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28.02.2014

16:07 Uhr

Auslandseinsätze der Bundeswehr

Deutschland kommt aus der Deckung

VonStefan Kaufmann

Afghanistan ist bald Geschichte. Doch die Koalition bereitet die Bundeswehr auf neue Einsätze vor. Das hat seinen Preis: Mehr als 1,4 Milliarden Euro kosten die Missionen im Jahr – und es dürfte noch teurer werden.

Diplomatie statt Waffen

Mehr Truppen im Ausland? "Nein"!

Diplomatie statt Waffen: Mehr Truppen im Ausland? "Nein"!

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DüsseldorfIn zehn Monaten ist Schluss. Dann endet der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan. Die rund 2900 deutschen Soldaten, die derzeit am Hindukusch dienen, packen ihr Marschgepäck. Zurück im Land bleiben von den einst mehr als 5000 Soldaten nur noch 800 Kräfte der Bundeswehr, die sich an der Ausbildung der afghanischen Streitkräfte beteiligen. So hat es der Bundestag nun entschieden. Noch ein letztes Mal mussten die Abgeordneten über die Afghanistan-Mission abstimmen.

Der Rückzug aus Afghanistan bedeutet aber nicht, dass sich die Bundeswehr aus Auslandseinsätzen zurückzieht: „In der Außenpolitik werden wir eine aktivere Rolle einnehmen müssen“, sagt der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Wir können uns als größtes Land in Europa nicht herausnehmen, wenn Holland und Frankreich bereit sind, ihre militärischen Einheiten zu entsenden. Es reicht nicht, nur an der Peripherie zu agieren.“ Und Henning Otte, verteidigungspolitischer Sprecher der CDU, sagt: „Gerade Deutschland profitiert von der globalisierten Welt und es ist nur folgerichtig, dass wir auch vermehrt Verantwortung für diese freie Weltordnung übernehmen.“

Das Engagement der Bundeswehr in Afrika

Somalia

Im Rahmen des EU-Einsatzes Atalanta schützen 337 Marinesoldaten am Horn von Afrika Schifffahrtsrouten vor somalischen Piraten. An der ergänzenden neuen EU-Gruppe Eucap Nestor nehmen derzeit zwei deutsche Berater teil.

Mali/Senegal

Für die UN-geführte Mission Minusma stellt die Bundeswehr in Mali und im Nachbarland Senegal Material und 71 Mann für Lufttransport und Luftbetankung bereit. Die European Training Mission Mali (EUTM Mali) soll dazu beitragen, die militärischen Kapazitäten der malischen Streitkräfte wiederherzustellen. Die Bundeswehr unterstützt diese Mission mit 104 Soldaten.

Südsudan

15 Soldaten sind Teil des internationalen Unmiss-Einsatzes für Friedenssicherung und den Aufbau des neuen Staates Südsudan.

Sudan

Der internationale Unamid-Einsatz in Darfur überwacht den Waffenstillstand zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Zwölf deutsche Soldaten sind beteiligt.

Demokratische Republik Kongo

Drei Bundeswehr-Berater unterstützen im Rahmen des EU-Einsatzes (Eusec RD Congo) die Reform des Sicherheitssektors in dem zentralafrikanischen Land.

Westsahara

In dem weitgehend von Marokko besetzten Gebiet unterstützt die Bundeswehr mit zwei Angehörigen die UN-Mission Minurso zur Absicherung eines Waffenstillstands der marokkanischen Armee mit den Rebellen der „Polisario“.

Was den Bereich der Diplomatie betrifft, stützen die Bundesbürger die neue Marschrichtung der Großen Koalition. Drei Viertel der Bundesbürger finden es richtig, wenn Deutschland eine stärkere diplomatische Verantwortung bei der Bewältigung internationaler Konflikte übernimmt. Im neuen ARD-„Deutschlandtrend“, der an diesem Freitag veröffentlicht wurde, sprachen sich 74 Prozent für eine aktivere Rolle Deutschlands aus, knapp ein Viertel (23 Prozent) lehnt dies ab. Wenn es um militärische Kampfeinsätze geht, ist das Volk dagegen zurückhaltender.

Dabei kommt Deutschland unter Führung der Großen Koalition aus der Deckung. Den Weg hatte Bundespräsident Joachim Gauck mit seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Januar geebnet. Seine Vorlage („Ich meine: Die Bundesrepublik sollte sich als guter Partner früher, entschiedener und substanzieller einbringen“) nahmen zunächst Außenminister Frank-Walter Steinmeier („Deutschland ist eigentlich zu groß, um Weltpolitik nur von der Außenlinie zu kommentieren“) und dann Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen („Wenn wir über die Mittel und Fähigkeiten verfügen, dann haben wir auch eine Verantwortung, uns zu engagieren“) auf.

Für Lars Brozus, Sicherheitsexperte bei der Stiftung Politik und Wissenschaft in Berlin, verläuft die aktuelle außenpolitische Debatte auffallend spiegelverkehrt zu den Diskussionen in den USA. „Dort stimmen Politik und Wissenschaft zunehmend überein, dass militärische Interventionen ein ineffektives und extrem kostspieliges Instrument sind“, schreibt Brozus in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online. Militäreinsätze hätten in praktisch allen Fällen die gesteckten Ziele nicht erreicht, sondern unverhältnismäßiges Leid und immense Kosten erzeugt. „Trotzdem wird hier mehr militärisches Engagement gefordert.“

Kommentare (11)

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28.02.2014, 16:28 Uhr

Endlich Krieg! Mord für wirtschaftliche Interessen - oh nein Töten für die Freiheit - wie das politisch korrekt heisst.
Erst verkaufen Deutsche Konzerne Waffen in potentielle Krisengebiete, dann wird noch etwas nachgeholfen.

Widerlich!

Account gelöscht!

28.02.2014, 16:39 Uhr

man konnte die geballte sinneskraft von der ursel ja schon öfter in talkshows bewundern. Nicht nur afganistan, sondern auch die BW dürfte bald der geschichte angehören...im zynischen sinn.

Account gelöscht!

28.02.2014, 16:39 Uhr

Zitat : Unter Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) soll die Bundeswehr eine aktivere Rolle in der Welt spielen.

Ja, die Flinten-Uschi hat auch die Haare schön.....:-)

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