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28.11.2011

08:17 Uhr

Atommülltransport

Castor nimmt letzte Hürde vor Zwischenlager Gorleben

Der längste Castor-Transport aller Zeiten ist in Dannenberg angekommen. Nun beginnt die Umladung auf Spezial-LKW. Tausende Polizisten sichern weiter die Strecke nach Gorleben - 20 Kilometer liegen noch vor dem Transport.

Castor-Transport erreicht Dannenberg

Video: Castor-Transport erreicht Dannenberg

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Dannenberg/GorlebenAn der Verladestation im niedersächsischen Dannenberg hat am Montagmorgen die Umladung der elf Castor-Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll begonnen. Kurz zuvor war der Zug mit dem strahlenden Abfall aus dem französischen La Hague nach einer rund 109-stündigen Fahrt im Wendland eingetroffen. In der Umladestation werden die rund 120 Tonnen schweren Castoren auf Speziallastwagen umgeladen und dann in das rund 20 Kilometer entfernte Zwischenlager Gorleben gefahren. Der Verladeprozess dauert bis zu 15 Stunden. Befürchtete starke Windböen, die die Umladung verzögern könnten, gab es zunächst nicht.  

Während der Fahrt hatten viele tausend Atomkraftgegner den Konvoi trotz massiven Polizeischutzes immer wieder mit Blockaden und Demonstrationen zu unfreiwilligen Pausen gezwungen und so die Ankunft in Dannenberg verzögert. Zuletzt hatten eine Blockade in Hitzacker den Zug zu einer mehr als 15-stündigen Pause gezwungen. Rund 800 Demonstranten von den Gleisen getragen. In Gorleben bereiteten in der Nacht rund eintausend Demonstranten eine Straßenblockade vor.        

Seit 1995 gab es 13 Transporte mit hoch radioaktivem Müll von La Hague nach Gorleben. Noch nie zuvor dauerte der Transport so lange. Beim Eintreffen in Dannenberg waren seit dem Start in Valognes in Frankreich 109 Stunden vergangen. Aus Sicht der  Demonstranten ist jede Verlängerung des Transports ein Erfolg. Für das Land Niedersachsen bedeutet dies dagegen hohe Kosten. Im vergangenen Jahr betrugen die Ausgaben des Landes für den Castor-Transport 36,5 Millionen Euro. Damals dauerte der Transport  92 Stunden.      

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, forderte Grünen-Chefin Claudia Roth nach ihrer harten Kritik am Castor-Polizeieinsatz zum Rücktritt von der Parteispitze auf. Wendt sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, „wer einen rechtmäßigen Polizeieinsatz als Anschlag auf die Demokratie verunglimpft, hat unsere Demokratie nicht verstanden.“ Mit ihren Äußerungen gegen die Polizei sei Roth eine Wegbereiterin für politischen Extremismus in Deutschland. „Eine Frau mit derart verantwortungslosem Verhalten hat an der Spitze einer demokratischen Partei nichts zu suchen“, fügte Wendt hinzu.      

Roth hatte der Polizei ein „absolut überzogenes“ Vorgehen vorgeworfen. Der Einsatz sei „ein Anschlag auf die Demokratie“, sagte sie am Sonntag auf dem Bundesparteitag der Grünen in Kiel. Der Castor-Transport ist der letzte mit hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in La Hague in Frankreich. Er war am Mittwoch gestartet. In ganz Deutschland sind während des Transports rund 19.000 Polizisten im  Einsatz. In Dannenberg hatten bereits am Samstagnachmittag Tausende von Menschen friedlich gegen den Transport und gegen die weitere Erkundung des Gorlebener Salzstocks auf eine Eignung als Endlager protestiert.

Kommentare (3)

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ArmesD

28.11.2011, 10:16 Uhr

Auch das Handelsblatt hat sich wie andere Presseorgane auch der Kriegsberichterstattung zum Castor-Transport angeschlossen.
Die staunende Öffentlichkeit muss sich ansehen, wie Rechtsbrüche durch Chaoten von Politik und Presse angeheizt und verklärt werden.
Gegen Blockierer und grünrote Chaoten hilft nur schweres Gerät in Form von Räumpanzern und Kuhfängern an der Lok. Mich wundert die Untätigkeit der Polizei und das Schweigen von CDU. SPD und FDP.
Wird das Handelsblatt nun über die Strafverfolgung und die Schadensersatzprozesse gegen die Chaoten berichten?

Horst_trummler

28.11.2011, 13:36 Uhr

Das ökoreligiöse Wallfahrt diesen Jahres ist zuende

Jedes Jahr wieder feiern die Deutschen Oekologen den Castor als grosses Ereignis wie andere Religionen beispielsweise Wallfahrten an heilige Orte veranstalten. 10000ende reisen ins Wendland um unbeschadet Krawall machen zu können. Politiker halten für die Demonstranten anfeuernde Reden. Die Medien veröffentlichen schauerhafte, phantasievolle Geschichten zu Radioaktivität und Atommüll. Die dienstverpflichteten Polizisten halten ihren Kopf hin. Mit der neuen Arbeitswoche geht dieses Ereignis zuende da die meisten Wallfahrer wieder zur Schule, oder zur Arbeit gehen müssen.

Interessant ist es das der Staat auf der einen Seite in Form der Verwaltung klaglos den vertraglichen Verpflichtungen nachkommt, andererseits in Form der Politik diese Form der gewalttätigen Wallfahrt unterstützt, oder zumindest duldet.

Interessant ist auch das ausgerechnet die umweltfreundlichste Energiequelle mit den geringsten Mengen an herausfordernden Abfällen mit extremer Phantasie ins negative gezogen wird.

Vandale

Rade

28.11.2011, 17:52 Uhr

Der Rechtsstaat scheint nur noch dafür zu taugen, Bürger zu gängeln, indem er Rauchverbote erlässt und überwacht, oder bei Radarkontrollen, Telefonieren am Steuer usw. unnachgiebige Härte zeigt. Den Schutz des Rechtes bei massiven Straftaten oder gar den Schutz der Bürger vor Straftätern oder die Verfolgung solcher Delikte gepaart mit konsequenter Bestrafung scheint in den Hintergrund zu treten. Diebstahl, schwere Sachbeschädigung, Nötigung muss nur linkspolitisch motiviert sein, dann ist das schon in Ordnung.
Unser im Bundestag vertetenes Parteienspektrum scheint kein Interesse an Rechtssicherheit und Bürgervertrauen zu haben. Warum wählen wir diese Volkstreter noch?

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