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27.04.2015

14:56 Uhr

Auschwitz-Prozess

Versöhnungsgeste sorgt für Protest

Eine Auschwitz-Überlebende reicht einem angeklagten SS-Mann im Gericht die Hand zur Versöhnung: Dagegen protestieren weitere Überlebende. Sie wollen Gerechtigkeit durch das Strafverfahren erreichen.

Der SS-Wachmann Oskar Gröning im Gericht in Lüneburg. ap

Der Täter

Der SS-Wachmann Oskar Gröning im Gericht in Lüneburg.

LüneburgDie öffentliche Versöhnungsgeste einer KZ-Überlebenden im Lüneburger Auschwitz-Prozess hat zum Protest der übrigen Nebenkläger geführt. Sie könnten dem angeklagten SS-Mann Oskar Gröning seine Mitwirkung an der Ermordung von 300 000 Menschen in Auschwitz nicht verzeihen, zumal er sich frei von strafrechtlicher Schuld fühle, erklärten am Montag die 49 Nebenkläger, die das Konzentrationslager ebenfalls überlebt hatten. „Wir wollen Gerechtigkeit, und wir begrüßen die Aufklärung, die dieses Strafverfahren leistet.“

Sie kritisierten, dass die Überlebende Eva Kor ihr Verzeihen und Vergeben immer wieder öffentlich inszeniere, teilten die Nebenkläger über ihre Anwälte mit. Kor hatte Gröning am Rande des Prozesses die Hand zur Versöhnung gereicht und vor Gericht gesagt. „Ich habe den Nazis vergeben.“

Wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtete, empörten sich die Nebenkläger auch über Kors Auftritt am Sonntagabend in der Sendung „Günther Jauch“. Dort wurde auch ein Foto davon gezeigt, wie Kor Gröning umarmt. In der Sendung bekräftigte Kor ihr Vergeben für den 93-Jährigen, dem das Gericht Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen vorwirft. Der Angeklagte hatte sich zu Prozessbeginn zu seiner moralischen Mitschuld bekannt.

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Der 93-jährige Oskar Gröning muss sich vor dem Landgericht Lüneburg wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen verantworten. Holocaust-Überlebende sind beim Prozess dabei und das Interesse ausländischer Medien ist groß.

„In diesem Strafverfahren geht es vor allem auch um die Dokumentation des jahrzehntelangen Versagens der Justiz“, betonten die Anwälte Cornelius Nestler und Thomas Walther. „Unsere 49 Mandanten, alle ebenfalls Überlebende von Auschwitz, sind Nebenkläger geworden, weil sie für ihre ermordeten Eltern und Geschwister Klage führen wollen.“ Alleine in Auschwitz seien nahezu 1000 Angehörige von ihnen ermordet worden. „Der Angeklagte hat daran mitgewirkt, nicht nur diese Angehörigen, sondern insgesamt 300.000 Menschen zu ermorden.“

Kor hatte in der vergangenen Woche vor Gericht erklärt: „Meine Vergebung spricht die Täter nicht frei.“ Sie nannte das Verzeihen einen Akt der Selbstheilung und Selbstbefreiung. Die 81-Jährige hatte mit ihrer Zwillingsschwester grausame medizinische Experimente in Auschwitz überlebt, die übrigen Familienmitglieder starben dort.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr peter Spirat

27.04.2015, 15:17 Uhr

was ist eigwentlich mit den 10 Millionen T14 Millionen Toten in Russland und den 10 Millionen Toten in China? (Zivilisten?)

Warum werden die fast nie erwähnt?

Oder ist eine gewisse Glaubenrichtung mehr wert, weil Herrenmenschen und die anderen sind Goy (Untermenschen).

Herr walter danielis

27.04.2015, 15:28 Uhr

Was wird man machen, wenn der letzte KZ-Wachmann verstorben ist?

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