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04.06.2014

16:22 Uhr

Attraktivere Bundeswehr

Von der Leyen verteidigt ihre Reformpläne

Wegen ihrer „Attraktivitäts-Agenda“ für die Bundeswehr steht Verteidigungsministerin von der Leyen seit Tagen in der Kritik. Nun geht sie in die Gegenoffensive – sie will 60.000 neue Bewerbungen pro Jahr erreichen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Dienst ermöglichen. dpa

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Dienst ermöglichen.

BerlinVerteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat ihre Pläne für attraktivere Arbeitsplätze bei der Bundeswehr gegen zum Teil massive Kritik verteidigt. Die Bundeswehr befinde sich durch die Abschaffung der Wehrpflicht in einem harten Wettbewerb um guten Nachwuchs, sagte von der Leyen am Mittwoch in Berlin. „Gerade, weil wir viel von den Soldaten und Soldatinnen verlangen, müssen wir ihnen im Grundbetrieb viel bieten.“ Kritiker halten ihr vor, für die „Attraktivitäts-Agenda“ wichtigere Aufgaben zu vernachlässigen.

Ursprünglich wollte von der Leyen ihre Pläne am Mittwoch vorstellen. Vergangene Woche wurden sie aber vorzeitig bekannt. Die Bundeswehr soll demnach insbesondere familienfreundlicher werden. Zu dem Reformpaket gehören flexiblere Arbeitszeiten, modernere Unterkünfte und bessere Karrieremöglichkeiten. Als Ziel nannte von der Leyen 60.000 neue Bewerbungen pro Jahr. Derzeit hat die Bundeswehr mehr als 260 000 Soldaten und zivile Beschäftigte.

Ihren Kritikern hielt die Ministerin entgegen, die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr hänge auch davon ab, dass ihr nicht die „qualifizierten Menschen“ ausgingen. „Was nützt uns der beste Eurofighter, wenn wir keinen Piloten, keinen Techniker mehr haben, der mit diesen Maschinen verantwortungsbewusst umgehen kann?“ Deutschland werde auch künftig „Milliarden in eine gute Rüstung investieren“, sagte von der Leyen. Zugleich müssten aber „wenigstens Millionen“ ins Personal investiert werden.

Das Engagement der Bundeswehr in Afrika

Somalia

Im Rahmen des EU-Einsatzes Atalanta schützen 337 Marinesoldaten am Horn von Afrika Schifffahrtsrouten vor somalischen Piraten. An der ergänzenden neuen EU-Gruppe Eucap Nestor nehmen derzeit zwei deutsche Berater teil.

Mali/Senegal

Für die UN-geführte Mission Minusma stellt die Bundeswehr in Mali und im Nachbarland Senegal Material und 71 Mann für Lufttransport und Luftbetankung bereit. Die European Training Mission Mali (EUTM Mali) soll dazu beitragen, die militärischen Kapazitäten der malischen Streitkräfte wiederherzustellen. Die Bundeswehr unterstützt diese Mission mit 104 Soldaten.

Südsudan

15 Soldaten sind Teil des internationalen Unmiss-Einsatzes für Friedenssicherung und den Aufbau des neuen Staates Südsudan.

Sudan

Der internationale Unamid-Einsatz in Darfur überwacht den Waffenstillstand zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Zwölf deutsche Soldaten sind beteiligt.

Demokratische Republik Kongo

Drei Bundeswehr-Berater unterstützen im Rahmen des EU-Einsatzes (Eusec RD Congo) die Reform des Sicherheitssektors in dem zentralafrikanischen Land.

Westsahara

In dem weitgehend von Marokko besetzten Gebiet unterstützt die Bundeswehr mit zwei Angehörigen die UN-Mission Minurso zur Absicherung eines Waffenstillstands der marokkanischen Armee mit den Rebellen der „Polisario“.

Das Vorhaben soll in den nächsten fünf Jahren 100 Millionen Euro kosten. Der Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses, Hans-Peter Bartels (SPD), warf von der Leyen vor, die Bundeswehr mit Unternehmensberater-Methoden umbauen zu wollen. Der ehemalige Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hielt ihr - ebenfalls im Magazin „Stern“ - vor, zugunsten von „schlagzeilenträchtigen Aktionen“ die Strategie der Bundeswehr zu vernachlässigen.

Nach offiziellen Angaben gab die Bundeswehr im vergangenen Jahr annähernd 30 Millionen Euro für Nachwuchswerbung aus. Dies geht aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Links-Fraktion hervor. 2011 waren es mit 16 Millionen nur etwa halb so viel, 2012 bereits 29 Millionen.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

04.06.2014, 16:54 Uhr

Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr Kujat hat die jetzigen Pläne von v.d. Leyen als grotesk bezeichnet. Und dieser Mann weiß wovon er spricht. Frau von der Leyen macht nichts anderes als Selbstdarstellung.Sie wird maßlos überschätzt und ist für diesen Posten absolut nicht geeignet.

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04.06.2014, 17:55 Uhr

Je weniger diese Frau von diesem Metier versteht, umso williger ist sie als Werkzeug. Als 7-fache Mutter versteht sie doch sicher mehr vom Leben schenken, als es zu vernichten. 60000 Bewerber zur Söldnerausbildung erreicht sie bestimmt nicht solange wir eine so niedrige Arbeitslosenrate haben, zumal die Auslands-Einsätze immer riskanter werden.

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04.06.2014, 18:48 Uhr

Von der Leyen will die Bundeswehr wie ein Unternehmen führen, eine Armee ist allerdings keine Aktiengesellschaft sondern Kriegführen und
Landesverteidigung sind etwas anderes.

Da die Bundeswehr allerdings zu einer globalen Einsatztruppe mutieren soll, für Interessen, die nicht landesspezifisch sind, ist sie eher eine moderne Söldnertruppe.

Söldner wollen in erster Linie gutes Geld, wenn sie ihr Leben riskieren.

Von der Leyen sollte sich überlegen , ob sie nicht etwas schaffen will nach Art der französischen Fremdenlegion,
Kitas braucht sie dann keine, sondern Typen, die für Geld ihre Haut riskieren.

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