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07.10.2015

06:23 Uhr

Auszeichnung für die Krisen-Kanzlerin

CDU-Politiker wollen Friedensnobelpreis für Merkel

VonDietmar Neuerer

Ob Ukraine oder Flüchtlinge: In Europas großen Krisen spricht Merkel Machtworte. In der CDU ist mancher der Ansicht, die Kanzlerin habe daher den Friedennobelpreis verdient. Doch es gibt auch viele, die das anders sehen.

Am Freitag wird das Geheimnis um den Friedensnobel-Preisträger 2015 gelüftet. Die CDU-Bundesvorsitzende wird als Kandidatin gehandelt. dpa

Angela Merkel

Am Freitag wird das Geheimnis um den Friedensnobel-Preisträger 2015 gelüftet. Die CDU-Bundesvorsitzende wird als Kandidatin gehandelt.

BerlinIm Ukraine-Konflikt handelt die Bundeskanzlerin einen Waffenstillstand aus. Als die Flüchtlingssituation zu eskalieren droht, heißt Angela Merkel die Schutzsuchenden in Deutschland willkommen - und findet zugleich klare Worte. Möglicherweise erhält Merkel nun für ihren Umgang mit den großen Krisen in Europa den Friedensnobelpreis. In Oslo, wo am Freitag das Geheimnis um den Preisträger 2015 gelüftet wird, wird die CDU-Bundesvorsitzende sogar schon als Kandidatin gehandelt.

Manche Parteifreunde in Berlin würden es mehr als begrüßen, wenn Merkel in diesem Jahr zum Zug käme. Die Kanzlerin habe die Auszeichnung „wie sonst niemand in Europa“ verdient, sagte der Vizechef der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, dem Handelsblatt. Merkel habe „maßgeblichen Anteil“ am Waffenstillstand im Ukraine-Konflikt und habe durch die zeitweilige Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge eine humanitäre Katastrophe in Ungarn verhindert. „Der Friedensnobelpreis wäre ein richtiges Signal für eine Neuausrichtung der globalen Flüchtlingspolitik“, sagte Bäumler.

Stärken und Schwächen von Angela Merkel

„Alternativlos“

Das ist eines der Lieblingswörter, wenn Kanzlerin Angela Merkel andere von ihrer Politik überzeugen möchte. Alternativlos ist derzeit für die CDU auch Merkels achte Wahl zur Parteichefin. Die Christdemokraten können sich momentan nicht vorstellen, wer außer der Physikerin aus der DDR die Partei führen sollte.

Ausdauer

Merkel schreibt sich selbst „kamelartige Fähigkeiten“ zu: Reserven anlegen, dosiert einsetzen. Krank ist sie selten - wenn doch, erfährt man es in der Regel nicht. Anders am Montag. Da war ihr so unwohl, dass sie eine Interview-Aufzeichnung unterbrach. Noch am Abend präsentierte sie sich wieder munter. Wer nicht zäh ist, kann Kanzleramt und Parteivorsitz nicht machen.

Geduld

Merkel kann zuhören - und abwarten. Selten reagiert sie im Affekt. So dauerte es lang, bis sie Russlands Präsident Wladimir Putin offen attackierte.

Uneitel

Anhänger wie Gegner schätzen Merkels Bodenhaftung, ihre unaufgeregte Art. Keine Skandale, keine Eskapaden, keine Diva. Oder wie Wolfgang Schäuble sagt: „Die ist nicht so Hurra-mäßig wie bei Napoleon - aber erfolgreicher.“

Ideologiefrei

Merkel zeigt sich erst einmal für alles offen und denkt nicht in den Grenzen der Unionspolitik.

Kein Redetalent

Merkel kann ein Publikum nicht mitreißen. Öffentlich formuliert sie selten scharf und pointiert.

Erklärungsdefizit

Viele Menschen sagen auch, sie wüssten nicht, was Merkels Botschaft sei. Sie erkläre ihre Politik nicht.

Keine Nachwuchsförderung

Dass Merkel so unangefochten in der CDU ist, liegt auch daran, dass sie Konkurrenten kalt gestellt hat und keine Talente gezielt fördert.

Keine Vision

Kritiker beklagen, dass Merkel keine eigenen Ziele entwerfe, sondern Ideen anderer sammele und dann die Mehrheitsmeinung suche, um nicht zu unterliegen.

Nachtragend

Merkel vergisst nichts. Wer bei ihr einmal in Ungnade fällt, ist abgemeldet. Bei nächst passender Gelegenheit zieht sie Konsequenzen. Vor allem viele Männer sehen darin wieder eine Stärke. „Sie kann Rache kalt genießen“, sagt einer aus der Opposition.

Für den Großstadtbeauftragten der Unions-Bundestagsfraktion, Kai Wegner, würde die Preisverleihung an Merkel „ein großartiges Zeichen der Anerkennung für ihren Beitrag zu Frieden und Freiheit in Europa“ bedeuten. Gerade in der Ukraine-Krise habe die Kanzlerin „entscheidend dazu beigetragen“, gangbare Lösungen für eine gute Zukunft aufzuzeigen.

„Die Preisverleihung wäre aber auch ein deutliches Signal an diejenigen in Europa, die unter Hinweis auf die aktuellen Flüchtlingsströme Abschottung, Stacheldraht und nationalen Egoismen das Wort reden“, sagte Wegner dem Handelsblatt. Merkel habe klar gemacht, dass die „Krise nur mit Herz und Verstand gleichermaßen zu meistern“ sei.

Kritisch sieht der Obmann der Unions-Fraktion im Auswärtigen Ausschuss, Roderich Kiesewetter, eine mögliche Preisverleihung an Merkel. Fiele die Wahl auf die Kanzlerin, würde das Merkel und Deutschland „sicher sehr ehren und verdient wäre der Preis auch“, sagte Kiesewetter dem Handelsblatt.

„Allerdings sollte solch ein Preis eher das Lebenswerk eines Menschen oder ausnahmsweise eine ganz besondere herausragende Einzelleistung würdigen. Wenn politisch-operativ motivierte Entscheidungen bei der Nobelpreisverleihung getroffen werden, wie seinerzeit beim US-Präsidenten Barak Obama, wird jegliche weitere Entscheidung und jeder weitere Lebensschritt eines Preisträgers an so einem Preis gemessen.“

Er denke daher auch, „dass unsere Bundeskanzlerin für solche politisch motivierten Preisverleihungen nicht zur Verfügung steht, sondern erst dann, wenn in vielen Jahren ihre politische Arbeit vollendet ist“. Die Zurückhaltung Kiesewetters kommt nicht von ungefähr. Denn mit der Auszeichnung von Politikern hat die norwegische Nobel-Jury in der Vergangenheit nicht immer ein glückliches Händchen gehabt.

Kommentare (57)

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Herr Thomas Behrends

07.10.2015, 07:30 Uhr

Um Gottes Willen, nein, bloß nicht! Leute wie Murksel, die als überzeugte DDRler und FDJler immer dann abtauchen, wenn es politisch unangenehm wird, haben den Nobelpreis nicht verdient. In ihrem Handeln und ihren Reden ähnelt Merkel immer mehr Ulbricht und Honecker in Personalunion.

Herr Klaus Hofer

07.10.2015, 07:34 Uhr

Ob Merkel mit ihrer Flüchtlingspolitik den Frieden in unserem Land befördert, darf getrost bezweifelt werden....

Herr Hans Bayer

07.10.2015, 07:36 Uhr

Also ich glaubs ja echt nicht. Ich meine das kleine Mädchen dem die Kugeln um die Ohren geflogen sind und sich gegen die Thaliban gewehrt hat, das Mädchen hat den Preis nicht bekommen... !!! Aber der Merkel wollen Sie einen Friedensnobelpreis geben? Ich fasse es nicht. Heutzutage muss man sich offensichtlich nur oben irgendwo hinstellen und die Türen und Tore auf machen aber an sein eigenes Volk denkt Sie nicht. Die Straßen, die Infrastruktur hier im Lande verrottet aber die Wirtschaftsflüchtlinge werden nicht wieder zurück geschickt. Echte Flüchtlinge soll man gerne und ernsthaft aufnehmen, aber Wirtschaftlsflüchtlinge werden nicht zurückgeschickt. Lösungen in den Kommunen sind rar bis gar nicht vorhanden... Und ansonsten ist bei ihr immer Stillschweigen angedacht, die hält doch zu allem den Mund, ignoriert alle, lacht sich eins ins Fäustchen und dann soll die auch noch den Friedensnobelpreis kriegen. Tut mir leid, aber dann habe ich das Prinzip des Friedensnobelpreises nicht verstanden, insbesondere deshalb nicht, weil das kleine Mädchen aus Afghanistan den nicht bekommen hat und gegen die Thaliban gekämpft hat. Sorry da fehlt es mir echt an Verständnis.... Die Merkel, den Friedensnobelpreis. Ne, echt nicht, das ist lächerlich, absolute Übertreibung, hier will sich jemand ein Denkmal setzen, wie diese Eisenfiguren in östlichen Ländern... Also sorry...

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