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24.06.2011

16:36 Uhr

Attacke auf US-Ratingagenturen

CSU warnt vor „Wirtschaftskrieg gegen den Euro“

ExklusivDen drei US-geprägten Ratingagenturen bläst der Wind in Europa heftig ins Gesicht. Nicht nur die neue EU-Wertpapieraufsicht macht Front gegen die Risikobewerter. Auch die deutsche Politik macht Druck.

Blick auf die Büroräume von Fitch Ratings in New York (Archivfoto vom 29.04.2010). Quelle: dpa

Blick auf die Büroräume von Fitch Ratings in New York (Archivfoto vom 29.04.2010).

DüsseldorfDer Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Bundestagsfinanzausschuss und Vorsitzende der CSU-Mittelstands-Union (MU), Hans Michelbach, hat sich für eine härtere Gangart gegenüber den drei mächtigen US-Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch ausgesprochen. Das bisherige Verhalten der drei Agenturen gegenüber der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA sei nicht akzeptabel. Sie müssten, wie andere Mitbewerber auch, ausführliche Unterlagen einreichen und sich der europäischen Zulassung stellen. „Dass in den USA die Auflagen für Ratingagenturen noch nicht genau geregelt sind, kann nicht als Entschuldigung herhalten“, sagte Michelbach Handelsblatt Online. „Den großen Drei muss klar sein: Wenn sie die Bedingungen für eine Zulassung in der EU nicht rechtzeitig erfüllen, sind sie aus dem Spiel.“ Die Debatte zeige auch, wie wichtig zusätzliche „potente europäische Konkurrenz“ in diesem Bereich ist.

Die neue EU-Wertpapieraufsicht ESMA legte sich mit den Risikobewertern Standard & Poor's, Moody's und Fitch direkt an und drohte ihnen mit der Versagung ihrer Zulassung, sollten sie die europäischen Bewertungsregeln nicht einhalten.

Michelbach griff die Agenturen scharf an und nannte deren Bewertungsverfahren intransparent und willkürlich. „Wenn ein Land wegen angeblich schwindender Zahlungsfähigkeit heruntergestuft wird und anschließend erneut abgestraft wird, weil es Reformen zur Verbesserung seiner Finanzlage unternimmt, ist das derart widersprüchlich, dass die Seriosität solcher Bewertungen in Zweifel steht“, sagte Michelbach. „Für unseriöse Rating-Agenturen aber ist kein Platz in Europa.“ Es müsse daher klar sein, nach welchen Kriterien die Ratingagenturen zu ihren Bewertungen kommen. „Wenn die Agenturen nicht Transparenz sorgen, kann der Eindruck entstehen, dass sie einen Wirtschaftskrieg gegen den Euro führen.“

Als „unhaltbaren Zustand“ bezeichnete es Michelbach in diesem Zusammenhang, dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Handeln von den US-Ratingagenturen bestimmen lässt. „Damit lässt sie sich zum Spielball nicht durchschaubarer Interessen machen“, sagte er. „Dies widerspricht fundamental dem Grundsatz der Unabhängigkeit der europäischen Notenbank.“ Die EZB verfüge über ausreichend eigenen Sachverstand und sei daher auf zweifelhafte Bewertungsergebnisse von Privatfirmen nicht angewiesen.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

24.06.2011, 16:52 Uhr

Als die Türkei Jahrzehnte 10% und mehr Zinsen für Kredite zahlen mußte, ohne einem jemals auch nur ein Cent bis heute schuldig geblieben zu sein, war die Welt in Ordnung.
Aber wenn sie sie jetzt selbst zahlen sollen, mit Garantie auf Ausfall, ist es ein Wirtschaftskrieg.


Wie freue ich mich die nächsten Jahrzehnte diesen Spaß mit eurem Elend zu haben. Solch eine Genugtuung kann man für Geld nicht kaufen.
.

HerrSaubermann

24.06.2011, 17:12 Uhr

Vielleicht können die Rating-Agenturen einfach nur besser rechnen als Herr Michelbach.
Hätten mal unsere Politiker die Hausaufgaben eher gemacht, müssten sie jetzt nicht schon wieder einen Sündenbock suchen.
Meine Güte, was für Politiker.

hamp

24.06.2011, 17:30 Uhr

„Wirtschaftskrieg gegen den Euro“

blöde verschwörungstheorie

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