Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.02.2015

19:36 Uhr

Bahn-Tarifkampf

GDL droht mit neuem Streik

Laut der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ hat die GDL der Deutschen Bahn ein Ultimatum mit Forderungen gestellt - wenn darauf nicht eingegangen werde, könnte das zu einem hunderte Stunden langen Streik führen.

Ein Zugbegleiter am Hauptbahnhof in Köln: Neue Streiks drohen. dpa

Tarifverhandlungen

Ein Zugbegleiter am Hauptbahnhof in Köln: Neue Streiks drohen.

BerlinDie Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat der Deutschen Bahn (DB) einem Bericht zufolge ein Ultimatum gestellt und neue Streiks in Aussicht gestellt. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ unter Berufung auf ein internes GDL-Dokument. Sollte das Neun-Punkte-Papier mit den Forderungen der GDL nicht bis zur Sitzung der Tarifkommission am Mittwoch von allen Seiten unterschrieben worden sein, könnte es einen hundert Stunden langen Streik geben.

Die Gewerkschaft könne einen Arbeitskampf binnen eines Tages organisieren, drohte GDL-Chef Claus Weselsky demnach. Folglich könnte schon am kommenden Wochenende der Bahnverkehr im ganzen Land erheblich gestört werden.

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Eine Sprecherin des Bahnkonzerns erklärte dazu, die DB habe „keinerlei Verständnis für erneute Streikdrohungen“. Sie habe dafür „keinen Anlass geliefert“, sondern im Gegenteil Kernforderungen der GDL, etwa zum Flächentarifvertrag, erfüllt. Eine „vernünftige Lösung“ könne es „ausschließlich am Verhandlungstisch“ geben. Das erwähnte Papier werde der Konzern bewerten, sobald es offiziell vorliege.

Die GDL fordert in dem Tarifkonflikt fünf Prozent mehr Geld sowie eine Arbeitszeitverkürzung von 39 auf 38 Stunden. Die Bahn erklärte ihre Bereitschaft, der Gewerkschaft entgegen zu kommen und den bisherigen GDL-Flächentarifvertrag für Lokführer um die Berufsgruppen Zugbegleiter und Disponenten zu erweitern. Die von der GDL geforderte Ausweitung auch auf Lokrangierführer lehnt der Konzern ab.

Die konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kündigte derweil am Sonntag neue Tarifgespräche mit der Bahn für kommenden Mittwoch an. Nachdem die EVG für die Beschäftigten bereits eine „ordentliche Abschlagszahlung“ durchgesetzt habe, gehe es nun um eine deutliche Lohnerhöhung, kündigte Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba an. Für ihre bei der Bahn beschäftigten Mitglieder fordert die EVG sechs Prozent mehr Gehalt.

In dem langwierigen Tarifkonflikt verhandelt die Bahn jeweils separat mit der EVG und der konkurrierenden GDL, nachdem sich die drei Parteien nicht auf die Modalitäten für gemeinsame Gespräche einigen konnten. Die Bahn strebt trotzdem Tarifabschlüsse an, die für gleiche Berufsgruppen gleiche Bedingungen vorsehen.

Im vergangenen Jahr hatte die GDL mehrfach gestreikt und teils tagelang den Zugverkehr stark beeinträchtigt. Die EVG hingegen hat bisher nicht zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. An diesem Kurs wolle sie festhalten, kündigte EVG-Verhandlungsführerin Rusch-Ziemba am Sonntag an: „Solange es Fortschritte am Verhandlungstisch gibt, werden wir nicht zum Arbeitskampf aufrufen.“

Von

afp

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Niccolo Machiavelli

16.02.2015, 08:46 Uhr

Es wird Zeit, automatisch gesteuerte Züge einzuführen, damit diese unglückseligen Streiks/Machtspiele auf Kosten der Fahrgäste ein Ende finden.

Herr shar wes

16.02.2015, 12:26 Uhr

Hatten "die" nicht erst gestreikt und mehr Geld bekommen?!?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×