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04.10.2015

10:35 Uhr

Awal aus dem Irak

„Ich glaube nicht, dass ich bleiben werde“

Awal Sameer ist aus dem Irak nach Deutschland geflüchtet. 40 Tage war der Jeside unterwegs. Seine Familie wartet in einem Flüchtlingslager in der Türkei auf ihn. Lange bleiben will er daher nicht in Deutschland.

„Ich bin dankbar für alles was Deutschland bisher für mich getan hat.“ Kevin O'Brien

Awal, credit Kevin O'Brien

„Ich bin dankbar für alles was Deutschland bisher für mich getan hat.“

Ich bin 40 Jahre alt und komme aus Sinjar, einem Dorf im Irak. In meinem Laden im Irak habe ich gut zehn Jahre lang Kleidung - hauptsächlich für Männer - verkauft, die ich vorher aus der Türkei importiert habe.

Die Geschäfte liefen gut, ich hatte immer genügend Kunden. Ich hab Anzüge, Jeans, T-Shirts und noch viel mehr in allen möglichen Farben verkauft. Jetzt bin ich seit fast einem Monat in Deutschland. Soweit ich gesehen habe läuft es hier in der Modebranche anders. Im Irak habe ich meistens Jeans und eng anliegende Shirts und Anzüge verkauft. Hier in Deutschland war ich erst ganz verblüfft, wie sich die Leute anziehen, besonders die Frauen, die in kurzen Hosen herumlaufen.

Hunderttausende von Flüchtlingen werden dieses Jahr in Deutschland Asyl beantragen. Was denken sie? Was wollen sie? Weil die Neuankömmlinge noch immer vielsprachig sprachlos sind, will das Handelsblatt ihnen eine Stimme geben: Auf 50 Seiten sprechen und schreiben Künstler und Unternehmer, Schriftsteller, Ärzte und Ingenieure, Männer und Frauen aus Afghanistan, Iran und und Irak, Syrien, Eritrea aber auch dem Kosovo über Merkel und Europa, Heidenau und das Schleppergeschäft – aber auch die Sorgen der Deutschen, mit denen sie nun konfrontiert werden. Das komplette Dossier als PDF zum Download.

Sowas würde man im Irak nie sehen. Ich habe dort im Grunde immer die gleichen Anziehsachen verkauft. Hier habe ich beobachtet, dass es sehr anders ist. Die berühmten Marken sind wirklich alle echt. Im Irak sind viele der Klamotten einfach Fälschungen.

Die Preise hier ähneln denen im Irak. Es gibt hier Primark, was sehr billig ist, H&M ist im mittleren Preissegment und es gibt Luxusmarken wie Hugo Boss. Ich hab im Irak auch teure Klamotten verkauft. Ein echtes Designer-T-Shirt konnte da schon mal 50 Euro kosten, aber eine Kopie davon war schon für fünf Euro zu haben.

Mein Laden im Irak habe ich nach meinem Sohn benannt, ‚Abed‘. Er ist mein einziges Kind. Meine Frau und mein Sohn sind im Moment in einem Flüchtlingslager in der Türkei. Ich bin alleine nach Deutschland gekommen.

Die Reise war wirklich, wirklich hart. Ich bin den ganzen langen und gefährlichen Weg über Albanien bis hier her zu Fuß gelaufen. 40 Tage war ich unterwegs. In der Türkei hatte ich einem Schmuggler 10.000 Dollar gezahlt, damit er mich nach Deutschland bringt.

Rekordzahlen zur Flüchtlingskrise

500.000

Mehr als 500.000 Menschen haben nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex zwischen Januar und August dieses Jahres bereits die Europäische Union erreicht. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr waren es 280.000 Menschen.


Von den in der EU angekommenen Flüchtlingen haben dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) zufolge mehr als 411.000 das Mittelmeer überquert. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) nannte sogar die Zahl von mehr als 600.000 Bootsflüchtlingen. Mehr als 3100 kamen demnach bei der gefährlichen Überfahrt ums Leben.

466.000

So viele Flüchtlinge kamen der IOM zufolge in diesem Jahr bereits in Griechenland an.

137.000

Rund 137.000 Menschen landeten nach einer Überfahrt über das Mittelmeer in Italien.

200.000

Die ungarischen Behörden gaben die Zahl der seit Jahresbeginn in Ungarn angekommenen Flüchtlinge zuletzt mit 200.000 an. Die Schutzsuchenden kamen vor allem über die sogenannte Balkanroute ins Land.

160.000

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat vorgeschlagen, 160.000 Asylsuchende aus den Haupt-Ankunftsländern Griechenland, Ungarn und Italien auf die 28 EU-Mitgliedstaaten umzuverteilen. Juncker fordert eine verbindliche Quotenregelung für die künftige Flüchtlingsverteilung.

63.000

Rund 63.000 Flüchtlinge trafen seit Ende August am Münchner Hauptbahnhof ein - davon jeweils 20.000 an den beiden vergangenen Wochenenden.

1.000.000

Eine Million Flüchtlinge könnte Deutschland nach Aussage von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in diesem Jahr aufnehmen. Das Bundesinnenministerium geht offiziell weiterhin von 800.000 Asylbewerbern aus.

12.000.000

Offiziellen Schätzungen zufolge sind zwölf Millionen Syrer auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Davon gelten acht Millionen als im eigenen Land vertrieben, weitere vier Millionen flüchteten ins Ausland. Mehr als 250.000 Menschen wurden seit Ausbruch des Konflikts 2011 getötet.

Dem UNHCR zufolge sind die Hälfte der über das Mittelmeer kommenden Flüchtlinge Syrer. Die zweitgrößte Gruppe sind demnach Afghanen mit 13 Prozent, gefolgt von Eritreern mit acht Prozent. In Griechenland sind 70 Prozent der ankommenden Flüchtlinge Syrer und 19 Prozent Afghanen.

Wir sind in einer Gruppe zu Fuß gelaufen. Er hat uns gezeigt wie wir kein Aufsehen erregen. Wir haben dann an Straßenrändern übernachtet oder sonst überall, wo wir halten konnten.

Jetzt bin ich ungefähr seit einem Monat hier und warte seit drei Tagen auf einen Termin beim Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin-Moabit. Ich hab eine Nummer gezogen. Wenn die aufgerufen wird kann ich rein gehen und mit denen sprechen.

Die haben mir 350 Euro gegeben. Ich wohne in einem Flüchtlingsheim in der in Zehlendorf. Das Heim ist sehr gut, ich werde auch gut behandelt.

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