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12.08.2014

16:01 Uhr

Ausbildungsförderung

Mehr Studierende, weniger Bafög

Immer weniger Studenten haben Anrecht auf Bafög. Grund dafür sind die Elternfreibeträge, die lange nicht an die Inflation angepasst wurden. Doch die große Reform soll nach dem Willen von SPD und Union dennoch warten.

Sie werden mehr, doch immer weniger bekommen Förderung: Studenten, etwa hier in der Universitätsbibliothek der Humbold Universität in Berlin. ap

Sie werden mehr, doch immer weniger bekommen Förderung: Studenten, etwa hier in der Universitätsbibliothek der Humbold Universität in Berlin.

Berlin/ WiesbadenDie Zahl der Bafög-Empfänger geht langsam zurück. Mit knapp 960.000 Studenten und Schüler bekamen 2013 rund 20.000 junge Menschen weniger Ausbildungsförderung. Dies ist ein Rückgang von 2,1 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mit.

Insgesamt erhielten 666.000 Studenten (minus 0,8 Prozent) und 293.000 Schüler (minus 5 Prozent) Unterstützung. Zuletzt waren die Fördersätze 2010 um zwei Prozent und die für die Bafög-Berechnung wichtigen Elternfreibeträge um drei Prozent angehoben worden. Die nächste Bafög-Erhöhung soll nach dem Willen von Union und SPD aber erst zum Herbst 2016 erfolgen. Fördersätze und Elternfreibeträge sollen dann jeweils um sieben Prozent steigen. Opposition und DGB forderten angesichts des aktuellen Rückganges der Gefördertenzahl ein zügiges Vorziehen der Gesetzesnovelle.

Im Schnitt erhielt 2013 ein Student 446 Euro Bafög monatlich, zwei Euro weniger als im Vorjahr. Bei den Schülern stieg die durchschnittliche Förderung um neun auf 410 Euro. Der Bafög-Höchstsatz für einen nicht mehr bei den Eltern lebenden Studierenden beträgt derzeit 670 Euro.

Für das Bafög gaben Bund und Länder 2013 rund 3,2 Milliarden Euro aus (minus 1,1 Prozent) - und zwar 2,3 Milliarden für die Studierenden und 890 Millionen für die Schüler. Ab 2015 will der Bund auch den Länderanteil bei der Finanzierung des Bafögs übernehmen. Die Länder sparen dadurch rund 1,2 Milliarden Euro jährlich. Das Geld sollen sie nach dem Willen von Union und SPD zusätzlich in Bildung investieren.

Bildungserfolg und soziale Schichten

Schulerfolg hängt von sozialer Herkunft ab

Die Lehrer sind sich einig: Der Schulerfolg hängt maßgeblich von der sozialen Herkunft ab.

Der Einfluss der sozialen Schicht des Elternhauses auf die Leistung von Schülern ist sehr groß, sagen 33 Prozent der Lehrer, groß sagen 49 Prozent der Lehrer und gar nicht groß sagen 15 Prozent. Unentschieden sind drei Prozent der Lehrer.

Lehrer sehen zunehmende soziale Differenzierung

18 Prozent der Lehrer haben den Eindruck, dass die Leistungsunterschiede zwischen den Kindern aus verschiedenen sozialen Schichten zu 60 Prozent an Grundschulen zugenommen haben, 17 Prozent haben den Eindruck, die Unterschiede haben zu 63 Prozent an Haupt/Realschulen zugenommen, 37 Prozent meinen, der Unterschied habe an Gymnasien zu 45 Prozent zugenommen.

Mittlere soziale Schichten

Von Kinder aus mittleren sozialen Schichten besuchen 52 Prozent ein Gymnasium, 33 Prozent eine Realschule, sieben Prozent eine Hauptschule, acht Prozent eine Mischform aus Haupt- und Realschule und 13 Prozent eine Gesamtschule.

Schwächere soziale Schichten

Von Kindern, deren Eltern aus schwächeren sozialen Schichten sind, besuchen 30 Prozent ein Gymnasium, 34 Prozent eine Realschule, 17 Prozent eine Hauptschule, elf Prozent eine Mischform aus Haupt- und Realschule und 18 Prozent eine Gesamtschule.

Höhere soziale Schichten

Von Kindern aus höheren sozialen Schichten besuchen 70 Prozent ein Gymnasium, 25 Prozent eine Realschule, fünf Prozent eine Hauptschule, ein Prozent eine Mischform aus Haupt- und Realschule und 14 Prozent eine Gesamtschule.

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) bezeichnete eine Bafög-Anhebung als überfällig - angesichts der stagnierenden Gefördertenzahl bei gleichzeitig steigender Studentenzahl. Wenn der Bund ab 2015 das Bafög voll finanziere, sollte er seinen neuen Handlungsspielraum nutzen und künftig im Gesetz eine automatische Anpassung an die Preis- und Lohnentwicklung festschreiben, sagte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) kündigte für die kommende Woche die Kabinettsentscheidung für die Bafög-Reform an. Das Bafög werde ab 2016 der Lebens- und Ausbildungswirklichkeit gerecht werden, versicherte Wanka. Der Kreis der Bafög-Empfänger werde dann um rund 110.000 steigen. Zudem würden Wohn- und Kinderbetreuungszuschlag überproportional angehoben.

Der Grünen Bildungspolitiker Kai Gehring forderte eine „unverzügliche Bafög-Erhöhung“. Es sei verantwortungslos und bildungsfeindlich, dass Union und SPD die Studierenden über zwei weitere Jahre bis 2016 warten lassen wollen. Nach den jüngsten Daten sei die Zahl der Vollgeförderten aus den einkommensschwächsten Elternhäusern besonders stark gesunken, sagte Gehring. Auch DGB-Vize Elke Hannack forderte ein Vorziehen der Reform. Seit der letzten Erhöhung vor vier Jahren seien die Lebenshaltungskosten deutlich gestiegen.

Unterdessen geht der interne Disput zwischen dem Bund und einigen Bundesländern über die Verwendung des ab 2015 frei werdenden bisherigen Bafög-Länderanteils weiter. Nach dem Willen der Parteichefs von Union und SPD soll das Geld Hochschulen und Schulen zu Gute kommen. Niedersachsen hingegen will das Geld überwiegend in die Kitas stecken. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) unterstützt in dem Streit die Position der Länder. „Es ist absurd, dass dies den Ländern verboten werden soll. Bildung beginnt in der Kita. Dies muss die Bildungspolitik in Deutschland endlich erkennen“, hatte Schwesig der „Bild am Sonntag“ gesagt.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Günther Schemutat

12.08.2014, 20:21 Uhr

Wer Bafög beantragt muss den Verdienst der Eltern rückwirkend vor 2 Jahren vorlegen. Ist aber das Leben anders verlaufen,Krankheit,Arbeitslosigkeit steht man
leer da oder mit weniger. Ganz krass läuft es bei Ausbildung zu Erzieher/in an. Obwohl Tausende Erzieher gebraucht werden , versucht der Staat jeden Euro für sich zu retten.

Die Gerechtigkeitspolitiker sind eben raffiniert. Bald soll es auch noch ein Girokonto für jedermann geben nach EU Recht nicht nach den Gerechtigkeitspolitikern bei uns, Wahnsinn ein Konto für jedermann! Hippi!

Herr D. Dino54

14.08.2014, 16:13 Uhr

WIR (EU) haben ein katastrophales Schuldenproblem, von der "Politik" und kranker Lobby verursacht !!!

Es ist einfach und still, bei der Bevölkerung zu sparen, denn die wirkliche Katastrophe steht uns noch bevor.
Die betrügerischen, erlogenen Statistiken und die schön-blöd Darstellungen vieler Medien, sind Anhaltspunkte genug !

An einer positiven, friedlichen Gesellschaft sind gewisse kranke Lobby-Gruppen nicht interessiert. Und in den Parlamenten sind zu viele "Volksvertreter" auf dessen Konto geführt !

Dieser kranker Lobbyismus, speziell seit ROT/GRÜN eingeführt und durch die nachfolgenden Koalitionen weiter gepflegt, oder weiter entwickelt, müssen (eigentlich überfällig) von der Gesellschaft und den noch verbliebenen, seriösen Medien gestellt werden !!!

Es liefen bei uns "Volksvertreter" herum mit Aktenkoffer voller Partei-"Zuwendungen", die man auch in der Schweiz "anlegen" wollte, nannten wir SIE Drittklassig ?

NEIN, ein paar Klassen darüber wäre richtiger !!!

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