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22.01.2015

17:32 Uhr

Bachmann-Rücktritt

Führungslose Pegida hofft auf Oertel

Der islamkritischen Pegida ist ihre Gallionsfigur verloren gegangen. Die Blicke richten sich nun auf Sprecherin Kathrin Oertel. Derweil freut sich der rechte Flügel der AfD über die Demission des umstrittenen Anführers.

Die Gesichter von Pegida: Lutz Bachmann (r.) ist zurückgetreten, Kathrin Oertel könnte jetzt übernehmen. Reuters

Die Gesichter von Pegida: Lutz Bachmann (r.) ist zurückgetreten, Kathrin Oertel könnte jetzt übernehmen.

DresdenDer Rücktritt Lutz Bachmanns reißt eine tiefe Lücke in die Führungsriege der Pegida. Über ein Selfie mit Hitler-Bärtchen und menschenverachtende Beleidigungen gegen Ausländer ist der Frontmann der Dresdner Demonstrationen gestolpert. Und das jetzt, da die Bewegung an einem Scheideweg steht.

Denn wurde Pegida von vielen Politikern lange als Sammelbecken für latent fremdenfeindliche und sich unverstanden fühlende Ossis abgetan, hat sich das Bild jüngst gewandelt. Berechtigte Sorgen und Ängste sollen nun gehört und aufgenommen werden. Das Zauberwort: Dialog – auch mit der Pegida-Führung.

Es sei eine andere Wahrnehmung im Land spürbar, meint auch Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel. „Diesen Prozess wollen wir kontinuierlich vorantreiben“, schreibt sie in der Erklärung, in der sie auch den Rücktritt Bachmanns verkündet. Fraglich ist nur, ob es der Mobilisierung von Pegida nützt, wenn es in der Diskussion weniger um grobe Schwarz-Weiß-Bilder und mehr um Grautöne gehen sollte.

Und überhaupt: Wen meint Oertel mit „wir“? Bachmann wird wohl nicht mehr dabei sein, zumindest nicht offiziell. Im Gegensatz zu ihm und Oertel haben sich die übrigen zehn Mitglieder des Pegida-Vereinsvorstandes bislang im Hintergrund gehalten.

Wer sind die Pegida-Demonstranten?

Geschlecht

75 Prozent der Pegida-Teilnehmer sind Männer.

Alter

Die größte Altersgruppe machen mit 37 Prozent die 40- bis 59-Jährigen aus.

Bildung

28 Prozent sind Hochschulabsolventen, 18 Prozent haben das Abitur als letzten Abschluss, 9 Prozent haben eine Meisterprüfung abgelegt.

Beruf

Fast die Hälfte (47 Prozent) sind Angestellte oder Arbeiter, 18 Prozent Rentner und nur 2 Prozent geben an, keine Tätigkeit auszuüben oder Arbeit zu suchen.

Einkommen

Fast 40 Prozent der Teilnehmer verfügen über ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als 1500 Euro netto.

Politische Einstellung

62 Prozent geben an, keiner Partei verbunden zu sein. 17 Prozent stehen der AfD nahe, 9 Prozent der CDU, 4 Prozent der rechtsextremen NPD, 3 Prozent der Linken. Jeweils 1 Prozent sympathisiert mit SPD, Grünen und der FDP.

Glaube

73 Prozent sind konfessionslos, 21 Prozent protestantisch und 4 Prozent katholisch. 2 Prozent gehören anderen Glaubensgemeinschaften an.

Die Quelle

Wissenschaftler der TU Dresden haben bei drei Pegida-Demonstrationen zwischen dem 22. Dezember und dem 12. Januar rund 400 Teilnehmer befragt.

Gleich nach Bekanntwerden seiner kriminellen Vergangenheit – Bachmann ist wegen Einbruchs- und Drogendelikten vorbestraft und hat mehrfach im Gefängnis gesessen – hatte der 41-Jährige schon einmal seinen Rückzug aus der ersten Reihe angekündigt, aber dann nie vollzogen. Ob zum Wohle der Bewegung oder aus Eitelkeit? Die Öffentlichkeit genießt er jedenfalls sichtlich.

Und Fans hat er auch weiterhin. „Ihr werdet ungemütlich für die Politiker, da musste ja was kommen“, kommentiert Rose Marie auf der Facebook-Seite der Pegida den Rücktritt. Ein anderer will Bachmann trotz seiner demaskierenden Facebook-Posts und der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung zum Pegida-Ehrenvorsitzenden machen - „ob seiner Verdienste um die Demokratie“.

Oertel ihrerseits ist spätestens seit ihrem Auftritt letzte Woche bei Günther Jauch auch über Dresden hinaus bekannt. Die 36-Jährige mit ihren langen blonden Haaren und den zu Strichen gezeichneten Augenbrauen hat sich aber bei den Kundgebungen schon in den letzten Monaten zum weiblichen Gesicht der Pegida entwickelt.

Kommentare (17)

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Herr Edmund Stoiber

22.01.2015, 17:44 Uhr

Ja, ja, Krokodilstränen, für eine angeblich geschädigte PEGIDA.

Die Motivation der Bewegung ist zu intensiv, als dass sie an einer Person festgemacht werden kann. Ich selbst kannte Hn. Bachmann nicht und habe mich auch nie um ein näheres Kennenlernen bemüht.

Das Ziel der PEGIDA ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Offenlegung des rücksichtslose Gutmenschensystem, welches uns mittelfristig in die gesellschaftliche Katastrophe führt. Deutschlands Perspektive ist nicht der linke Mob und auch nicht primär eine MultiKulti Gesellschaft.

Und die SABOTEURE in den Reihen der PEGIDA müssen schnellstens aufgedeckt werden.

Herr Edmund Stoiber

22.01.2015, 17:54 Uhr

Und die Lügenpresse wir alles daran setzen, um die Glauwürdigkeit der PEGIDA herabzusetzen.

Die Lügenpresse wird alle Register der Zersetzung ziehen.

Herr Horst Hamacher

22.01.2015, 17:58 Uhr

Mein Gott, was seid ihr Presselügner nur für verkommene Subjekte!
Habt ihr gar keine Sorge, was danach mit euch geschehen könnte?
Glaubt ihr ernsthaft, dass alles so verkommen und verlogen bleibt, wie bisher?

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