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15.05.2012

15:46 Uhr

Attacke auf Röttgen

CDU-Politiker wettern gegen Seehofers Kritik

Nach der Attacke von CSU-Chef Seehofer gegen Röttgen melden sich auch Vertreter der Schwesterpartei zu Wort - und die sind gar nicht begeistert. Auch FDP-Chef Rösler hält einen besonnenen Politikstil für sinnvoller.

Armin Laschet, Vizechef der NRW-CDU. dpa

Armin Laschet, Vizechef der NRW-CDU.

Düsseldorf/BerlinDie scharfe Kritik von CSU-Chef Horst Seehofer nach der Wahlschlappe in Nordrhein-Westfalen am Kurs der Union hat bei der Schwesterpartei CDU Verärgerung ausgelöst. Der Vizechef der NRW-CDU, Armin Laschet, sagte am Dienstag in Düsseldorf, er wünsche Seehofer, "dass er in einer Niederlage nie so von anderen Landesverbänden behandelt wird wie er im Moment die CDU behandelt".

Der Parlamentsgeschäftsführer der Union, Peter Altmaier (CDU), versuchte in Berlin, die Wogen zu glätten. Seehofer sei "bekannt für offene Worte", sagte Altmaier vor Journalisten. Dessen Äußerungen seien "kein Beinbruch" in der Debatte, wie die Union erfolgreich bei den nächsten Wahlen sein könne.

Seehofers ZDF-Rundumschlag gegen Röttgen

Röttgens Wahlniederlage - Offizielles Interview

„Ich glaube, wir sollten etwas nicht schönreden, was nicht schön ist. Das ist die bittere Wahrheit. Das war ein Desaster gestern.“

Röttgens Wahlniederlage - Nachgespräch

„Der Röttgen hat gegen die Frau Kraft mit einem Verhältnis 37 zu 34 begonnen. Und innerhalb von sechs Wochen ist das weggeschmolzen wie ein Eisbecher, der in der Sonne steht. Das ärgert mich.“

Lage von Schwarz-Gelb - Offizielles Interview

„Wir haben gewaltige Projekte. Denken Sie an die Energiewende, wo vieles noch nicht gelöst ist. An den Streit um das Betreuungsgeld innerhalb der Union. (...) Das waren alles Dinge, die nicht sehr professionell waren. (...) Das (die Wahlniederlage) war ein gemeinsamer Fehler der ganzen Koalition, CDU, CSU, FDP. (...) (W)ir müssen daraus Konsequenzen ziehen. Ich bin nicht mehr bereit, einfach zur Tagesordnung überzugehen. Wir müssen besser werden, auch in Berlin.“

Lage von Schwarz-Gelb - Nachgespräch

„Wir haben jetzt noch vier Ministerpräsidenten mit FDP-Beteiligung in Deutschland. (...) Wir haben noch sieben Ministerpräsidenten, wenn ich die großen Koalitionen dazutue. Die SPD hat acht. (...) Es zählt dazu jetzt die Europafrage. Das Wachstumspaket in Europa, die Stabilität des Euros, die Inflation, die am Horizont aufscheint, (...) der Schuldenabbau in Deutschland, Umsetzung des Fiskalpaktes. Dies alles wird doch seit Wochen hin und her und rauf und runter diskutiert. Das muss jetzt ein Ende haben. (...) Wissen Sie, was mir so wehtut - weil ich glaube, dass diese Union und die FDP wirklich ein Potenzial haben in Deutschland, um zu regieren. Und wir machen das einfach nicht so gut, dass wir die Zustimmung auch von der Bevölkerung erhalten. Es tut mir leid.“

Röttgens Kandidatur - Offizielles Interview

„Das (Desaster) hatte viele Ursachen in NRW selbst. Zum Beispiel, dass man sich nicht voll für dieses Land entschieden hat. Aber wir müssen Konsequenzen daraus ziehen, auch für unsere Arbeit in Berlin.“

Röttgens Kandidatur - Nachgespräch

„Das war ein ganz großer Fehler. (...) Ja, ich habe mit ihm gesprochen, persönlich und über die „Bild“-Zeitung. Und persönlich hat er mich dann abtropfen lassen. Die Kanzlerin war ja dabei. Im Gegenteil, er hat dann die Medien noch mit dem Argument versorgt, er hätte es uns beiden gezeigt. Und ich habe ihm gesagt: Lieber Herr Röttgen, das ist nicht ihre Privatentscheidung, ob Sie jetzt nach NRW gehen oder nicht. Das trifft die ganze Union. Und wenn Sie das nicht korrigieren, dann wird's uns hart treffen. Und genau so ist es gekommen. (...) Schauen Sie, wer alles aus der Politik davongelaufen ist, obwohl er für vier, fünf Jahre gewählt war. Das hat die Leute schon verstört. (...) Und dann geht ein Kandidat her für das Amt des Ministerpräsidenten und sagt: Ich laufe nicht davon, ich laufe gar nicht hin. Das nehmen die Leute nicht ab.“

Unterstützung erhielt Seehofer von CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt. "Horst Seehofer hat völlig recht", sagte die Vorsitzende der CSU-Bundestagsabgeordneten der "Rheinischen Post". Die schwarz-gelbe Koalition in Berlin müsse "den Leuten jetzt deutlicher sagen, dass wir auch gut sind für die Zukunft des Landes". Sie müsse "tun, wofür uns die Leute gewählt haben".

FDP-Chef Philipp Rösler zeigte sich unbeeindruckt von Seehofers Ankündigung, nicht mehr an Spitzentreffen der Koalition teilzunehmen, bis ein Gesetzentwurf für das von der CSU geforderte Betreuungsgeld vorliegt. Die Koalitionsparteien sprächen "regelmäßig" miteinander, sagte Rösler im Deutschlandfunk. "Wenn wir uns zusammen treffen, kommen immer sehr gute Ergebnisse dabei raus."

Der FDP-Chef warb für einen besonnenen Politikstil. "Was hat man davon, wenn man aus der Haut fährt? Die Probleme werden nicht gelöst, indem man aus der Haut fährt, sondern wenn man sie klug analysiert, nachdenkt, Problemlösungen findet und sie dann auch umsetzt."

Seehofer hatte Röttgen am Montagabend im ZDF-"heute journal" massiv angegriffen und auch den Zustand der Koalition kritisiert. Er kündigte deshalb auch Konsequenzen für die Koalitionsarbeit an: Er sei wirklich entschlossen, was zu ändern.

Von

afp

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

15.05.2012, 16:27 Uhr

Respekt, das hätte ich dem Seehofer nicht zugetraut.

MikeM

15.05.2012, 16:40 Uhr

Seehofer ist ein Dampfplauderer der dümmsten Sorte. Selber nichts auf die Beine bringen, unzählige "rote Linien" in der Europapolitik ziehen um diese gleich wieder zu überqueren, ... das ist Seehofer.

Account gelöscht!

15.05.2012, 18:36 Uhr

Zu spät hat sich Seehofer geäußert. Dass Röttgen ein Blindgänger ist, das pfeifen doch alle Spatzen von den Dächern. Bei BDI konnte der nichts werden, also blieb nur die Politik.

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