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09.04.2012

00:45 Uhr

Avi Primor

Ex-Botschafter kritisiert Einreiseverbot für Grass

Der ehemalige Botschafter Israels in Deutschland hält das Einreiseverbot für ein Symbol nach Innen. Zugleich sprach er Grass von dem Vorwurf, ein Antisemit zu sein, frei. Trotzdem kritisiert er das Gedicht.

Ex-Botschafter Avi Primor 2008 am Strand von Tel Aviv. dpa

Ex-Botschafter Avi Primor 2008 am Strand von Tel Aviv.

HamburgDer frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, hat das von der israelischen Regierung gegen Günther Grass verhängte Einreiseverbot kritisiert. Die von Innenminister Eli Jischai verhängte Maßnahme gegen den Literaturnobelpreisträger sei übertrieben und populistisch, sagte er am Sonntagabend in den ARD-„Tagesthemen“.

„Ich glaube, dass der Innenminister gar nichts von Deutschland versteht. Er betreibt Innenpolitik. Ich halte das für falsch“, erklärte Primor. Für ihn sei Grass kein Antisemit. „Ich weiß, wovon ich spreche.“

Zugleich kritisierte der Diplomat aber auch Grass' israelkritisches Gedicht. Die darin geäußerte Behauptung, Israel wolle den Iran auslöschen, sei lächerlich. Auch seien die Sorgen der israelischen Regierung berechtigt, dass der Iran Atomwaffen bauen könnte, meinte Primor. Schließlich habe nicht nur der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad sondern auch der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, von der Auslöschung Israels gesprochen.

Die israelische Regierung hatte Grass wegen des Gedichts am Sonntag zur Persona non grata erklärt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Israel Ausländern als „Strafe“ für kritische Äußerungen die Einreise verbietet. Der jüdische Linguistik-Professor Noam Chomsky aus den USA etwa saß vor zwei Jahren an der Grenze in Jordanien fest. Im vergangenen Sommer hinderte Israel mehrere hundert pro-palästinensische Aktivisten daran, ins Westjordanland zu reisen.

Im Oktober 2010 wies Israel die irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguire nach einwöchiger Internierung aus. Sie war nach Israel gereist, um sich mit israelischen und palästinensischen Friedensaktivisten zu treffen.

Der Dirigent Daniel Barenboim hatte 2001 ein Tabu gebrochen und Musik des in Israel wegen seiner antisemitischen Ansichten verpönten Komponisten Richard Wagner gespielt. Daraufhin gab es zahlreiche Forderungen, ihn zur unerwünschten Person zu erklären - was jedoch letztlich nicht passierte.

Mit dem Einreiseverbot gegen Grass scheint es Israels Innenministers Eli Jischai sehr ernst zu sein. Er glaube zwar nicht, dass der Schriftsteller gegenwärtig überhaupt Pläne habe, nach Israel zu reisen, sagte er. „Aber ich werde ihn zur unerwünschten Person machen, auch wenn er kommen will.“

Von

dpa

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