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17.08.2012

14:09 Uhr

Ausbildung

Wenn der Chef zum Lehrer wird

VonMaike Freund

Bei deutschen Unternehmen beginnt das neue Ausbildungsjahr. Doch aus dem Fest wird Frust: Schulabgänger sind oft schlecht für die Ausbildung gerüstet. Also übernimmt der Meister immer häufiger den Job des Lehrers.

Schon der Lehrer Lempke aus dem Klassiker "Max und Moritz" von Wilhelm Busch mahnte zum lebenslangen Lernen.

Schon der Lehrer Lempke aus dem Klassiker "Max und Moritz" von Wilhelm Busch mahnte zum lebenslangen Lernen.

Düsseldorf"Dramatisch wie nie." So beschreibt Verkaufsleiter Marco Smets die Situation im Betrieb. Drei Ausbildungsplätze zum Verkäufer, zwei zum Bäcker sind bei der Düsseldorfer Stadtbäckerei Westerhorstmann noch immer nicht besetzt. Dabei hat das Ausbildungsjahr bereits begonnen. Dass die Stellen noch offen sind, liegt nicht daran, dass die Bewerber zu schlecht gewesen wären. Der Mittelständler mit 20 Filialen und rund 160 Beschäftigten hat gar keine Bewerbungen bekommen.

Ein Trend, den Smets seit rund drei Jahren beobachtet. An den Anforderungen kann es nicht liegen, die hat das Unternehmen schon runtergeschraubt: „Für die Ausbildungen muss man nur den Willen und das Herz mitbringen.“ Auch wenn man als Bäcker beispielsweise Mathe brauche, der Betrieb würde die Azubis schon durch die Prüfungen bringen. Zum Beispiel mit Nachhilfe. Wenn doch nur jemand wollte.

Es nützt nichts. Es wollen zu wenige. Konkret heißt das: Von den insgesamt 480.500 freien Lehrstellen, die der Bundesagentur für Arbeit seit Oktober 2011 gemeldet wurden, waren Ende Juli noch knapp 143.000 unbesetzt. Und das hat vor allem Auswirkungen auf die Zukunft. Nicht nur die Bäcker sorgen sich um die zukünftigen Fachkräfte.

Lutz Goebel ist Präsident vom Verband „Die Familienunternehmer“ und Geschäftsführer von Henkelhausen. Mit den Problemen der Betriebe und mit Auszubildenden kennt er sich also aus. Bei Henkelhausen sind rund 15 Prozent der Belegschaft Azubis. „Wir haben die Quote der Auszubildenden erhöht, damit wir mehr Auswahl haben“, sagt Goebel. Denn auch er sieht den Facharbeitermangel auf die Wirtschaft zukommen. Auch bei Henkelhausen werden die Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz immer weniger. Und die, die sich bewerben, können weniger.

Tipps für Bewerbung und Einstieg

Keine zweite Chance für einen ersten Eindruck

Wer beim ersten Gespräch unangenehm auffällt, für den gibt es keine zweite Chance. Wir beurteilen Menschen in den ersten drei bis fünf Sekunden- dieser Eindruck bleibt haften. Personalreferenten wissen: Wer schon beim Vorstellungsgespräch ein Gespür dafür hat, was angemessen ist, der wird auch im Job Situationen richtig einschätzen.

Wer ruft wen an?

Das Bewerbungsgespräch ist gut überstanden. Jetzt beginnt die nächste Zitterpartie: Habe ich das Rennen gemacht? Soll ich nachfragen oder abwarten? Wer nicht tagelang das Telefon fixieren möchte, sollte dies schon beim Gespräch klären. Sagen Sie, dass Sie interessiert sind und fragen Sie, wie es weiter geht.

Bewerbungs-Outfit

Wenn Sie nicht gerade in einer Kinderkrippe oder für eine Rockband vorstellen, gilt für die meisten Branchen: Männer tragen Anzug und Frauen ein Kostüm. Bis Sie ein Gefühl dafür haben, wie Ihre Kollegen erscheinen, sollten Sie das beibehalten.

Die ersten Wochen

Nachwuchskräfte aufgepasst! Unsicherheit mit Coolness zu überspielen klappt nicht. Fragen Sie erfahrene Kollegen, lernen Sie die Gepflogenheiten des Unternehmens kennen. Üben Sie sich in Bescheidenheit- das erste große Projekt kommt bestimmt, und dann können Sie Ihrem Übermut freie Fahrt gewähren.

Auch wenn Sie privat andere berühren oder Gespräche aus nächster Nähe führen- kommen Sie Kollegen und Geschäftspartnern nicht zu nahe! Die Distanzzone liegt bei einigen bis zwei Metern.

Wer ist der Neue?

Neue Kollegen bedeuten Stress für alle, denn Ihre Mitarbeiter sorgen sich vielleicht, dass ihre Routine durcheinandergewirbelt wird oder dass ihr Job in Gefahr ist. Sympathiepunkte sammelt man jetzt durch Interesse und Respekt. Tipp: Schmeicheln Sie den neuen Kollegen, und machen Sie Bemerkungen über vergangene Projekte, die Ihnen gefallen haben.

Das gekonnte Selbstmarketing

Der erste Tag ist fast überstanden, dann soll man sich in großer Runde vor allen Kollegen vorstellen. Bereiten Sie sich gut vor. Wichtig ist, Berufserfahrung und Ausbildung sachlich und Knapp auf den Punkt zu bringen. Lenken Sie die Aufmerksamkeit dabei auf Ihre größten Erfolge. Verkaufen Sie nicht mehr, als Sie liefern können.

In der Ruhe liegt die Kraft

Nur wer in Stress- Situationen Höflichkeit und Respekt wahrt, beweist, dass er umgänglich ist. Auch wenn es schwerfällt, sollten Sie Verärgerung nicht offen zeigen. Eine wutverzerrte Miene wirkt nicht souverän. Hören Sie sich die Argumente Ihres Gegenübers ruhig an. Beschreiben Sie, was Ihnen Probleme macht, ohne Kollegen zu beschuldigen.

Richtiger Umgang mit Mails

Gerade wenn man seinen Ansprechpartner nicht kennt, verfällt man oft in gestelztes Briefdeutsch. Besser ist es, so zu formulieren, wie man es mündlich tun würde. Allerdings sollte ein guter Ton gewahrt bleiben: Verzichten Sie unbedingt auf saloppe Smileys und auf Abkürzungen („MFG“ statt „Mit freundlichen Grüßen“). So viel Zeit sollte sein.

Grundkurs Netikette

Nur weil es eine E-Mail ist, sollten Sie nicht automatisch "Hallo Frau Meyer" oder "Lieber Herr Müller" schreiben. Das "Sehr geehrte Frau Schulze" ist durchaus nicht altmodisch. E-Mails erreichen ihre Adressaten schnell- das heißt aber nicht, dass diese ebenso schnell antworten müssen. Geben Sie ihnen zwei bis drei Tage Zeit, oder vermerken Sie in der E-Mail, dass es eilt. Entgegen allen Gerüchten: Großbuchstaben sind noch nicht aus der Mode. Rechtschreibung und Grammatik sind auch bei E-Mails essenziell.

Ordnung muss sein! Vergessen sie nie eine aussagekräftige Betreffzeile, denn die hilft dem Empfänger, seine E-Mail-Flut zu ordnen. Anlagen sollten Sie in gängigen Dateitypen verschicken und darauf achten, dass Sie mit großen Datenmengen nicht das Postfach des Adressaten verstopfen.

Entspannungsphase

Im Meetingraum, beim Geschäftsessen oder bei offiziellen Anlässen dürfen Sie Ihr Jackett oder ihre Kostümjacke erst ablegen, wenn die Gastgeber Sie dazu auffordern oder es vormachen. Stoßen sie zu einer Gruppe, die sich bereits "entspannt", fragen Sie erst. Werden Ihnen Getränke angeboten, sollten Sie annehmen. So geben Sie Ihrem Gegenüber die Möglichkeit, ein guter Gastgeber zu sein. Mit exotischen Wünschen (Bananensaft, Brennnessel-Tee) bringen Sie Ihren Gastgeber allerdings in Verlegenheit.

Quelle: www.trust-wi.de

Kommentare (19)

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mercatorschmidt

17.08.2012, 14:25 Uhr

Also letztenz erhielt ich ein Anschreiben einer Bewerbung um einen Praktikumsplatz, der mit folgenden Worten begann:
"durch dem Gespräch was ich mit Herrn X führte, wollte ich mich....bewerben." Das anliegende Zeugnis enthielt eine Note zwei in Deutsch (Realschule).

mercatorschmidt

17.08.2012, 14:28 Uhr

letztens

Horst1974

17.08.2012, 14:35 Uhr

Wobei ich es den Lehrlingen nicht verübeln kann, dass einige Branchen wie beispielsweise das Bäckerhandwerk mittlerweile uninteressant sind. Das Verhältnis zwischen Aufwand (z.B. Arbeitszeiten) und Ertrag (Gehalt) stimmt vorne und hinten nicht. Wer schlecht bezahlt, bekommt auch schlechte Qualität. Oder eben gar keine.

Ich kann mich schließlich auch nicht darüber beschweren, dass ich 500,-EUR für einen Autokauf zu zahlen bereit bin. Aber mir wurde kein einziger Neuwagen angeboten. Dabei bin ich doch schon bereit, auf einen Porsche zu verzichten. Ein VW Golf wäre ja schon genug.

Fazit: Zahlt vernünftige Gehälter und bietet vernünftige Perspektiven und Ihr bekommt vernünftige Mitarbeiter und Lehrlinge. Bei uns in der Firma klappt das einwandfrei.

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