Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2017

10:28 Uhr

Außenminister

Gabriel sagt Reise nach Brüssel ab

Der neue Außenminister Sigmar Gabriel verschiebt seinen Antrittsbesuch in Brüssel wegen einer Erkrankung. Er hatte sich mit den Spitzen der EU und dem Nato-Generalsekretär treffen wollen.

Außenminister Sigmar Gabriel hat seinen Antrittsbesuch in Brüssel kurzfristig abgesagt. dpa

Bundesaußenminister sagt Reise ab

Außenminister Sigmar Gabriel hat seinen Antrittsbesuch in Brüssel kurzfristig abgesagt.

Berlin/BrüsselAußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat seinen Antrittsbesuch in Brüssel am Dienstag wegen einer Erkrankung kurzfristig abgesagt. Weitere Einzelheiten gab das Auswärtige Amt zunächst nicht bekannt. Nach dpa-Informationen hat er sich bei seiner vierjährigen Tochter mit einer fiebrigen Infektion angesteckt.

Gabriel wollte in Brüssel bei seiner zweiten Auslandsreise als Außenminister Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini treffen. Der Besuch war erst am Montag offiziell angekündigt worden und wurde am Dienstag nur zwei Stunden vor dem geplanten Abflug abgesagt.

Gabriel hatte vor einer Woche seinen Verzicht auf den SPD-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur zugunsten von Martin Schulz erklärt. Am Freitag war der Vizekanzler vom Wirtschaftsministerium an die Spitze des Auswärtigen Amts gewechselt. Seine Frau und seine Tochter Marie hatten ihn zur Amtsübergabe nach Berlin begleitet.

Sigmar Gabriel – Drehbuch eines Rücktritts

Dezember 2015

Gabriel und die SPD haben es schwer miteinander. Die Sozialdemokraten bestätigen ihren Vorsitzenden mit gerade mal 74,3 Prozent im Amt. Auf die Frage, ob er nach der Klatsche ans Hinschmeißen gedacht habe, sagt er dem ARD-Reporter Reinhold Beckmann: „Ja, klar!“ – aber das Pflichtbewusstsein habe gesiegt.

Sommer 2016

Bei Gabriel regen sich erste Zweifel, ob er Kanzlerkandidat werden soll – so schildert er es dem „Stern“. Die Umfragewerte sind schlecht. Und dann ist da noch ein privater Grund: Ehefrau Anke erwartet das zweite gemeinsame Kind. Ab März habe er „drei Töchter und eine berufstätige Frau“, sagt Gabriel dem Magazin. „Und es ist einfach traurig, wenn man nie da ist, wenn irgendwas passiert.“ Eigentlich habe er „permanent ein schlechtes Gewissen“.

September 2016

Gabriel macht die Abstimmung über Ceta zu seiner Schicksalsfrage. Wäre die Partei ihm nicht gefolgt, hätte sie gegen das EU-Freihandelsabkommen mit Kanada nicht zugestimmt, dann wäre der Goslarer wohl zurückgetreten.

November 2016

Angela Merkel legt sich fest, sie tritt wieder an - und was macht der SPD-Chef? Gabriel hält dem Druck in Sachen K-Frage stand und fordert die Partei auf, „cool“ zu bleiben. Erst Ende Januar soll entschieden werden. Damit verschafft er sich Bedenkzeit.

Jahreswechsel

Wann genau Gabriel den Entschluss fällt, seinem langjährigen Freund und nun Konkurrenten Martin Schulz die Parteiführung und die Kanzlerkandidatur anzutragen, weiß nur er selbst. Dem „Stern“ sagt er jedenfalls, die Entscheidung für Schulz habe schon „lange“ festgestanden, als die „Bild“ am 9. Januar meldete, der SPD-Chef selbst trete an.

21. Januar 2017

Schulz und Gabriel kommen im rheinland-pfälzischen Montabaur zusammen. Er habe Schulz gesagt, was er „seit einiger Zeit denke und auch mit anderen in der SPD besprochen habe“, sagt Gabriel später. Er trägt Schulz Kanzlerkandidatur und Vorsitz an, der greift sofort zu.

22. Januar 2017

Gabriel gibt dem „Stern“ ein ausführliches Interview (das zunächst unter Verschluss bleiben soll) und erklärt, warum er aus seiner Sicht nicht der Richtige ist für die SPD im Wahlkampf. Er spricht von seiner Familie und von der Partei, in der viele seinen Ton und seinen Politikstil nicht mögen. Es fehle ihm der unbedingte Wille, im Herbst ins Kanzleramt einzuziehen. Vor allem aber: „Wenn ich jetzt anträte, würde ich scheitern, und mit mir die SPD.“

23. Januar 2017

Spätestens jetzt informiert Gabriel die engere Parteiführung. Wer wusste wann Bescheid? Sowohl Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin in Nordrhein-Westfalen, als auch Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz hat der scheidende SPD-Chef nach eigenen Angaben eng eingebunden in seine Entscheidung.

24. Januar 2017

Der große Knall. Am Abend soll der SPD-Führungszirkel tagen, doch bereits kurz vor einer Fraktionssitzung wird das „Stern“-Titelbild öffentlich: „Der Rücktritt“. Auch die „Zeit“ berichtet. Die Partei ist überrumpelt. Am Abend stellen sich Gabriel und Schulz im Willy-Brandt-Haus gemeinsam der Presse – erstmals in ihren Rollen als scheidender Parteichef und neuer Hoffnungsträger.

Bereits am Samstag - keine 24 Stunden nach Amtsantritt - war Gabriel zu seiner ersten Auslandsreise nach Paris aufgebrochen. Weitere Reisen sind noch nicht terminiert. Gabriel will aber so schnell wie möglich in die USA reisen, um mit Vertretern der neuen Regierung von US-Präsident Donald Trump zu sprechen.

Im vergangenen Jahr musste Gabriel als Wirtschaftsminister schon einmal eine Auslandsreise wegen einer Erkrankung kurzfristig absagen. Damals sollte es in den Iran gehen.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Franz Paul

31.01.2017, 09:30 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×