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13.04.2012

10:28 Uhr

Attacke des Generalsekretärs

Piraten-Höhenflug bringt FDP in Rage

Eine Partei ohne klares Profil macht den Liberalen in Umfragen den Garaus. Das schmeckt FDP-Generalsekretär Döring überhaupt nicht. In einem Interview drischt er auf die Piraten ein. Die geben sich demonstrativ souverän.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring. dpa

FDP-Generalsekretär Patrick Döring.

BerlinDie Piratenpartei setzt ihren Siegeszug munter fort und bringt damit die FDP in Rage. Der Generalsekretär der Liberalen, Patrick Döring, versucht nun die Polit-Freibeuter bloßzustellen, indem er ihr Politikmodell auseinandernimmt. „Nur eine Mehrheit über einen Schwarm zu organisieren, ist noch lange keine Demokratie“, sagte Döring der „Berliner Zeitung“. Zudem gebe es im Umfeld der Piraten den Versuch, durch Mobilisierung und Lautstärke andere Meinungen an die Wand zu drücken.

Den Piraten kann die Liberalen-Kritik derzeit wenig anhaben. Im ARD-Deutschlandtrend legten sie erneut zu, während die anderen Parteien in der Wählergunst stagnieren. In der Umfrage von Infratest dimap für das „Morgenmagazin“ verbesserte sich die Piratenpartei am Freitag um einen Punkt auf elf Prozent, die FDP hängt dagegen bei drei Prozent der Stimmen fest.

Die Union lag unverändert bei 35 Prozent, der SPD würden 27 Prozent der Bürger ihre Stimme geben. Die Grünen lagen in der Umfrage unverändert bei 14 Prozent der Wählerstimmen. Die Linke erhielt sechs Prozent und verschlechterte sich damit um einen Punkt. Somit gäbe es derzeit nur für eine große Koalition aus Union und SPD eine Mehrheit im Bundestag: SPD und Grüne kämen zusammen nur auf 41 Prozent. Die derzeitige Regierungskoalition hätte 38 Prozent der Bürger hinter sich - allerdings würde die FDP nicht in den Bundestag einziehen.

Die FDP versucht daher, den Piraten das Wasser abzugraben – mit harter Kritik. Partei-Generals Döring sagte, es sei ein Widerspruch, wenn sich die Piratenpartei einerseits für Transparenz in den politischen Entscheidungsprozessen einsetze, andererseits aber besonderen Wert auf die Anonymität und anonyme Debattenbeiträge lege. Die Forderung nach bedingungsloser Transparenz von politischen Prozessen sei im Übrigen nicht umzusetzen. „Es gibt Entscheidungsprozesse, die hinter verschlossenen Türen erörtert werden müssen“, sagte Döring. Andernfalls würden nur noch Fensterreden gehalten.

Die Piraten selbst lassen die Attacken Dörings hingegen souverän an sich abperlen.  „Herrn Dörings Behauptungen werden nicht dadurch richtiger, dass er sie ständig wiederholt“, sagte der Berliner Piraten-Abgeordnete Christopher Lauer Handelsblatt Online. „Es ist bezeichnend, dass dem Generalsekretär einer Regierungspartei nichts Besseres einfällt, als eine Partei, die 1,1 Millionen Nichtwähler mobilisiert, plump zu beschimpfen.“ Lauer prophezeite den Liberalen einen Wechsel in der politischen Landschaft Deutschlands. „Er wird ohne Herrn Döring und die FDP stattfinden.“

Kommentare (32)

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13.04.2012, 10:49 Uhr

Die FDP -die Partei der Besserverdienenden vertritt - wie für jeden zu beobachten - die nur die Interessen ihrer Klientel. Entsprechend werden die Gesetze oft von dieser Klienetel völlig intransparent über diese Partei eingebracht.
Steuersenkungen kommen weniger dem arbeitenden Volk zugute - die belasten mehr die Abgaben und Zusatzausgaben z.B. für Gesundheit.

Die Piraten schicken sich an, die Interessen der Mehrheit der Bürger zu verteten - und jeder kann sich beteiligen. Und dabei setzen sie auf Transparenz. Etwas Neues in deutschland, das von Lobbyismus - einer Art Korruption geprägt ist.

Nun muß jeder sehen, wer ihn vertritt.

Hermann.12

13.04.2012, 10:58 Uhr

Mit dieser Kritik kann Döring bestenfalls die Piraten weiter stärken.
Döring zeigt nur, das er außerstande ist überhaupt zu verstehen, warum seine Partei nur noch für 3% gut ist.
Ob die Piraten am Ende eine Bereicherung darstellen werden, bleibt davon unberührt. Letztlich ist das eine Frage guter Ausbildung jenseits der reinen Schulbildung und das ist nach X Schulreformen bundesweit ein Problem.
Früher konnte man Dummheit etwas leichter an der Ausbildung festmachen, heute können auch Leute mit Einser Abitur strohdumm aber erfolgreich sein.
Die Politik der FDP, aber auch der Grünen erweckt immer wieder den Eindruck Nichts jenseits der formalen Bildung und Anforderungen begriffen zu haben.
Das Ergebnis solcher Unwissenheit, die auch die Piraten und die anderen Parteien bedroht zeigt sich darin das "Gut gemeint eben das Gegenteil von gut ist".

H.

Moika

13.04.2012, 11:00 Uhr

Döring soll sich bloß nicht so aufkröppen. Daß die Piraten in weiten Teilen der Politik vor allem Wissenslücken und Defizite haben, wissen die selbst nur zu genau.

Wenn sich allerdings in der Hauptsache die Jugendlichen mit Grausen von den alt hergebrachten Parteien abwenden, hat das vor allem auch mit dieser saturierten Selbstzufriedenheit ala eines Herrn Döring zu tun.

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