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29.06.2017

10:05 Uhr

Automatisierung

Alle Macht den Digital-Arbeitern

VonBarbara Gillmann

Personalvorstände und Wissenschaftler werben heute im Kanzleramt für ihre Vorstellungen von der künftigen Arbeitswelt. Sie fordern Experimentierklauseln bei der Arbeitszeit. Ärger mit den Gewerkschaften ist absehbar.

Wie die Regierung auf die Entwicklung zur Arbeit 4.0 reagieren soll, ist umstritten. dpa

Arbeitsministerin Nahles

Wie die Regierung auf die Entwicklung zur Arbeit 4.0 reagieren soll, ist umstritten.

BerlinArbeit 4.0 ist ein zwiespältiger Begriff: Die einen hoffen auf ein Jobwunder, die anderen fürchten einen Jobkiller. Personalvorstände sagen: Staat und Gewerkschaften müssen den Unternehmen und Mitarbeitern mehr Spielraum lassen, damit sie gemeinsam herausfinden können, was funktioniert und nicht schadet. Nur so könne eine „Win-win-Situation“ entstehen, heißt es in einem Bericht, den Personalvorstände und Wissenschaftler der Akademie der Technikwissenschaften Acatech heute im Kanzleramt vorstellen. Ihre Vorstellungen für die Flexibilisierung der Mitbestimmung dürften allerdings den Widerstand der Gewerkschaften hervorrufen.

Eine Kernaussage des Berichts ist: Die Beschäftigten selbst sind die besten Experten zur Gestaltung ihrer eigenen Arbeitswelt. Sie sollten daher die digitale Transformation selbstbestimmt mitgestalten können und „nicht nur mitgenommen werden“, mahnen die Personal-Experten. „Entscheidend wird sein, dass wir den Mitarbeitern mehr zutrauen und dass sie als mündige Menschen den Wandel aktiv und selbstbestimmt mitgestalten können“, sagt Acatech-Präsident Henning Kagermann.

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Das aber erfordere ein Umdenken – „sowohl bei Führungskräften als auch bei Betriebspartnern und beim Gesetzgeber“, heißt es im Bericht. Gerade weil es keinen Masterplan für die Arbeit 4.0 gebe, könne der Weg nur über ein Experiment führen: Daher „brauchen wir regulatorische Freiräume für Experimentierzonen, in denen wir neue Formen der Arbeit gemeinsam mit den Arbeitnehmern erproben“, sagt Uwe Tigges, Personalvorstand des Energieunternehmens Innogy SE.

Solche Experimentierklauseln wollte auch Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) – scheiterte damit aber am Widerstand der Union. Geplant hatte die Sozialdemokratin etwa, dass Pausen zur Kinderbetreuung, Homeoffice am Abend oder Arbeitszeiten jenseits gesetzlicher Regeln ermöglicht werden. Nicht nur die Union, auch die Linke war dagegen. Sie fürchtet „Experimente auf Kosten der Gesundheit von Beschäftigten“, das Arbeitszeitgesetz müsse ein „Schutzgesetz“ bleiben.

Konkret fordert der Acatech-Arbeitskreis Möglichkeiten, dass Beschäftigte „nicht mehr, sondern flexibler arbeiten“. Dazu brauche es dringend „neue Regelungen zu Höchstarbeitszeit, Mindestpausen, Ruhezeiten sowie Arbeit an Sonn- und Feiertagen“. Das Arbeits-, Sozialversicherungs- und Betriebsverfassungsrecht müsse so geändert werden, dass die befristete Beschäftigung von freien Mitarbeitern – etwa auf Projektbasis – einfacher werde. Dann würden sich Unternehmen hier „nicht länger in einer Grauzone bewegen“.

Netzwerken für Dummies

Freiwillig aushelfen

Wer Probleme damit hat, auf Fremde zuzugehen, sollte den Veranstaltern kurz vor dem Event seine Hilfe anbieten. So geht der angehende Netzwerker auf Nummer sicher, dass er nicht nur dumm in der Ecke rumsteht – schließlich hat er durch sein Engagement eine klare Aufgabe. Und währenddessen kommt er ganz zufällig mit neuen Menschen ins Gespräch, ohne dafür selbst den ersten Schritt machen zu müssen.

Gewohntes Umfeld verlassen

Leute außerhalb des direkten Umfeldes können dafür sorgen, dass man eine ganz neue Perspektive auf Projekte oder Probleme einnehmen kann. Jedem sollte eine Chance gegeben werden: Schließlich weiß man nie, wer einen interessanten Kontaktpartner ausmacht.

Frühzeitig da sein

Ganz wichtig beim Netzwerken: die Ruhe vor dem Sturm ausnutzen. Um neue Kontakte während einer Veranstaltung zu knüpfen, bietet es sich an, etwas früher da zu sein als die Mehrheit der Gäste. Denn wenn nur ein paar Menschen da sind, bleibt einem nichts anderes übrig, als auf diese zuzugehen. Und dann ist auch die Chance groß, die Organisatoren oder Sprecher wichtiger Organisationen zu erwischen, bevor sie von einer Meute umringt werden, die sich gerne vorstellen will.

Nicht sofort drauf losschießen

Der angehende Netzwerker ist überpünktlich da, überwindet seine Hemmungen und gesellt sich zu einer kleinen Gruppe. Den größten Fehler, den er dann machen kann: einfach drauf losplappern. Wenn es zu einem Gespräch kommt, sollte er lieber erst einmal aufmerksam zuhören und Fragen stellen. Schließlich ist Netzwerken keine Einbahnstraße: Wenn man ehrliches Interesse an den Problemen anderer zeigt, werden sie wahrscheinlich auch dasselbe für ihr Gegenüber tun.

Lächle

Noch Fragen?

Sich ein Ziel setzen

Schon vor der Veranstaltung sollte man sich gut überlegen, mit wie vielen Leuten man sich unterhalten will. Schließlich passt nicht jede x-beliebige Person in das persönliche Netzwerk. The Changer rät angehenden Netzwerkern deshalb dazu, sich vorab die Teilnehmerliste zu organisieren, um vorab herauszufinden, wer während des Events als möglicher neuer Kontakt geeignet ist.

Fragen zurechtlegen

Wenn geklärt ist, wen der angehende Netzwerker ansprechen möchte und warum, ist es sinnvoll, sich ein paar Fragen zurecht zu legen. Zum Beispiel: „Welche Vorschläge hast für mich?“ oder „Kennst du jemanden, mit dem ich mal reden sollte?“. Natürlich sollte man sich vorab auch Gedanken darüber machen, welche Fragen einem selbst gestellt werden könnten.

Rechtzeitig weiterziehen

Das Gespräch mit einer fremden Person kann super laufen. Das bedeutet aber nicht, dass man bis zum Ende der Veranstaltung zusammenbleibt. Spätestens nach zehn Minuten sollten Netzwerker weiterziehen – um mit möglichst vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Wem es schwer fällt, das Gespräch zu beenden, dem rät The Changer dazu, in einem geeigneten Moment die Businesscard zu zücken und vorzuschlagen, das Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt intensiver weiterzuführen.

Zweitkontakt intelligent herstellen

Der erste Kontakt wurde während des Events hergestellt. Im zweiten Schritt gilt es, den Zweitkontakt geschickt herzustellen. Wer allerdings nicht mehr zu bieten hat als „Schön, dich gestern kennengelernt zu haben“ läuft Gefahr, dass der Kontakt ins Leere läuft. Sinnvoll ist es, Informationen – zum Beispiel zu Gesprächsthemen – mitzuschicken, um zu beweisen, dass man als Kontaktperson wirklich etwas zu bieten hat.

Netzwerk pflegen

Netzwerken bedeutet nicht: Man tut es einmal und hakt es dann auf seiner Liste ab. Netzwerken muss vielmehr in die Arbeitsweise integriert werden. Wer wirklich von seinen Kontakten profitieren will, muss sie pflegen und Zeit investieren.

Quelle

Die Karriereplattform The Changer gibt in ihrem Buch „Karriere mit Sinn“ zehn Tipps, wie Laien zu Netzwerk-Experten werden.

Experimentierzonen sind allerdings auch eine Herausforderung für die betriebliche Mitbestimmung. Diese habe sich als Erfolgsfaktor der sozialen Marktwirtschaft erwiesen. „Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen auch Mitbestimmung gemeinsam flexibler gestalten - ohne dass der Kern verloren geht“ sagt Ulrich Weber, Personalvorstand der Deutschen Bahn AG.

Der Gesetzgeber soll dafür sorgen, dass die Mitbestimmungsprozesse in den Betrieben beschleunigt werden, fordert der Bericht. Zudem müsse die „Mitbestimmungskultur der Zukunft auch loslassen können“. Ein Dorn im Auge sind den Personalern und Wissenschaftlern beispielsweise bestimmte Mitsprachereche der Betriebsräte bei neuen IT-Instrumenten. Hier sollte sich die Mitbestimmung auf die IT-Tools konzentrieren, „die tatsächlich zur Verhaltens- und Leistungskontrolle genutzt werden sollen – nicht auf jene, die technisch dazu nur geeignet wären“. Das birgt jede Menge Zündstoff in der Diskussion mit den Gewerkschaften, die in der Regel auch solche theoretischen Kontroll-Möglichkeiten gern von vornherein ausschließen.

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