Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.01.2017

08:24 Uhr

Aus für Abgeltungsteuer

Nicht so einfach und gerecht wie gedacht

Die Pauschalsteuer auf Zinsen und Dividenden galt als Notlösung gegen Schwarzgeld. Sie könnte bald abgeschafft werden. Aber führt das zu mehr Geld für den Staat und höheren Lasten für Reiche?

Der mögliche Wegfalle der Pauschalsteuer birgt – wie fast alles – Vor- und Nachteile. dpa

Abgeltungsteuer

Der mögliche Wegfalle der Pauschalsteuer birgt – wie fast alles – Vor- und Nachteile.

BerlinEs ist eine seltene Einstimmigkeit unter Parteien im heraufziehenden Steuer-Wahlkampf 2017: Die Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge muss weg, fordern alle – aus unterschiedlichen Gründen. Das klingt populär, nach mehr Gerechtigkeit und nach neuen Steuer-Milliarden für die Staatskassen. Aber so einfach, wie ein Wegfall der Sondersteuer auf Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne klingt, ist es nicht. Die Konsequenzen sind weitreichend. Ob unterm Strich die erhofften Mehreinnahmen fließen und Reiche stärker zur Kasse gebeten werden, ist mehr als fraglich.

Der Wegfall der erst 2009 eingeführten Pauschalsteuer auf Zinsen und Dividenden könnte aber bald auf der Tagesordnung stehen. Denn Steueroasen rund um den Globus werden ausgetrocknet, das Bankgeheimnis hat ausgedient. 2017 tritt der von gut 100 Ländern vereinbarte automatische Informationsaustausch in Kraft. Wichtige Finanzzentren und bisherige Fluchtburgen für Steuerbetrüger ziehen mit. Für Besitzer von Schwarzgeld wird es schwierig, Geld illegal am Fiskus vorbei ins Ausland zu schmuggeln. Deutsche Finanzämter wissen künftig also auch über Auslandskonten Bescheid. Womit letztlich auch das Argument für die umstrittene Abgeltungsteuer entfällt.

Die hatte Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) mit dem einleuchtenden Satz „Lieber 25 Prozent von x als 42 Prozent von nix“ begründet – und so auch Kritiker in den eigenen Reihen überzeugt. So sollte wenigstens ein Teil des ins Ausland transferierten Schwarzgeldes zurückgeholt sowie Steuer- und Kapitalflucht eingedämmt werden. Sämtliche Kapitalerträge werden seit 2009 mit einheitlich 25 Prozent versteuert – plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Die Abgabe wird unbürokratisch von der Bank einbehalten und anonym an das Finanzamt abgeführt.

Steuerreform zum 1.1.2017: Entlastung? Welche Entlastung?

Steuerreform zum 1.1.2017

Premium Entlastung? Welche Entlastung?

Die Regierung senkt 2017 die Steuern um über sechs Milliarden Euro. Doch Berechnungen für das Handelsblatt zeigen: Der einzelne Bürger wird davon kaum etwas merken. Gutverdiener müssen sogar mehr zahlen.

Kritiker monierten von Anfang an, die Pauschalsteuer von 25 Prozent führe dazu, dass Kapitalerträge gegenüber Arbeitseinkommen steuerlich besser dastehen. Denn Arbeitseinkünfte werden nach dem persönlichen Steuersatz von bis zu 42 Prozent und bei sehr hohen Einkommen von 45 Prozent besteuert. Tatsächlich begünstigt sind reine Zinseinkünfte – die aktuell nicht ins Gewicht fallen. Ist das Geld zu großen Teilen in Aktien angelegt, schlägt der Fiskus seit 2009 stärker zu. Statt der halben werden die gesamte Dividende sowie die realisierten Kursgewinne versteuert. Die Haltedauer ist egal. Bei Dividenden fallen auf Firmenebene Ertragsteuern an.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Michael Müller

03.01.2017, 09:07 Uhr

Deutschland hat kein Einnahmenproblem, Deutschland hat ein Ausgabenproblem.!

Die wirklich "Reichen" bringen Ihr Geld in Sicherheit. Es gibt genügend Länder dieser Erde, die keine Steueroasen sind, welche keine Steuern auf Dividenden erheben. Es ist eine einfache Rechnung was es kostet in Deutschland zu bleiben.

Auch gibt es sehr viele Länder dieser Erde, die auch keine Erbschaftssteuer berechnen. Selbst das ursozialistische Russland berechnet keine Erbschaftssteuer. Von der Schweiz, Österreich, Portugal, Schweden, Türkei, Australien, ganz zu schweigen. Zudem wird in vielen Ländern nur eine deutlich geringere Erbschaftssteuer als in Deutschland berechnet wie beispielsweise Griechenland mit ca. 1% !!!

Aber klar, in Deutschland muß dem Bürger noch mehr "abgeknöpft" werden. Er muss das ja alles finanzieren!

Herr Holger Narrog

03.01.2017, 09:16 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

G. Nampf

03.01.2017, 10:06 Uhr

@Michael Müller03.01.2017, 09:07 Uhr

"Deutschland hat kein Einnahmenproblem, Deutschland hat ein Ausgabenproblem.!"

Vollkommen richtig.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 
 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×