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23.09.2014

00:30 Uhr

Ausrüstungsmängel

Sorge um Einsatzfähigkeit der Bundeswehr

Defekte Hubschrauber, die aus dem Verkehr gezogen werden, Transportflugzeuge, die wegen Technikproblemen am Boden bleiben müssen: Bei der Bundeswehr häufen sich Ausrüstungsprobleme. Politik und Experten sind alarmiert.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU): Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr häufen sich. dpa

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU): Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr häufen sich.

BerlinDer Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Hans-Peter Bartels (SPD), hat sich besorgt über die technischen  Probleme bei deutschen Marine-Hubschrauber gezeigt. „Dass die Hubschrauber nicht einsatzfähig sind, wirft große Probleme auf. Darunter leidet der Einsatz der Truppe  genauso wie die Ausbildung“, sagte Bartels dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Wenn keine Hubschrauber zur Verfügung stehen, dann können auch keine Soldaten daran ausgebildet werden – und das monatelang.“

Bartels rät daher, das Augenmerk nicht immer nur auf die Beschaffung neuer Ausrüstung zu legen, wenn es gleichzeitig große Probleme mit bereits eingeführten Systemen gebe. „Die Mängel, die nach und nach zu Tage treten sind symptomatisch für alte Ausrüstung. Deshalb sollten wir überlegen, wie die Materialerhaltung sichergestellt werden kann“, sagte der SPD-Politiker. Laut Bartels will das Verteidigungsministerium zur Materiallage für die Hauptwaffensysteme dem zuständigen Ausschuss am Mittwoch einen Bericht vorlegen.

Bartels betonte überdies, dass die Bundeswehr trotz der derzeitigen Ausrüstungsprobleme in der Lage sei, sich an internationalen Einsätzen zu beteiligen. „Im Übrigen sollten wir nicht übersehen, dass auch unsere Bündnispartner mit Ausrüstungsmängeln zu kämpfen haben“, fügte der SPD-Politiker hinzu.

Bundeswehr-Ausbilder für den Irak sitzen in Bulgarien fest

Düsterer fällt die Analyse der Grünen-Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger aus. „Die Probleme beim Gerät der Bundeswehr sind immens und erstrecken sich jenseits der zahlreichen Beschaffungsskandale auch auf die Instandhaltung und den Betrieb“, sagte Brugger. Sie forderte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf, zeitnah Lösungsvorschläge in Angriff zu nehmen, „statt immer nur mit neuen Ankündigungen Wirbel zu erzeugen“. Es müsse endlich Schluss sein „mit einer Kultur, bei der Probleme dauernd vertuscht und verschleppt werden“, sagte die Grünen-Politikerin.

Hintergrund sind nicht nur immer wieder auftretende Probleme mit Transall-Maschinen. Zuletzt verzögerte sich der Abflug von Waffenausbildern der Bundeswehr in den Nordirak wegen eines Defektes an zwei Transportflugzeugen. Wie jetzt bekannt wurde, hat die Bundeswehr-Marine 15 beschädigte Bordhubschrauber des Typs „Sea Lynx“ vorübergehend aus dem Verkehr gezogen. Sechs weitere dieser Helikopter würden derzeit planmäßig gewartet, so dass nur noch einer einsatzfähig sei, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Damit ist die halbe Hubschrauberflotte der Marine vorübergehend lahmgelegt.

Der A400M

Technik

Technische Wünsche mussten mehrfach nach unten korrigiert werden, der A400M genügt nicht allen Anforderungen des strategischen Lufttransportes (Aussage BMVg April 2013)

Auslieferungstermin

Technische Wünsche mussten mehrfach nach unten korrigiert werden, der A400M genügt nicht allen Anforderungen des strategischen Lufttransportes.

Kosten

Zugleich permanenter Kostenanstieg, Ursprungsplanung für 20 Mrd. Euro, derzeitiger Stand rund 27 Mrd. Euro, wobei auftraggebende Länder 2011 mehrere Mrd. Euro nachschießen mussten, damit Projekt nicht eingestellt wird

Weniger Maschinen

Um Kosten zu senken kauft Deutschland nur 40 statt ursprünglich 73 Stück, allerdings Verpflichtung, 13 Stück zusätzlich zu übernehmen, die dann aber an Dritte verkauft werden sollen

Quelle

Bund der Steuerzahler (BdSt)

Die ersten sechs Bundeswehr-Fallschirmjäger, die vergangene Woche zum Ausbildungseinsatz nach Erbil abgeflogen sind, stecken laut einem einen Bericht der „Bild“-Zeitung (Dienstag) derzeit in Bulgarien fest. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam bestätigte den Bericht. Dem Blatt zufolge erkennen die irakischen Behörden die Kennung des Flugzeugs nicht an, in das die Soldaten noch in Deutschland nach der Panne wechseln mussten.

Wann die Ausbilder weiter fliegen können, ist laut Einsatzführungskommando unklar. Ein Sprecher sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Bundeswehr hoffe „stündlich“ darauf, dass die Einflugerlaubnis erteilt werde. Die sechs Fallschirmjäger sollen Peschmerga-Kämpfer im Umgang mit deutschen Waffen schulen.

Beim Anti-Piraterie-Einsatz am Horn von Afrika könne der Ausfall durch Bündnispartner und den Einsatz eines Bundeswehr-Aufklärungsflugzeuges vom Typ „Orion“ ausgeglichen werden, hieß es.

Kommentare (10)

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Herr C. Falk

22.09.2014, 17:56 Uhr

In der Ukraine wird das Zeug zusammengeschossen, hierzulande
vergammelt es von ganz alleine. Ich bevorzuge die zweite Variante, da gibt es zumindest keine humanen Kollateralschäden.

Frau Ute Umlauf

22.09.2014, 18:03 Uhr

Da hat Flinten Uschi endlich eine Aufgabe, an der man den Erfolg messen kann.
Auf Uschi ... in die dürren Händchen gespuckt!

Herr Jürgen Dannenberg

22.09.2014, 18:18 Uhr

Von den 43 Hubschrauber der Marine sind 3 Stück einsatzfähig. Noch einmal zum Mitschreiben drei Stück(Spiegel). Nur um eine "kleine Sache" zu benennen. Wah, wir geben ca. 40 Mrd.für die BW aus.Jahr für Jahr. Wo wird das ganze Geld verbraten ....verfrühstückt, oder was oder wie?

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