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14.01.2012

16:08 Uhr

Baden-Württemberg

Stuttgart-21-Gegner bewerfen Kretschmann mit Schuhen

Gegner von Stuttgart 21 haben den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann mit Schuhen beworfen. Getroffen wurde allerdings ein anderer. Die Polizei ermittelt wegen versuchter Körperverletzung.

Volltreffer: Der Schuh traf einen Leibwächter des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann. dpa

Volltreffer: Der Schuh traf einen Leibwächter des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann.

StuttgartGegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 haben den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) am Samstag mit Schuhen beworfen. Einer davon traf einen Personenschützer am Kopf, verletzt wurde aber niemand. Die Polizei ermittelt wegen versuchter Körperverletzung. Der Täter sei bisher nicht bekannt, sagte Polizeisprecher Olef Petersen.

Mehrere hundert Gegner des Bahnprojekts S21 hatten auf dem Stuttgarter Schlossplatz vor dem Neujahrsempfang der Landesregierung demonstriert. Kretschmann war auf sie zugegangen und hatte sich mit einigen von ihnen unterhalten. Mehrere Demonstranten skandierten „Nie wieder Grün“ und hielten als Zeichen des Protests ihre Schuhe hoch.

In der arabischen Welt werden mit dieser Geste Ärger und Verachtung ausgedrückt. Die Polizei stellte den ausgelatschten bläulichen Sommerschuh sicher, der den Personenschützer getroffen hatte.

2008 hatte der damalige US-Präsident George W. Bush bei einer Pressekonferenz im Irak einem Paar heranfliegender Herrenschuhe ausweichen müssen. Die Aufnahmen der Szene gingen um die Welt.

Kretschmann sagte bei seiner Ansprache im Neuen Schloss, zu der rund 800 Gäste eingeladen waren: „Nicht dort, wo Menschen sich einmischen - auch wenn sie dies mit Trommeln und Trillerpfeifen tun - ist die Demokratie in Gefahr, sondern dort, wo sie sich abwenden von der „res publica', den öffentlichen Angelegenheiten.“ Es sei aber das Wesen der Demokratie, dass man Entscheidungen akzeptieren müsse, ob sie einem gefielen oder nicht.

Nach Angaben der Polizei zogen die Stuttgart-21-Gegner am Mittag zum Schlossgarten, wo bis zu 700 Demonstranten an einer Kundgebung teilnahmen.

Von

dpa

Kommentare (11)

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Oelblase

14.01.2012, 16:38 Uhr

Es gab zu Stuttgart 21 einen Volksentscheid in Baden-Württemberg. Hätten sich die Grünen über diesen Volksentscheid hinweggesetzt, dann wäre "Nie wieder Grün" wohl angemessen gewesen.

Ich bin zwar auch (immer noch) gegen S21, aber diese Demonstranten sind eine Schande für Baden-Württemberg. Denn diese "Geste" des Schuhwerfens ist zwar an Kretschmann gerichtet, der indirekte Adressat ist aber der Volksentscheid Baden-Württembergs zu S21. Und da, wo wahre Demokratie mit Schuhen beworfen wird, da hört der Spass auf. Deswegen sind die Leute, die das gemacht haben, verirrte Hinterwäldler, die für den Protest gegen S21 eine Schande und keineswegs eine Hilfe sind.

Jaguar

14.01.2012, 17:14 Uhr

Also, jetzt mal an alle Schwaben, die das Handelsblatt lesen, und in ihrer Freizeit gegen S 21 protestieren:

Man kann für oder gegen diesen Bahnhof sein. Man kann für oder gegen direkte Demokratie sein. Man konnte bis vor kurzem auch noch gegen S 21 und für mehr (direkte) Demokratie.

ABER: Es gab die Volksabstimmung, die Grün/Rot vor der Wahl versprochen hatte. Da hat sich eine Mehrheit für S 21 ausgesprochen, und deshalb wird's gebaut. Deshalb hat auch Kretschmann Wort gehalten. Er wäre ja ein anti-demokratischer Diktator, wenn er die Volksabstimmung ignorieren würde.

Die S 21-Gegner sind jetzt in jeder Hinsicht in der Minderheit. Im Baden-Württemberger Landtag sind alle dort vertretenen Parteien mit Ausnahme der Grünen gegen sie (weil für S 21). Insbesondere hat auch die SPD, die mit den Grünen regiert, von Anfang an gesagt (auch vor der letzten Landtagswahl!), dass sie S 21 will.

Friedlicher Protest ist natürlich trotzdem noch legitim. Aber wer jetzt mit Schuhen wirft oder der Polizei Widerstand leistet, der hat dafür keinen Grund. Er zeigt bloß, dass er Demokratie nicht verstanden hat, und eine wütende Pöbelmenge damit verwechselt.

Die Revolution ist vorbei! Der Wutbürger kann wieder nach Hause, und das tun, was Schwaben sonst so machen (einen Baum pflanzen, ein Haus bauen oder ein Kind zeugen etc.). Er kann Geld sparen, ein mittelständisches Unternehmen gründen oder das Handelsblatt lesen. Aber er kann sich nicht mehr über S 21 aufregen!

LoHa

14.01.2012, 18:38 Uhr

Ich habe nie geglaubt, dass nach der Volksabstimmung, wenn sie gegen die sogen. Wutbürger ausgeht, Ruhe einkehrt.

Für mich war es von Anfang an klar, dass es dann weitergeht mit den Protesten und es wieder zu Gewaltakten kommt.

Demokratie ist für manche Menschen, wenn sich die Mehrheit der Minderheit anschließt. Der Rest interessiert sie nicht.

Ein seltsames Demokratieverständnis, aber es ist so und insbesondere bei den Grünen weit verbreitet.

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