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09.09.2016

10:27 Uhr

Außenhandel

Deutschlands Exporte brechen ein

Die deutschen Exporte sind im Juli um 2,6 Prozent gesunken – dabei hatten Analysten einen Zuwachs erwartet. Vor allem die Ausfuhren in Drittländer außerhalb der Europäischen Union gehen zurück.

Deutsche Exportzahlen im Juli eingebrochen

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WiesbadenDer deutsche Außenhandel ist im Juli schlecht gelaufen. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte, wurden 2,6 Prozent weniger Waren exportiert als im Juni. Das ist der stärkste monatliche Rückgang seit August 2015. Analysten hatten dagegen einen durchschnittlichen Zuwachs um 0,4 Prozent erwartet. Die Einfuhren ausländischer Waren gingen im Juli um 0,7 Prozent zurück. Die Exportdaten drückten nach Ansicht von Analysten auch den Dax. Der deutsche Leitindex sank am Vormittag um mehr als 0,3 Prozent.

„Mit einer Bruchlandung beginnt der Außenhandel das zweite Halbjahr“, kommentierte Anton F. Börner, Präsident des Außenhandelsverbands BGA, die Exportzahlen. „Sowohl die Absatzmärkte in der EU als auch außerhalb weisen deutliche Einbußen in der Nachfrage auf. “ Nur der heimische Konsum weise „eine stabile Entwicklung auf“.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat sanken die Exporte sogar um zehn Prozent, die Importe fielen um 6,5 Prozent. Nach Angaben der Statistiker gingen insbesondere die Exporte in Drittländer außerhalb der Europäischen Union zurück. Dorthin wurden im Juli Waren im Wert von 40,1 Milliarden Euro exportiert - ein Minus von 13,8 Prozent. Die Importe von dort gingen um 10,1 Prozent auf 25,6 Milliarden Euro zurück.

Das sagen Ökonomen zu den deutschen Exporten im Juli

Carsten Brzeski (ING)

Der einst starke Motor der deutschen Wirtschaft - die Industrie - stottert. Entweder hat die gesamte Industrie eine frühe und lange Sommerpause eingelegt oder der Brexit und die allgemeine Schwäche vieler wichtiger Handelspartner haben ihre Spuren in der Konjunktur hinterlassen.“

Rainer Sartoris (HSBC Trinkaus)

„In der ersten Jahreshälfte haben wir eine relativ rege Exporttätigkeit gesehen. Da hat sich die deutsche Wirtschaft in einem schwachen weltwirtschaftlichen Umfeld gut gehalten. Das kühlt sich jetzt etwas ab. Ein Einbruch ist aber nicht in Sicht, wie die Ifo-Umfrage zeigen. Bei den Importen fehlt ein Anziehen der Investitionstätigkeit der Unternehmen. Dann würden wieder verstärkt Vorleistungen im Ausland eingekauft.“

Ralph Solveen (Commerzbank)

Das passt zu den schwachen Zahlen bei Produktion und Auftragseingängen. Bei den Exporten dürften ebenfalls Sondereffekte zum schwachen Abschneiden beigetragen haben. Die Werksferien fielen diesmal vor allem auf den Juli. Deshalb scheint es hier Verschiebungen gegeben zu haben. Der Rückgang ist nicht auf den Brexit zurückführen, sondern auf Sondereffekte. Allerdings werden die Exporte in den kommenden Monaten sicher nicht der Treiber der deutschen Konjunktur sein. Wir haben zum einen die schwache Weltwirtschaft, zum anderen lässt der Rückenwind vom schwächeren Euro nach.“

In EU-Mitgliedstaaten wurden demnach Waren im Wert von 56,3 Milliarden Euro exportiert und damit sieben Prozent weniger als im Juli 2015. Die Importe aus diesen Ländern gingen nach Angaben der Statistiker um 4,5 Prozent auf 51,3 Milliarden Euro zurück.

Den Exportrückgang von zehn Prozent zum Vorjahr begründeten die Statistiker auch mit dem ungewöhnlich starken Juli 2015. Normalerweise seien die Exportzahlen in dem Sommermonat – häufig auch wegen Betriebsferien – geringer als sonst.

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