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27.01.2010

10:14 Uhr

Aussprache-Angebot

Lafontaine sucht die Nähe zu seinem Intimfeind Schröder

Oskar Lafontaine will nach seinem Ausscheiden aus der Führung der Linkspartei reinen Tisch machen – in vielerlei Hinsicht. Dazu gehört für ihn auch der Versuch, sich mit dem dem ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, wegen dem er die SPD verlassen hatte, auszusprechen. In einem Interview nahm er zudem ungewöhnlich offen zu seiner Krebserkrankung Stellung.

Als die beiden noch dicke Freunde waren: Oskar Lafontaine (li.) und Gerhard Schröder (Archivbild v. 13. Oktober 1998). ap

Als die beiden noch dicke Freunde waren: Oskar Lafontaine (li.) und Gerhard Schröder (Archivbild v. 13. Oktober 1998).

HB HAMBURG. Der scheidende Linksparteichef Oskar Lafontaine hat dem dem ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, wegen dem er die SPD verlassen hatte, ein Aussprache-Angebot gemacht. „Die Zeit der Verletzung liegt lange zurück“, sagte Lafontaine dem "Stern". „Aber es gibt Regeln im Leben: Der Jüngere grüßt den Älteren.“ Als ihm Schröders Gattin Doris Schröder-Köpf vor seiner Prostatakrebs-Operation öffentlich Genesungswünsche übermittelt habe, habe er ihr „zurück geschrieben und gedankt“.

Lafontaine sagte in dem Interview zudem, dass er nach seinem Ausscheiden aus der Führung der Linkspartei nicht deren Ehrenvorsitzender werden wolle. „Das wäre zuviel der Ehre für mich“, sagte er in einem Interview in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des Hamburger Magazins "Stern". Als größte Schwäche der Linken bezeichnete es Lafontaine, „dass sie im Westen noch nicht stabil genug ist“. Hier sei noch Aufbauarbeit zu leisten.

Der scheidende Gründungsvorsitzende wandte sich jedoch gegen Befürchtungen, dass die Linkspartei an seinem Abschied zerbrechen könnte. „Es gab in der SPD solche Diskussionen nach Willy Brandt und bei den Grünen nach Joschka Fischer. Es ist keine Koketterie, wenn ich sage: Für die Linke sehe ich das auch nicht so dramatisch.“ Die Grünen stünden ohne Fischer heute besser da als zuvor. Als Fraktionschef der Linken im saarländischen Landtag wolle er sich zudem weiter in die Bundespolitik einmischen, sagte Lafontaine.

Skeptisch äußerte er sich im "Stern" zu einer möglichen Fusion zwischen SPD und Linkspartei. Er werde sie „wohl kaum“ noch erleben. „Wenn die Programme beider Parteien sich wirklich einmal hinreichend angenähert haben, müssen die dann Verantwortlichen klären, ob es sinnvoll ist, zwei Parteien mit dem gleichen Programm zu haben“, sagte Lafontaine und fügte hinzu: „Aber mehr und mehr komme ich zu der Überzeugung, dass in den westlichen Industriegesellschaften eine Partei links von der Sozialdemokratie notwendig ist.“

Erstmals sprach Lafontaine in dem "Stern"-Gespräch offen über seine Krankheiten und Todesgedanken. Er bestätigte, dass ihm die Prostata entfernt wurde und sein alltägliches Leben dadurch beeinträchtigt ist. Das halte sich jedoch im Rahmen. „Ich kann ohne Probleme noch Reden halten oder Sitzungen durchstehen“, sagte er dem Magazin. Nun müsse „in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden, ob da etwas geblieben ist oder nicht“. Das werde zum ersten Mal im Februar geschehen. Anfang 2009 habe er außerdem „Probleme mit dem Herzen“ gehabt und seit September leide er an einer Virus-Infektion der Atemwege, die er bis jetzt nicht in den Griff bekommen habe.

Seit dem Attentat 1990, bei dem ihm eine geistig verwirrte Frau in den Hals gestochen hatte, habe er gedacht: „Wenn mich mal eine Krebserkrankung erwischt, dann höre ich auf.“ Das Attentat habe seine Lebenseinstellung verändert, sagte Lafontaine. „Die Grenzerfahrung des Todes ist eine existenzielle Erfahrung, man wird sie nicht los.“ Auf die Frage, ob ihn die Vorstellung an den Tod schrecke, antwortete der 66-Jährige: „Da wir nicht wissen, was nach dem Tod ist, halte ich die Antwort des Sokrates für richtig: Es gibt keinen Grund, vor dem Tod Angst zu haben.“ Wichtig sei, „dass der Tod schnell kommt und schmerzfrei ist“. Jetzt aber wolle er „gesund werden und leben“.

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