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09.06.2015

16:33 Uhr

Autonome gegen Lucke

AfD-Veranstaltung nach Farbanschlag verlegt

Eine Farbattacke hat den Auftritt von AfD-Chef Bernd Lucke in einem Freiburger Hotel verhindert. Nun wurde die Versammlung in einen anderen Saal verlegt. Die Täter haben im Internet ihre Beweggründe publik gemacht.

Im Internet bekannte sich die Gruppe Antifa St. Georgen zu dem Farbanschlag und begründete dies damit, „dass wir den sozialdarwinistischen und rassistischen Müll der AfD nicht akzeptieren“. dpa

Bernd Lucke

Im Internet bekannte sich die Gruppe Antifa St. Georgen zu dem Farbanschlag und begründete dies damit, „dass wir den sozialdarwinistischen und rassistischen Müll der AfD nicht akzeptieren“.

FreiburgHeftigen Protest hat eine Veranstaltung mit AfD-Chef Bernd Lucke in Freiburg ausgelöst: Linksautonome griffen eine Polizeiwache und das Versammlungshotel mit roter Farbe an. Beamte durchsuchten daraufhin ein Zentrum der Antifa-Szene.

Es habe Hinweise auf die Täter gegeben, sagte am Dienstag eine Polizeisprecherin. Im Internet bekannte sich die Gruppe Antifa St. Georgen zu dem Farbanschlag und begründete dies damit, „dass wir den sozialdarwinistischen und rassistischen Müll der AfD nicht akzeptieren“.

Wer hält bei der AfD die Fäden in der Hand?

Bernd Lucke

Parteigründer Bernd Lucke (52) ist der mächtigste Mann in der AfD. Mit der bisher eher basisdemokratischen Führungsstruktur tut sich das ehemalige CDU-Mitglied schwer. Gerne würde er deutschnationale Kräfte und Mitglieder, die radikale Systemkritik wollen, loswerden. Lucke ist gläubiger Christ. Mit der provinziellen Deutschtümelei einiger AfD-Mitglieder kann er nichts anfangen.

Frauke Petry

Frauke Petry (39) stand als Co-Vorsitzende im Bundesvorstand anfangs im Schatten von Lucke. Seitdem die AfD 2014 mit 9,7 Prozent in den sächsischen Landtag eingezogen ist, hat sie an Profil gewonnen. Petry ist Politikneuling. Sie setzt sich im Landtag und auch in der eigenen Partei für mehr Basisdemokratie ein. Die Chemikerin wird dem rechten Flügel zugeordnet. Im Vergleich zu den Forderungen anderer Vertreter dieses Flügels sind ihre Positionen aber eher moderat. Petry ist mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet und hat vier Kinder.

Alexander Gauland

Alexander Gauland (74) gehört dem AfD-Bundesvorstand als Stellvertreter an. Sein Landesverband hatte im vergangenen Jahr mit 12,2 Prozent das bislang beste Landtagswahl-Ergebnis für die Partei eingefahren. Gauland ist ehemaliges CDU-Mitglied. Von 1987 bis 1991 leitete er die hessische Staatskanzlei. Gaulands Schwerpunkt ist die Asylthematik. Er will die AfD zu einer Partei machen, die sich vor allem den Sorgen der „kleinen Leute“ widmet.

Konrad Adam

Konrad Adam (73) ist ein konservativer Publizist. Er arbeitete unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Welt“. Lucke schätzt Adams rhetorische Fähigkeiten, reibt sich aber häufig an seinen Positionen, vor allem beim Thema Einwanderungspolitik. Adam gehört dem rechten Flügel an. Radikale Kräfte will er in er AfD nicht haben.

Björn Höcke

Björn Höcke (43) ist Wortführer einer Gruppe von rechten AfD-Mitgliedern, die sich eine Anti-Mainstream-Politik wünschen. Der Lehrer für Sport und Geschichte ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Im März veröffentlichte er die „Erfurter Resolution“. Darin heißt es, viele Mitglieder wünschten sich die AfD als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“. Nachdem Höcke vor einigen Tagen erklärt hatte, nicht alle NPD-Mitglieder seien extremistisch, forderte ihn Lucke zum Austritt aus der AfD auf.

Die Kreissprecherin der AfD in Freiburg, Elke Fein, sagte, nach dem Farbanschlag habe der Wirt des Hotels die Partei darum gebeten, die Veranstaltung zu verlegen. Die Versammlung habe dann in einem anderen Saal mit etwa 100 Mitgliedern stattgefunden.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr walter danielis

09.06.2015, 18:44 Uhr

Unser Rechtsstaat und unsere Polizei schaut zu. Die Medien bringen Argumente für die Straftäter. Die etablierten Parteiführer genießen im Stillen. Toll! Was ist bei dem Anschlag auf Frau Petry ermittelt worden? Man stelle sich vor das wäre einem Scheinasylanten passiert.

Herr Horst Meiller

09.06.2015, 19:27 Uhr

"Linksautonome"? Soso... Klingt bzw. liest sich so schön freundlich und harmlos.
Warum nennt man das nicht was es ist, nämlich Kriminelle?
Bei einem Angriff auf einen Linken würde da sicher "ein ganz anderes Faß aufgemacht"!

Herr Jens Großer

09.06.2015, 19:45 Uhr

Natürlich kann man gegen die AfD und deren Positionen sein. Das ist vollkommen legitim in einer Demokratie. Aber doch nicht mit Anschlägen (und sei es nur mit Farbe was hohe Sachschäden verursacht), Drohungen und Blockadeaufrufen! Das hat einfach in einer Demokratie nichts zu suchen. Das dies solche extremen Gruppen nicht kapieren, ist für diese Klientel demaskierend genug! Aber Hauptsache für sich alle Freiheiten einfordern!

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