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30.07.2015

14:54 Uhr

Bafög-Statistik

Zahl der Empfänger weiter gesunken

Jahr für Jahr sinkt die Zahl der Bafög-Empfänger. Mit sinkendem Bedarf hat das allerdings nichts zu tun. Bildungsministerin Johanna Wanka will entgegensteuern – mit höheren Freibeträgen für Eltern und Studierende.

Weil die Freibeträge trotz Inflation gleichbleiben, sind immer weniger Studierende förderberechtigt. dpa

Bafög-Antrag

Weil die Freibeträge trotz Inflation gleichbleiben, sind immer weniger Studierende förderberechtigt.

WiesbadenIn Deutschland haben im vergangenen Jahr weniger Schüler und Studenten Bafög bekommen. Die Zahl der Bafög-Empfänger sank im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent auf 925.000, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Im Jahr 2013 hatte es demnach bereits einen Rückgang von 2,1 Prozent gegeben. Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) verwies auf Verbesserungen durch die bereits beschlossene Bafög-Reform.

Mit mehr Geld können Schüler und Studenten allerdings erst ab Sommer 2016 rechnen. Freibeträge und Bedarfssätze steigen dann um sieben Prozent. Bereits seit Anfang dieses Jahres finanziert der Bund die Ausbildungsförderung allein und nicht mehr zusammen mit den Ländern. Ab Anfang August treten weitere Änderungen beim Bafög in Kraft. So können etwa Studenten, die nur vorläufig für ein Master-Studium zugelassen sind, Bafög erhalten.

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Bildungsministerin Wanka erklärte dazu, die Ausbildungsförderung werde weiter an die Realitäten im Studium angepasst, und bisherige Förderlücken würden geschlossen. Die neue Bafög-Statistik bestätige zudem die Regierung, dass sie den richtigen Weg einschlage. „Nach der Übernahme der Bafög-Finanzierung durch den Bund folgen strukturelle und substanzielle Verbesserungen, die den Kreis der Bafög-Empfänger um rund 100.000 Geförderte anwachsen lassen werden“, erklärte Wanka.

Die Opposition forderte dagegen eine schnellere Einführung der Reform. „Es war ein Fehler, mit der Bafög-Reform so lange zu warten, bis immer mehr Studierende aus der Förderung rausfallen“, erklärte die hochschulpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Nicole Gohlke. Der Grünen-Abgeordnete Kai Gehring forderte Wanka auf, sie müsse ihren „stoischen Kurs“ beim Bafög korrigieren und die Reform um ein Jahr auf das kommende Wintersemester vorziehen.

Bundesländer gehen getrennte Wege

Unterschiedliche Modelle

Alle Bundesländer gehen in Sachen G8 und G9 eigene Wege. Die Modelle unterscheiden sich zum Teil erheblich.

Hessen

Einige Bundesländer wie etwa Hessen lassen den Schulen die Wahl zwischen G8 und G9, sie müssen abstimmen, welche Schulform sie künftig anbieten wollen.

Niedersachsen

Niedersachsen kehrt 2015/16 komplett zu G9 zurück, auch Schüler der heutigen Klassenstufe fünf bis sieben sollen wieder einbezogen werden.

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg läuft mit 44 Schulen ein G9-Modellversuch wie in NRW, wo sich allerdings nur zwölf Schulen beteiligen. Eine komplette Rückkehr zu G9 ist in Baden-Württemberg jedoch noch nicht in der Diskussion.

Bayern

In Bayern scheiterte ein Volksbegehren für die Rückkehr zu G9, allerdings gibt es seit 2013 eine individuelle Flexi-Option, mit der jeder Schüler ein zusätzliches Jahr nach der 8., 9., oder 10. Klasse einlegen kann.

Hamburg

Auch in der Hansestadt ist jüngst der Anlauf zu einem Volksbegehren gescheitert, das eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 einforderte. Die Diskussion läuft aber weiter.

Ostdeutschland

In vielen ostdeutschen Bundesländern gab es schon vor der Einführung im Westen der Republik nur zwölf Jahre Gymnasialzeit. Dort hat sich für die Schüler am wenigsten verändert.

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) forderte regelmäßige Bafög-Erhöhungen. Die Leistungen müssten „regelmäßig und dynamisch an die Entwicklung von Preisen und Einkommen angepasst werden“, erklärte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde. Eine Erhöhung pro Legislaturperiode reiche nicht.

Im vergangenen Jahr erhielten laut Statistischem Bundesamt 647.000 Studenten Bafög und damit 2,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der geförderten Schüler sank um fünf Prozent auf 278.000. Schüler erhielten im Durchschnitt pro Monat 418 Euro, Studenten 448 Euro. Einen Kinderbetreuungszuschlag von 113 Euro für das erste Kind und 85 Euro für jedes weitere Kind bekamen 50.000 Geförderte.

Bildungserfolg und soziale Schichten

Schulerfolg hängt von sozialer Herkunft ab

Die Lehrer sind sich einig: Der Schulerfolg hängt maßgeblich von der sozialen Herkunft ab.

Der Einfluss der sozialen Schicht des Elternhauses auf die Leistung von Schülern ist sehr groß, sagen 33 Prozent der Lehrer, groß sagen 49 Prozent der Lehrer und gar nicht groß sagen 15 Prozent. Unentschieden sind drei Prozent der Lehrer.

Lehrer sehen zunehmende soziale Differenzierung

18 Prozent der Lehrer haben den Eindruck, dass die Leistungsunterschiede zwischen den Kindern aus verschiedenen sozialen Schichten zu 60 Prozent an Grundschulen zugenommen haben, 17 Prozent haben den Eindruck, die Unterschiede haben zu 63 Prozent an Haupt/Realschulen zugenommen, 37 Prozent meinen, der Unterschied habe an Gymnasien zu 45 Prozent zugenommen.

Mittlere soziale Schichten

Von Kinder aus mittleren sozialen Schichten besuchen 52 Prozent ein Gymnasium, 33 Prozent eine Realschule, sieben Prozent eine Hauptschule, acht Prozent eine Mischform aus Haupt- und Realschule und 13 Prozent eine Gesamtschule.

Schwächere soziale Schichten

Von Kindern, deren Eltern aus schwächeren sozialen Schichten sind, besuchen 30 Prozent ein Gymnasium, 34 Prozent eine Realschule, 17 Prozent eine Hauptschule, elf Prozent eine Mischform aus Haupt- und Realschule und 18 Prozent eine Gesamtschule.

Höhere soziale Schichten

Von Kindern aus höheren sozialen Schichten besuchen 70 Prozent ein Gymnasium, 25 Prozent eine Realschule, fünf Prozent eine Hauptschule, ein Prozent eine Mischform aus Haupt- und Realschule und 14 Prozent eine Gesamtschule.

Bund und Länder gaben im Jahr 2014 für Bafög-Leistungen 3,1 Milliarden Euro aus. Dies waren 99 Millionen Euro oder drei Prozent weniger als im Vorjahr. Dabei entfielen knapp 900 Millionen Euro auf die Schülerförderung und gut 2,3 Milliarden Euro auf die Unterstützung von Studenten.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Peter Noack

31.07.2015, 09:06 Uhr

Soll das heißen, dass diese zusätzlichen 100.000 Bafögempfänger gerade einmal die Zahl ersetzen, die seit der vorigen Erhöhung aus der Förderung herausgefallen sind?
Steigt die Bafögsumme gar nicht, weil lediglich die vorherige Summe wieder erreicht wird?

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