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08.02.2014

15:28 Uhr

Ausbau des Stromnetzes

CDU-Energieexperte weist Seehofer zurecht

ExklusivDie geplante Nord-Süd-Stromtrasse stößt weiter auf Widerstand. Horst Seehofer verlangt ein Moratorium – und wird von der CDU gemaßregelt. Landwirtschaftsminister Friedrich will die Leitungen nun unter die Erde legen.

Planungsstopp droht: Seehofer dringt darauf, dass die großen Stromtrassen nach Bayern noch einmal auf ihre Notwendigkeit und auf ihre Machbarkeit hin überprüft werden. dpa

Planungsstopp droht: Seehofer dringt darauf, dass die großen Stromtrassen nach Bayern noch einmal auf ihre Notwendigkeit und auf ihre Machbarkeit hin überprüft werden.

Berlin, München, SchwerinIm Zusammenhang mit dem Ausbau der Stromnetze hat der Koordinator für Energiepolitik der Unions-Bundestagsfraktion, Thomas Bareiß (CDU), den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) scharf zurechtgewiesen. „Einigen in unserem Land scheint immer noch nicht klar zu sein, was die Energiewende bedeutet. Vielleicht brauchen wir ja ein Moratorium beim Kernenergie-Ausstieg bis wir uns sicher sind, wo wir einsteigen wollen“, sagte Bareiß Handelsblatt Online. „Allein mit Solardachanlagen, die gerade mal durchschnittlich drei Stunden am Tag Strom liefern, werden wir die Energieversorgung des Industriestandorts Deutschland nicht sichern.“

Seehofer hatte einen Planungsstopp gefordert und erklärt, die großen Stromtrassen nach Bayern müssten auf ihre Notwendigkeit und Machbarkeit überprüft werden. Im Streit um die Höchstspannungs-Leitungen quer durch Deutschland regt Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich derweil an, die Trassen teilweise in die Erde zu legen. Erdkabel sollten „dort ermöglicht werden, wo Bevölkerung und Landschaftsbild besonders beeinträchtigt werden“, sagte der CSU-Politiker der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag). „Das wäre zwar deutlich teurer. Aber die Kosten sollten tragbar sein, wenn man die Kabel lediglich in der Nähe von Siedlungsgebieten unter der Erde verlegen würde.“

Gegen die geplante Nord-Süd-Stromtrasse, die in Bayern durch Franken nach Augsburg verläuft, gibt es vielerorts heftigen Widerstand. Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer fordert vor der bayerischen Kommunalwahl im März deshalb einen Planungsstopp.

Friedrich sagte: „Man kann den Leitungsbau nicht gegen, sondern nur gemeinsam mit den Bürgern und Kommunalpolitikern organisieren. Niemand hat so eine Leitung gerne direkt vor der Haustür.“ Die CSU stehe zur Energiewende, kämpfe aber für eine bürger- und umweltfreundliche Umsetzung.

Die SPD verschärfte den Ton gegenüber CSU-Chef Horst Seehofer. „Nur aus Angst vor der Kommunalwahl in Bayern die Republik verrückt machen und die Zukunft der Wirtschaft aufs Spiel setzen, ist selbst für Horst Seehofer ein bisher unerreichtes Niveau an politischer Raserei“, sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi „Spiegel online“. „Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird ja gerade deshalb etwas verlangsamt, um mit dem Netzausbau nachzukommen und nicht etwa, um den Netzausbau zu stoppen.“ Die Konsequenz wären längere Laufzeiten für bayerische Atomkraftwerke, kritisierte die SPD-Politikerin.

Kritik an Seehofer kam auch aus Mecklenburg-Vorpommern. „Die großen Unternehmen, die ihm in Bayern mit ihren Steuern die Landeskasse füllen, brauchen künftig auch Windstrom aus dem Norden“, sagte Energieminister Christian Pegel (SPD) in Schwerin. Bei der angestrebten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gehe es um ein Gesamtpaket, bei dem die Interessen einzelner Bundesländer und des Bundes in Einklang gebracht werden müssten. Mecklenburg-Vorpommern will schon in wenigen Jahren den eigenen Energiebedarf mit Ökostrom decken und darüber hinaus auch andere Bundesländer beliefern.

Der zuletzt viel gescholtene Seehofer hält aber an seinem Kurs fest. „Wir Bayern brauchen keine Belehrung von irgendjemand“, sagte der CSU-Vorsitzende der „Bild“-Zeitung (Samstag). Keiner könne „sich mit uns messen, der selber seine Hausaufgaben bei der Energiewende noch nicht gemacht hat.“ Er dringe darauf, dass die großen Stromtrassen nach Bayern noch einmal auf ihre Notwendigkeit und auf ihre Machbarkeit hin überprüft würden.

„Das Geschwätz, das dazu eingesetzt hat von EU-Kommissar (Günther) Oettinger und anderen Ortsunkundigen, wird an dieser bayerischen Forderung nichts ändern“, sagte Seehofer weiter.

In Bayern regt sich großer Widerstand gegen die Trassenführung. Oettinger hatte einen schnellen Bau der Leitungen angemahnt und Seehofer zum Einlenken aufgerufen.

Kommentare (1)

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10.02.2014, 19:55 Uhr

Der Herr Friedrich weiß aber um die Problematik der unterirdischen Verlegung... Bei der Spannung und den Strommengen gute 100°C, da wächst kein Gras mehr, das Problem der unterirdischen Wartung, Kabelbeschädigung etc...

Ach ja, der Kostenfaktor so ca 10 sein. Aber das ist das ist ja egal, wir haben ja Geld ohne Ende!

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