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21.04.2011

16:45 Uhr

Ausstieg aus der Kernenergie

Die Welt kehrt der Atomkraft den Rücken

VonMichael Brackmann, Matthias Eberle, Klaus Stratmann, Georg Weishaupt

Nicht nur in Deutschland, weltweit verabschieden sich immer mehr Regierungen von der Kernenergie. Die Energiewende birgt riesiges Potenzial: Hersteller von Sonnen- und Windanlagen wittern ein Milliardengeschäft.

Nicht nur Deutschland, auch viele andere Länder wenden sich von der Atomkraft ab. Quelle: dpa

Nicht nur Deutschland, auch viele andere Länder wenden sich von der Atomkraft ab.

DüsseldorfDer Japan-Gau hat die Koordinaten der deutschen Energiepolitik nicht nur durcheinander gerüttelt, sondern nachhaltig verschoben: Zwei Drittel der Deutschen lehnen nach der Atomkatastrophe in Fukushima und 25 Jahre nach dem Super-GAU in Tschernobyl die Atomenergie ab, sagt die jüngste Forsa-Umfrage. Eine von der Kanzlerin bestellte Ethik-Kommission soll einen Weg finden, wie Deutschland schnellstmöglich ohne Atomstrom leben, dabei aber ein Industrieland mit sicherer Energieversorgung bleiben kann.

Bislang sah es so aus, als stünde Deutschland mit dem urplötzlichen Abschalten seiner Alt-Meiler nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima weltweit allein auf weiter Flur. "Es war vor rund 50 Jahren die Politik, die die Energiewirtschaft zum Einstieg in die Kernkraft drängte. Nun will Deutschland wieder aussteigen, geht damit aber international einen Sonderweg", schrieb RWE-Chef Großmann vor kurzem in einem Beitrag für das Handelsblatt.

Doch das stimmt nicht mehr. Die Bundesrepublik, die inzwischen schon 17 Prozent der Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse gewinnt und diesen Anteil bis zum Jahr 2030 auf 50 Prozent erhöhen will, findet mit ihrer Wende weg von Atom, Kohle und Gas und hin zu regenerativen Energien zusehends Nachahmer.

Am deutlichsten wird das in Italien: Wie Angela Merkel in Deutschland reagierte auch Ministerpräsident Silvio Berlusconi sofort auf die Atom-Katastrophe in Japan und kippt das erst 2008 verabschiedete Gesetz zum Wiedereinstieg in die Atomkraft. Nach einer von der Regierung dem Senat vorgelegten Gesetzesänderung werden nun alle Pläne für die Erkundung, den Bau und die Inbetriebnahme von Meilern gestoppt. Stattdessen soll eine neue Energiestrategie festgelegt werden. Laut Umfragen sind nur noch 20 Prozent der Italiener für eine Kernkraft-Renaissance. Vor zwei Jahren waren es noch 50 Prozent.

Auch die Schweiz lässt den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie prüfen. Und selbst in der Atomnation Frankreich, wo 58 Meiler rund 80 Prozent des heimischen Stroms produzieren, fordert der Straßburger Stadtrat die Schließung des ältesten französischen Kernkraftwerks in Fessenheim. Frankreich bemühe sich, "den Rückstand bei erneuerbaren Energien gegenüber Deutschland auszugleichen", sagte Premierminister François Fillon. Da wirkt es schon fast anachronistisch, dass die niederländische Regierung - gegen die Mehrheit der eigenen Bevölkerung - den Bau zweier neuer Reaktoren prüft.

Kommentare (52)

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poolliter

21.04.2011, 16:49 Uhr

Gier und Rücksichtslosigkeit verursachen Leid. Sowohl bei den Gierigen als auch in Ihrem Umfeld. (Energie-)Verschwendung kann kein tragfähiges Lebensmoto sein. Die schreckliche Katastrophe von Fukuschima trägt somit auch etwas positives in sich: Die Chance zum Umdenken und Umsteuern.

Nuke

21.04.2011, 17:23 Uhr

Solange es uns so gut geht haben wir leicht reden. Die Wirtschaft boomt trotz schlimmer politischer Entscheidungen. Wenn die Zeiten schlechter werden und die gestiegenen Kosten zu Wettbewerbsnachteilen führt, werden wir aufwachen. Dann ist es aber zu spät, siehe England. Dort hat man fast die gesamte produzierende Industrie zugunsten des Dienstleistungsgewerbes aufgegeben.
Energieintensive Industrie ist ein wesentliches Standbein unseres Wohlstands. Diese sollten wir im Land behalten. Die Produktion von Solarzellen wird bald nur noch in Fernost stattfinden, von uns gefördert. Das bringt uns nichts, v.a. keine Jobs.

Hans

21.04.2011, 17:23 Uhr

"Die Welt" macht weiter wie bisher.
Die Deutschen sind es, die der Welt den Rücken kehren.

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