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01.10.2012

15:48 Uhr

Auto-Gipfel

Merkel verweigert direkte Subvention für Elektroautos

Die Regierung glaubt an den Durchbruch für Elektroautos in Deutschland. Daher will sie die schwache Nachfrage nicht mit Kaufprämien ankurbeln. Allerdings lässt die Kanzlerin sich und der Industrie eine Hintertür offen.

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BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel hat beim Autogipfel im Bundeskanzleramt eingeräumt, dass es nicht einfach werden, bis 2020 eine Million E-Autos auf deutschen Straßen zu haben. Es wäre aber falsch, jetzt die Ziele aufzugeben, da noch acht Jahre Arbeit bevor stünden. Einen Anschub durch eine Prämie lehne die Regierung weiter ab, sagte Merkel nach einem Spitzentreffen mit Wirtschaft und Wissenschaft am Montag in Berlin.

Ob in der nächsten Wahlperiode mehr Anreize gebraucht würden, sei zu entscheiden, „wenn es so weit ist“, sagte Merkel. Zu Jahresanfang waren nur 4500 Elektroautos zugelassen. Insgesamt gibt es hierzulande 43 Millionen zugelassene Pkw.

Rund 600 000 Elektroautos seien nach bisherigen Prognosen bis 2020 zu erreichen, machte Merkel deutlich. „Der Rest wird erarbeitet.“ Sie bekräftigte Zusagen zur Forschungsförderung. Für Steuerbegünstigungen von E-Autos sollten die entsprechenden Gesetze bis Ende des Jahres im Bundestag verabschiedet werden. Wegen der vielen beteiligten Branchen sei die Elektromobilität ein komplexes Feld. In anderen technischen Bereichen habe sich aber schon gezeigt, „dass sich Dinge oft sehr sprunghaft entwickeln.“

Die Autobranche mahnte weitere flankierende Maßnahmen an. Größten Entwicklungsbedarf gebe es bei Batterien, sagte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann.

Daimler- Chef Dieter Zetsche sagte vor dem Treffen im ZDF: „Wir sagen, wenn man bei dem Ziel bleiben will, eine Million in 2020 zu erreichen, wird man an den Randbedingungen noch mehr tun müssen.“ Es gehe auch darum, Angebote für Kunden attraktiver zu machen. „Wahrscheinlich wäre letztlich ein Kaufanreiz auch ein Thema, was den Absatz weiter fördern könnte.“ Kaufprämien gibt es etwa in Frankreich und den USA

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte dagegen, die Marktausgestaltung könne man sich nicht einfach kaufen über eine Kaufprämie. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) verwies darauf, dass Erfahrungen in anderen Ländern zweifelhaft seien. Angesichts knapper Mittel solle Geld für den Straßenbau genutzt werden.

Der Chef der Nationalen Plattform Elektromobilität, Henning Kagermann, sagte es wäre unklug, am Anfang mit Prämien zu operieren. Dies könne wieder Thema sein, wenn 2014 eine stärkere Hochlaufphase des Markts komme. Auch der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte, Prämien erreichten nicht viel. Sie nützten nur Fahrern, die ohnehin planten, ein E-Auto zu kaufen. Die große Mehrheit sei aber skeptisch.

Die Grünen im Bundestag erklärten dagegen: „Wenn wir keine Anreize setzen, verpufft die ganze Nummer.“ Ein Kaufzuschuss für E-Autos sei haushaltsneutral umsetzbar, indem die Förderung von Spritschluckern in der Dienstwagenbesteuerung zurückgefahren werde.

Von

dpa

Kommentare (12)

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Rene

01.10.2012, 16:02 Uhr

Ja, ja die Grünen wollen aus dem leeren Topf wieder einmal Geld herausnehmen und verschleudern.
Und die Branche will ihren fetten Leib mit Subventionen weiter aufblähen.
Diesem Subventionsgebahren gehört knallhart der Riegel vorgeschoben. Erst einmal müssen die Haushalte ausgeglichen, Schulden abgebaut und der Bürger vom Steuergeisel befreit werden. Dann hat er auch Lust, E-Autos und sparsame Kühlschränke und Waschmaschinen zu kaufen.

schmurf

01.10.2012, 16:07 Uhr

Die schlechte Nachfrage? Es gibt bisher kein deutsches Elektroauto, also eher das schlechte Angebot.

Leopold

01.10.2012, 16:09 Uhr

Elektroautos? Das was die deutsche Industrie überall präsentiert sind Elektro-Sportwagen, die einmal auf 200 beschleunigen und dann wieder an die Steckdose müssen. Mit solchen Konzepten kann man kein alternatives Energiekonzept umsetzen und kein alternatives Alltagsauto bewerben. Und die Forderung nach staatlicher Förderung ist Frechheit!

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