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10.01.2014

07:53 Uhr

Aufregung in Frankreich

Warum Hollande sich nachts aufs Moped setzt

Frankreichs Präsident soll eine Affäre haben. Die Zeitschrift „Closer“ berichtet von nächtlichen Touren durch Paris und über einen Leibwächter, der dem Paar Croissants bringt. Hollande hat schon auf den Bericht reagiert.

Frankreichs Präsident Francois Hollande wird eine Affäre nachgesagt. AFP

Frankreichs Präsident Francois Hollande wird eine Affäre nachgesagt.

ParisDie Zeitschrift „Closer“ kündigt eine Reportage über eine Liaison des französischen Präsidenten François Hollande mit der Schauspielerin Julie Gayet an. Am Freitag werde eine sieben Seiten lange Fotostrecke über die Beziehung des 59-jährigen Präsidenten mit der 41-jährigen Schauspielerin erscheinen, hieß es auf der „Closer“-Webseite. In der Reportage gehe es unter anderem um Sicherheitsaspekte, die mit der Liebesaffäre verknüpft seien. Hollande habe es sich zur Angewohnheit gemacht, in der Nacht mit seinem Moped durch Paris zu fahren, heißt es auf der Webseite. Der Staatschef werde in solchen Fällen nur von einem Leibwächter begleitet, der das Paar morgens mit frischen Croissants versorge. Im Dezember hatte auch das Magazin „L'Express“ Bedenken geäußert, ob die „Eskapaden“ Hollandes Sicherheitsprobleme mit sich brächten.

Hollande selbst sieht angesichts dieses Berichts seine Privatsphäre beeinträchtigt und kündigt rechtliche Schritt an. Er „beklage zutiefst die Verletzung der Achtung vor dem Privatleben“, die ihm wie jedem anderen Bürger zustehe, sagte Hollande am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Der 59-Jährige, der sich in dem Gespräch als Privatmann und nicht als Präsident äußerte, kündigte dabei an, rechtliche Schritte gegen die Enthüllungen von „Closer“ zu prüfen.

Hollande war lange Jahre mit der sozialistischen Politikerin Ségolène Royal liiert, mit der er vier Kinder hat. Seit er das höchste Staatsamt bekleidet, gilt die Journalistin Valérie Trierweiler als seine Partnerin.

Frankreichs Präsident - das mächtigste Staatsoberhaupt

Starker Präsident

Von allen Staatsoberhäuptern der Europäischen Union hat der französische Präsident die größten Vollmachten. Seine starke Stellung verdankt er der Verfassung der 1958 gegründeten Fünften Republik, ihr erster Präsident war General Charles de Gaulle.

Wahl

Der Staatschef wird seit 1965 direkt vom Volk gewählt und kann beliebig oft wiedergewählt werden. Seit 2002 beträgt seine Amtszeit noch fünf statt sieben Jahre.

Gesetzgebung

Der Präsident verkündet die Gesetze, kann den Premierminister entlassen und die Nationalversammlung auflösen. In Krisenzeiten kann er den Notstandsartikel 16 anwenden, der ihm nahezu uneingeschränkte Vollmachten gibt.

Verhältnis zum Parlament

Der Staatschef ist gegenüber dem Parlament nicht verantwortlich. Durch eine 2007 beschlossene Verfassungsänderung sind Staatschefs im Amt vor Strafverfolgung ausdrücklich geschützt. Das Parlament kann den Präsidenten nur bei schweren Verfehlungen mit Zweidrittelmehrheit absetzen.

Macht über das Militär

Frankreichs Staatschef ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und hat in der Verteidigungs- und Außenpolitik das Sagen. Seine stärksten Druckmittel sind der rote Knopf zum Einsatz von Atomwaffen und das Vetorecht im UN-Sicherheitsrat.

Verhältnis zur Regierung

Der Präsident ernennt den Premierminister und auf dessen Vorschlag die übrigen Minister, leitet die wöchentlichen Kabinettssitzungen und nimmt Ernennungen für die wichtigsten Staatsämter vor.

Regierungschef als Gegengewicht

Seine Macht wird jedoch eingeschränkt, wenn der Regierungschef aus einem anderen politischen Lager kommt und der Präsident keine eigene Mehrheit in der Nationalversammlung hat. Dieser Fall der „Kohabitation“ war bei der Verabschiedung der Verfassung nicht vorgesehen. Er trat aber bereits drei Mal ein, zuletzt 1997 bis 2002, als der konservative Staatschef Jacques Chirac mit dem sozialistischen Premierminister Lionel Jospin auskommen musste.

Als im vergangenen März erstmals Mutmaßungen über eine Beziehung zwischen ihr und Hollande publik wurden, klagte Gayet dagegen. Die Schauspielerin wirkte bereits in mehr als 50 Filmen mit, sie hat zwei Kinder. Derzeit ist sie in Frankreich in dem Streifen „Les âmes de papier“ zu sehen. 2012 tauchte Gayet in einem Werbespot von Hollandes Wahlkampagne auf. Sie pries den Präsidentschaftskandidaten als „bescheiden“, „ausgezeichnet“ und einen „guten Zuhörer“.

Schauspielerin Julie Gayet im vergangenen Mai bei den Filmfestspielen in Cannes. dpa/picture alliance

Schauspielerin Julie Gayet im vergangenen Mai bei den Filmfestspielen in Cannes.

Im Laufe der Nacht zog die Nachricht über die Liaison Hollandes mit der Schauspielerin ihre Kreise in den sozialen Internet-Foren. Der sozialistische Abgeordnete Jérôme Guedj gab zu Protokoll, dass ein „Registerwechsel“ zu erwarten sei, an dem sich der Pariser „Mikrokosmos“ ergötzen werde. Die konservative Abgeordnete Aurore Bergé blickte auf die am kommenden Dienstag anstehende Pressekonferenz Hollandes voraus, auf der der Präsident sicher die Frage gestellt bekommen werde, ob es mit Julie Gayet „ernst“ sei.

Die Franzosen sind an außergewöhnliche Liebesabenteuer amtierender Präsidenten gewöhnt. Hollandes konservativer Amtsvorgänger Nicolas Sarkozy begann im Amt eine Beziehung mit der Sängerin Carla Bruni, die er dann heiratete. Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac wurden zahlreiche Affären nachgesagt.

Von

afp

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

10.01.2014, 08:14 Uhr

Respekt!
Ein Liebespaar mit 6 Kindern.
Und der Präsident nachts auf dem Moped zu seiner Geliebten.
Der Bodygard hinter dem Moped fahrend und nach der nächsten Bäckerei Ausschau haltend.
Tolle Story. Gehört mit einem wie Louis de Funes verfilmt.

BITTEkaufMICH

10.01.2014, 08:37 Uhr

lebensnähe tut gut , dann bricht nicht bei erster gelegenheit ein erlebensferner knochen

es lebe die die lust und liebe

ich_packs_nimmer

10.01.2014, 08:40 Uhr

Wenigstens ein Gebiet, auf dem Hollande was leistet.

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