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13.03.2016

19:33 Uhr

Baden-Württemberg

Das grüne Beben im Südwesten

Winfried Kretschmanns Grüne knöpfen der CDU ihr Stammland ab. Doch die Frage des zukünftigen Koalitionspartners ist offen: Die SPD schwächelt und die AfD ist stark. Kommt nun Grün-Schwarz oder die Deutschland-Koalition?

Der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann und seine Frau Gerlinde auf dem Podium. dpa

Landtagswahl Baden-Württemberg

Der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann und seine Frau Gerlinde auf dem Podium.

Seit 1953 hatten die Christdemokraten die Mehrheit im Stuttgarter Landtag – damit scheint es jetzt vorbei zu sein. Die Grünen haben mit ihrem populären Ministerpräsidenten und Spitzenkandidaten Winfried Kretschmann laut ersten Hochrechnungen auf 30,5 bis 32,5 Prozent der Stimmen geholt. Die CDU unter ihrem Spitzenkandidat Guido Wolf kommt danach auf lediglich 26,9 bis 28,5 Prozent. Allerdings ist noch unklar, wie eine mögliche Koalition aussehen könnte: Der bisherige Partner der Grünen – die SPD – hat enorm verloren und kommt lediglich um die 13 Prozent. Die Partei könnte sogar hinter die Alternative für Deutschland fallen, die nach Hochrechnungen mit fast 15 Prozent drittstärkste Partei im Ländle werden könnte.

Nach den ersten Hochrechnungen trat Kretschmann selbstbewusst vor seine Partei: „Die Baden-Württemberger haben Geschichte geschrieben“, sagte der Ministerpräsident in Stuttgart und erntete tosenden Applaus. „Ich sehe in diesem Wählervotum den Auftrag, erneut die Landesregierung zu bilden und den Ministerpräsidenten zu stellen. Wir werden auch die nächsten fünf Jahre mit Leidenschaft daran arbeiten, dass Baden-Württemberg ein Land bleibt, in dem es sich zu leben lohnt.“ Wieder schloss sich Applaus an.

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Drei Bundesländer haben gewählt: In Baden-Württemberg führt Kretschmann die Grünen auf Platz 1, in Rheinland-Pfalz siegt SPD-Frontfrau Dreyer, in Sachsen-Anhalt liegt die CDU vorne. Der große Gewinner ist jedoch die AfD.

Bei der CDU-Fraktion im Landtag herrschte nach Bekanntgabe der Prognosen eisiges Schweigen. Erst als angezeigt wurde, dass Grün-Rot wohl keine Mehrheit zum Weiterregieren hat, gab es etwas Applaus. Der CDU-Landesvorsitzende Strobl zeigte sich in der ARD enttäuscht: „Das ist ein schlechtes Ergebnis, das macht uns nicht glücklich.“ Er erklärte, die CDU werde nun mit allen Parteien sprechen – „außer der AfD“. Damit sind offenbar auch die Grünen gemeint.

Denn wenn es nicht für eine Neuauflage von Grün-Rot reicht, wäre schwarz-grün gar nicht so unwahrscheinlich. Theoretisch sind auch Dreierbündnisse möglich, in denen die FDP eine Rolle spielen würde. Sie kann mit rund acht Prozent rechnen. Möglich wäre einerseits eine Ampel aus Grünen, SPD und FDP und anderseits eine „Deutschlandkoalition“ aus CDU, SPD und FDP. Doch die Liberalen wollen eigentlich keine gemeinsame Sache mit Grün-Rot machen. Und die SPD zeigt wenig Bestreben, sich der CDU und der FDP anzudienen.

Damit könnte es in Baden-Württemberg auf eine grün-schwarze Koalition hinauslaufen – das wäre dann eine deutschlandweite Premiere. In der ARD wollten sich aber weder der CDU-Landesvorsitzende Strobl noch der grüne Bundesvorsitzende Cem Özdemir dazu äußern.

Von

sdm

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