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15.01.2010

12:40 Uhr

Atomlager Asse

Strahlender Müll soll wieder ausgegraben werden

Der Vorstoß von Umweltminister Röttgen zur Asse-Sanierung schlägt hohe Wellen: Vielfach wird die Bergung der Fässer begüßt, jedoch kommt eine Diskussion über die Beteiligung der Atomwirtschaft an den Kosten auf. Eine Möglichkeit um an Geld zu kommen könnte eine Abgabe auf den Kernbrennstoff Uran sein.

Bergmann in der Asse: Atommüll soll wieder ans Tageslicht. ap

Bergmann in der Asse: Atommüll soll wieder ans Tageslicht.

HB HANNOVER/KÖLN. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) will den Atommüll aus dem einsturzgefährdeten Endlager Asse bei Wolfenbüttel herausholen. Vor der endgültigen Entscheidung darüber soll der radioaktive Abfall nach einem Bericht der "Braunschweiger Zeitung" (Freitag) aber genauer untersucht werden. Erst dann könne das unterirdische Lager mit möglichst geringem Risiko stillgelegt werden, sagte Röttgen der Zeitung. Das Gutachten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) sollte am Freitagmittag in Hannover vorgestellt werden.

Das BfS hatte drei Stilllegungsoptionen erarbeitet. Die Behörde rät der Politik zu größter Eile, da die Grube instabil ist und Wasser eindringt. Mit den Arbeiten solle so schnell wie möglich begonnen werden. In einem Gutachten des Essener Ingenieur- und Consultingunternehmens DMT und des TÜV Nord werden die Kosten mit mehr als zweieinhalb Mrd. Euro beziffert. Experten hatten insgesamt drei verschiedene Wege zur Stilllegung des ehemaligen Salzbergwerks Asse geprüft - das Herausholen der Atommüll-Fässer, eine Umlagerung innerhalb der Grube oder das Füllen der Kammern.

Die 126 000 Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Atommüll könnten in den 20 Kilometer entfernten Schacht Konrad, einem stillgelegten Eisenerz-Bergwerk in Salzgitter, gebracht werden, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Freitag).

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat die Pläne zur Öffnung des einsturzgefährdeten Atommüll- Endlagers Asse begrüßt. "Wir hoffen, dass dieser Weg glückt, dass er machbar ist", sagte Wulff am Freitag in Berlin. Er sagte die Unterstützung der niedersächsischen Landesregierung zu und betonte zugleich: "Man soll aber nicht den Eindruck erwecken, das sei schon die Lösung des Problems." Das Lager bei Wolfenbüttel ist marode.

Die Sozialdemokraten forderten Umweltminister Röttgen zur Stellungnahme im Bundestag auf: "Nur durch ein deutliches Statement des Bundesumweltministers kann für die besorgten Anlieger ein Zeichen für einen klaren und transparenten Kurs im Umgang mit den strahlenden Altlasten der Atomwirtschaft gesetzt werden", sagte der umweltpolitische Sprecher der SPD - Bundestagsfraktion, Matthias Miersch, am Freitag laut Mitteilung. "In dieser Sache darf keine Zeit mehr verloren gehen."

Kommentare (8)

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Lacarian

15.01.2010, 22:18 Uhr

Soviel also zu einem Atommüll-END-Lager...

p.kunze

15.01.2010, 23:13 Uhr

Das ist doch wohl mehr als verstaendlich wenn die industrie, den den Muell ja prodiziert und daran verdiehnt, denselben auch auf eigene Kosten entsorgen muss.
Alles andere ist versteckte Foerderleistungen, Zuschuesse fuer die industrie.
Wieso ist das nicht schon laengst Gesetz.
Frau Merkel, nun mal ran, sorgen Sie endlich fuer Ordnung in diesem Sauhaufen.

Graf Eichstädt

17.01.2010, 18:39 Uhr

ich finde es ehrlich gesagt ungeheuerlich, wie sich der Staat, von den Stromkonzernen reinlegen lässt.

Die Konzerne streichen die Gewinne ein und der Staat der trägt die Kosten für die Lagerung und Verarbeitung des Atommülls.
Eine Studie eines instituts in München zeigte das ohne Subventionen des Staates jede Kilowattstunde Atomstrom, ganze 2 Euro kosten würde.

Ein weiteres beispiel zum Nachdenken:
in Karlsruhe wird jetzt ein Modell erstmals im größeren Maße getestet, dabei wird Atommüll, "verglast". Dabei soll der Atommüll sicherer gemacht werden und die Starhlungsintensität geringer werden, was auch wohl zweifellos Nutzen hat. Jedoch kostet das den Staat allein in Karlsruhe ganze 6,7 Milliarden. ( Quelle Spiegel). Die Verarbeitung des Atommülls eines ehemaligen, sowjetischen Uran-tagebaus im Osten Deutschlands kostet ebenfalls an die 6 Milliarden Euro.
Die Konzerne zahlen keinen Cent obwohl sie schon seit Jahrzenten massiv subventioniert werden.

Die brennelemente-Steuer wäre dabei ein erster richtiger Schritt um die Konzerne mit in die Verantwortung zu nehmen.

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