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28.11.2011

22:31 Uhr

Atommüll-Transport

Castoren erreichen nach 125 Stunden ihr Ziel

Keiner der Castor-Transporte bisher hat länger gebraucht, um sein Ziel zu erreichen: Nach 125 Stunden sind die Atommüllbehälter im niedersächsischen Gorleben angekommen - zum vorerst letzten Mal.

Der erste Castor-Behaelter erreicht am Montag auf einem Tieflader das Zwischenlager Gorleben. dapd

Der erste Castor-Behaelter erreicht am Montag auf einem Tieflader das Zwischenlager Gorleben.

GorlebenDer Castor-Transport, der so lange gebraucht hat wie keiner vor ihm, ist am Ziel. Gut 125 Stunden nach dem Start an der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague rollten am Montagabend von 22.06 Uhr an die elf Tieflader mit den umstrittenen Atommüll-Behältern durch das Tor des Zwischenlagers im niedersächsischen Gorleben.

Bevor der Konvoi Gorleben erreichte, sprangen allerdings noch zwei Aktivisten auf. Sie zwangen den von einem massiven Polizeiaufgebot begleiteten Transport zu einem letzten Zwischenstopp.

Zuvor waren die Spezialbehälter mit dem hoch radioaktiven Abfall in der Verladestation Dannenberg für die letzte, etwa 15 Kilometer lange Etappe von Eisenbahnwaggons auf Tieflader umgehoben worden. Umweltschützer nutzten diese Zeit, um ihre Stärke zu zeigen.

Noch bis gegen 16 Uhr besetzten Hunderte Castor-Gegner die Zufahrtsstraße zum Zwischenlager. Über der Sitzblockade kletterten zudem etwa eine Handvoll Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood in die Bäume und spannten Transparente auf. Die Polizei musste mit einem Hubwagen anrücken, um die letzte Blockade vor dem Anrollen der Castor-Transporter in Dannenberg zu lösen.

Castor-Transporte: Demonstranten im Kessel

Castor-Transporte

Demonstranten im Kessel

Mit Beton und Ketten und viel Routine sind die Demonstranten im Wendland am Werk. Auch die Polizei gibt sich gelassen. Dennoch gibt es genug zu tun, vor allem durch gewaltbereite Atom-Gegner.

Wenige Kilometer weiter sperrten zudem Aktivisten von Greenpeace in einer Blitzaktion die mögliche Südroute. In Klein Gusborn stellten sie dafür einen Transporter quer und senkten einen Quader aus Beton auf die Fahrbahn. Darin machten sich wiederum zwei Aktivisten fest. Zur Räumung löste die Polizei die Castor-Gegner nicht, sondern fixierte den Betonklotz am Wagen und schob das Fahrzeug beiseite.

Noch während der letzte Behälter in Dannenberg umgeladen wurde, begannen Polizisten schließlich damit, die traditionelle Blockade vor dem Zwischenlager zu räumen. Durch das rigide Vorgehen der Beamten wurden offenbar mehrere Aktivisten verletzt, als die Polizei sie ruppig von der Straße zog. Ein Polizeisprecher sagte dapd, dass die Beamten in solchen Fällen auch „Schmerzgriffe“ anwendeten.

Das Gesetzespaket zur Energiewende

Das Atomgesetz

Im Mittelpunkt steht das Atomgesetz, mit dem die stufenweise Abschaltung aller Atomkraftwerke bis 2021/2022 festgeschrieben werden soll. Drei AKW sollen 2015, 2017 und 2019 vom Netz gehen, drei weitere 2021 und die drei Letzten 2022. Im Gegenzug sollen die erneuerbaren Energien massiv gefördert werden, wofür ein rascher Ausbau der Stromnetze nötig ist.

Das Netzausbaubeschleunigungsgesetz (Nabeg)

Mit dem Gesetz wird die Zuständigkeit für die Genehmigung von Stromübertragungsleistungen beim Bund konzentriert.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)

Mit dem EEG werden die Vergütungssätze für Öko-Strom festgelegt. Zunächst geplante Einschnitte bei der Onshore-Windkraft sollen zurückgenommen werden.

Die Energiesparverordnung (EnEV)

Die EnEV regelt die Energieeffizienz von Gebäuden.

Das Gesetz zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)

Die Bundesregierung wird die Mittel für die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung-Förderung (KWK) effizienter einsetzen, um die Energieerzeugung aus KWK-Anlagen deutlich zu stärken.

Bauplanungsrecht

Das Bauplanungsrecht soll die Ausweisung von Flächen für EEG-Anlagen erleichtern.

Das Energiewirtschaftsgesetz

Das Gesetz betritt unter anderem die Einführung intelligenter Stromzähler.

Gesetz über den Energie-Klimafonds

Ursprünglich sollten Atomkonzerne als Gegenleistung für die beschlossene Laufzeitverlängerung in den Fonds einzahlen. Durch den Ausfall der Verlängerungen fallen nun auch die Zahlungen weg.

Offizielle Zahlen über Verletzte lagen zunächst nicht vor. Die Gruppe „X-tausendmalquer“ sprach indes von fünf Demonstranten, die bei der Räumung so stark verletzt worden seien, dass sie in ein Krankenhaus eingeliefert werden mussten. In den vorherigen Tagen hatte die Polizei im Wendland bereits wiederholt Wasserwerfer, Gummiknüppel und Reizgas gegen Castor-Gegner eingesetzt. Beamte wurden wiederum mit Böllern, Flaschen und Holzpfählen beworfen.

Kommentare (4)

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ArmesD

29.11.2011, 09:39 Uhr

Nachdem die wohlwollende Berichterstattung über "originelle" Widerstandsformen, die man durchaus als kriminelle Handlungen bezeichnen kann, abgeschlossen ist, werden wir wohl bald auch fortlaufend über den Ausgang der Strafverfahren und der Schadensersatzprozesse gegen die Randalierer und Blockierer im Handelsblatt unterrichtet. Schön wäre es auch, wenn die Chaoten, die Polizisten angegriffen und verletzt haben, öffentlichkeitswirksam aus dem Verkehr gezogen würden.

Account gelöscht!

29.11.2011, 09:55 Uhr

Ich bin für Schnellgerichte im Zusammenhang mit dem Castor-Transport.
Wer Sachbeschädigung, sich wegtragen lässt, hat für die entstandenen Schäden aufzukommen.
Die Kosten haben die Veranstalter und die gewaltbereiten Demonstranten aus ihrer eigenen Tasche zu begleichen, und nicht der Steuerzahler.
Basta/Alternativlos.
Danke

Account gelöscht!

29.11.2011, 12:29 Uhr

Welches Interesse dieser Transport hat , zeigt sich wenn man ihn mit den Guttenberg Beiträgen vergleicht .
Dieser Beitrag ist von gestern Abend mit (abgesehen von meinem ) 2 Kommentaren ,
Der letzte Guttenbergbeitrag ist von heute morgen , dort sind es 13 Kommentare (ohne das ich einen geschrieben habe ).

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