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02.04.2013

04:52 Uhr

Ausstiegs-Forderung

Verbraucherschützer halten Offshore-Windkraft für Irrtum

Weit draußen und tief im Meer: Offshore-Windparks sind nach einer Analyse der Verbraucherzentrale technisch und wirtschaftlich problematisch. Sie fordert einen Stopp neuer Projekte - und schauen dabei auf den Strompreis.

Weit draußen: Windräder des Windpark BARD Offshore 1 in der Nordsee. dpa

Weit draußen: Windräder des Windpark BARD Offshore 1 in der Nordsee.

BerlinAngesichts massiver Probleme und zusätzlicher Gefahren für den Strompreis dringen führende Verbraucherschützer auf einen Stopp neuer Offshore-Windkraftprojekte auf hoher See.

„Der Bau von Seewindanlagen weit draußen und tief im Meer stellt sich immer mehr als ein ökonomischer und technologischer Irrläufer heraus“, heißt es in einer neuen Analyse der Verbraucherzentrale Bundesverband, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. „International wird sich allenfalls Seewind in Küstennähe durchsetzen, was aber in Deutschland wegen des Wattenmeers nicht infrage kommt“, schreibt der Energieexperte Holger Krawinkel in der Analyse.

„Erhebliche Risiken“: RWE-Chef sieht Offshore-Ausbau gefährdet

„Erhebliche Risiken“

RWE-Chef sieht Offshore-Ausbau gefährdet

Die Wirtschaftlichkeit müsse gewährleistet sein, sonst entstünden „erhebliche Risiken“.

Je schneller der Ausstieg aus dem Offshore-Ausbau vereinbart werde, umso geringer würden die negativen Folgen im Hinblick etwa auf die Kosten ausfallen. Gerade nach dem gescheiterten Energiegipfel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse über grundlegende Richtungswechsel bei der Energiewende nachgedacht werden.

Bisher plant die Bundesregierung in der Nord- und Ostsee bis 2020 Anlagen mit einer Leistung von 10.000 Megawatt, bis 2030 sollen es sogar 25.000 Megawatt sein. Derzeit sind es erst rund 200 Megawatt. Bis 2030 sind zur Anbindung der Windparks 25 Konverterplattformen und rund 3880 Kilometer Seekabel für den Anschluss erforderlich.

Da für Offshore-Windstrom zu Beginn sehr hohe Einspeisevergütungen bezahlt werden, ist mit spürbaren Zusatzbelastungen zu rechnen. Die Kosten dafür werden per Umlage auf den Strompreis aufgeschlagen. Um den stockenden Netzanschluss zu beschleunigen, wurde zudem Anfang des Jahres eine Sonderumlage eingeführt, die einen durchschnittlichen Haushalt pro Jahr knapp 9 Euro zusätzlich kostet.

Wie viel Haushalte für die EEG-Umlage pro Person monatlich zahlen müssen

Singles

2011 mussten Alleinstehende noch 6,34 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,51 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 9,49 Euro oder 0,72 Prozent des Einkommens sein.

Paare ohne Kinder

2011 mussten Paare ohne Kinder noch 6,47 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,31 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 9,68 Euro oder 0,44 Prozent des Einkommens sein.

Alleinerziehende

2011 mussten Alleinerziehende noch 5,94 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,6 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 8,88 Euro oder 0,85 Prozent ihres Einkommens sein.

Paare mit Kindern

2011 mussten Paare mit Kindern noch 5,65 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,34 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 8,45 Euro oder 0,48 Prozent ihres Einkommens sein.

Von

dpa

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

02.04.2013, 06:31 Uhr

Gefahr für die Netzstabilität

Schwerpunkt der Windstromerzeugung ist das nördliche Deutschland und (vorgesehen) dort das Meer. Die Verbraucherschwerpunkte liegen aber im mittleren, westlichen und südlichen Deutschland. Dafür aber sind das gegenwärtige Stromnetz und die bisherige Regeltechnik nicht ausgelegt. Die Windstromerzeugung schwankt, und die Regeltechnik hat es schwer, die Frequenz des Stroms bei den notwendigen 50 Hertz zu halten. Beides gefährdet deshalb die Stabilität des Netzes. Für eine zuverlässige Stromversorgung muss die 50-Hertz-Frequenz im Netz ständig stabil gehalten werden. Schwanken darf sie allenfalls zwischen 49,8 und 50,2 Hertz. Nimmt die Zahl der Windgeneratoren immer weiter zu, droht das Netz zusammenzubrechen. Das bedeutet Stromausfall. Das Einspeisen von Windstrom in dieses Netz hat seine technische Grenze erreicht. Gleichwohl wurde nicht beschlossen, mit dem Windstromunfug aufzuhören, sondern gigantische 4000 Kilometer neuer Stromtrassen durchs Land zu ziehen. Das ist aber sehr viel langsamer durchzusetzen als Windkraftanlagen in die Gegend zu stellen.

Power by : Dr. Klaus Peter Krause

lilienthal

02.04.2013, 07:47 Uhr

Zur Offshore-Windenergie gibt es seriöse Studien en masse, sei es vom Fraunhofer IWES oder aus der Privatwirtschaft (z. B. KPMG), die mit dem für die Thematik notwendigen Interesses und ohne Sentiment für jeden Leser ein befriedigendes Bild der Technologie entstehen lassen. Die Erweiterung der eigenen Perspektive mag mühsamer sein, aber besser als sich von berufsmäßigen Kritikern der heutigen Energiepolitik instrumentalisieren zu lassen.

Account gelöscht!

02.04.2013, 08:06 Uhr

Das ist doch das Schöne am EEG. Die Betreiber von Solar- und Windanlagen bekommen in jedem Fall den Strom bezahlt, wenn er aufgrund von nicht durch sie verursachte höheren Mächte nicht erzeugt oder abgenommen werden kann.

Das bedeutet die Betreiber bekommen auch dann Geld wenn:
- zuviel Wind weht und die Anlage wegen Überlast abschalten muß
- die Anlage zwar Strom produzieren könnte aber von der Bundesregierung der Netzanschluß nicht hergestellt wurde
- die Anlage abschalten muß weil der Strom gerade nicht gebraucht wird (derzeit technisch noch nicht realisiert weil "Ökostrom" Einspeisegarantie hat, aber das wird kommen. Aktuell verschenken wir den zuviel erzeugten Strom ins Ausland und bezahlen noch dafür...)

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