kann, in das täglich 12.000 Liter Wasser eindringen.

Eine Bergung würde mehrere Milliarden Euro kosten und könnte Jahrzehnte dauern. Bis 1978 wurden in der Asse 126.000 Atommüllfässer abgekippt. Die Bürger in der Region kritisieren scharf, dass Röttgen erst jetzt, nach zweieinhalb Jahren im Amt, die Anlage besuchte, obwohl es sich um eines der größten Umweltprobleme Deutschlands handelt. Am Sonntag hatten 25.000 Menschen in der Region mit einer Lichterkette gegen die Nutzung von Atomenergie demonstriert.

Röttgens Vorgänger, SPD-Chef Sigmar Gabriel, forderte vom Umweltminister mehr Tempo und Einsatz, um schneller voranzukommen bei den Vorbereitungen für eine Bergung: „Ich hoffe, dass dies nicht nur ein Beschwichtigungsbesuch ist.“ In der Diskussion über ein Atommüll-Endlager forderte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin, noch im laufenden Halbjahr ein Gesetz zur Suche nach einem solchen Lager auf den Weg zu bringen.

Dafür sei ein breiter Konsens in Bundestag und Bundesrat nötig. „Wir fordern die Bundeskanzlerin auf, die Fraktionen des Bundestages zusammen mit den Ländern zu einem Gespräch einzuladen, in dem die ausstehenden Differenzen zu Gorleben, zu den Standortkriterien und zur Organisation der Endlagersuche geklärt werden.“

Von

dpa

Kommentare (3)

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bleacher

12.03.2012, 13:20 Uhr

Mal ehrlich: wer will heutzutage Bundesumweltminister sein?
Eine Lösung der Endlagerfrage wird immer dringlicher und so richtig es auch ist, den Atommüll aus der Asse zu bergen: wohin soll er denn?
Man kann allen Beteiligten nur die Daumen drücken zu dieser wahrhaften Goliathaufgabe.

vandale

12.03.2012, 13:42 Uhr

Rein technisch gibt es wenig, allenfalls die Tatsache das seinerzeit das Salz bis zum Rande des Vorkommens abgebaut wurde, was gegen Asse als Endlager für Leicht- und Mittelradioaktive Abfälle spricht. International gesehen ist Asse overdone. Es diente als Vorbild für die WIPP Anlage in den USA wo der hochradioaktive Abfall aus dem militärischen Aufkommen deponiert wurde.

In Deutschland hatte der einstige BMU Trittin Positionen in der Atomaufsicht mit berufsfremden Aktivisten, in Fachkreisen die "Landschaftsgärtner" genannt, mit gefestigten ökologischen Ueberzeugungen besetzt.

Das BfS wird von einem berufsfremden Präsidenten, Wolfram K. geführt. Wolfram K. kann man als sicherlich als Erfinder der "Ungelösten Endlagerfrage" bezeichnen. Er hat die Schliessung des gleichfalls vorbildlichen Endlagers Morsleben verfügt und hat sich vor einigen Jahren die Zuständigkeit für das technisch vorbildliche Endlager Asse gesichert.

Röttgen hat eine feste oekologische Ueberzeugung und scheut sich nicht die Wirklichkeit seinem Glauben unterzuordnen. Man denke an die Aussage, dass Oekostrom den Strompreis senken würde..oder die sehr spitzfindige Aussage, dass die Reaktorgebäude der älteren KKW einem Flugzeugabsturz nicht abhalten können, gleichwohl die Studie feststellte, dass nicht die Aussenwände, sondern die Aussenwände zusammen mit den massiven inneren Strukturen diese Reaktoren sehr gut schützen.

Insofern steht Röttgen für eine sehr teure, sachlich sinnlose Massnahme die lediglich im Sinne der Oekoreligion und dem Wunsch die Legende der "Ungelösten Endlagerfrage" aufrecht zu erhalten zu verstehen ist.

Vandale

Account gelöscht!

13.03.2012, 07:00 Uhr

Seit den 60ern betreibt die BRD kommerzielle Kernkraftwerke. Es war von Beginn an klar, daß die dabei verwendeten radioaktiven Stoffe weiterbearbeitet werden müssen und daß auch Abfallstoffe entsorgt werden müssen. Was die Regierungen seitdem effektiv zur Lösung dieser Aufgaben geschaffen haben, das ist einfach ein unerträglicher Murks.

Keine der politischen Parteien, die seitdem in über 50 Jahren in der Verantwortung standen, hat Maßnahmen entwickelt und Gesetze/Vorschriften erlassen, die der Brisanz des Themas auch nur annähernd gerecht werden. Es ist Versagen und Verschleppung auf ganzer Linie.

Röttgen will das nicht als Taktik bezeichnet wissen; dann war es eben grauenhafte Unfähigkeit, im Ergebnis ist das nicht anders. Falls die Fässer "geborgen" werden, wohin sollen sie denn dann kommen? Eine Bergung stellt man sich anders vor.

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