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18.05.2015

07:41 Uhr

Bahn-Tarifstreit

Dobrindt attackiert GDL

Im Streit um die Lokführer-Tarife sind die Fronten verhärtet. Neue Streiks drohen. Das ruft die Politik auf den Plan. Verkehrsminister Alexander Dobrindt geht die GDL scharf an – und die schießt zurück.

Scharfe Kritik an GDL

Dobrindt empört: „Ich habe kein Verständnis für neue Streiks“

Scharfe Kritik an GDL: Dobrindt empört: „Ich habe kein Verständnis für neue Streiks“

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BerlinBundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat die Lokführergewerkschaft GDL aufgerufen, im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn einem Schlichtungsverfahren zuzustimmen. „Mir fehlt das Verständnis dafür, wenn man sich nach monatelanger Tarifauseinandersetzung einer Schlichtung verweigert“, sagte der CSU-Politiker der Zeitung „Bild“ (Montag). „Verantwortungsvolle Tarifpartnerschaft verpflichtet auch zur Suche nach Kompromissen, das kann nur am Verhandlungstisch geschehen.“

Vertrauliche Gespräche der GDL mit der Bahn waren am Wochenende ohne Annäherung beendet worden. Damit könnte der Tarifkonflikt auf den neunten Streik seit Anfang September zusteuern.

Knackpunkte in den Verhandlungen zwischen Bahn und GDL

Darum geht's

Der im Juli 2014 begonnene Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL scheint unendlich. Eine Vielzahl von Knackpunkten hat bislang eine Einigung verhindert.

Berufsgruppen

Die GDL will nicht mehr allein für die Lokführer verhandeln, sondern auch für das übrige Zugpersonal in ihrer Mitgliedschaft. Bis die Bahn diesen Anspruch im November 2014 anerkennt, vergehen zwei Warnstreiks und vier reguläre Streikrunden.

Konkurrierende Verträge...

... mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sind nun möglich, doch die DB will unter allen Umständen verhindern, dass sie unterschiedliche Regelungen zur Arbeitszeit oder anderen Details enthalten. In den Verhandlungen muss die Bahn also versuchen, beide Gewerkschaften auf das gleiche Ergebnis festzulegen. Das birgt für die EVG in ihren parallelen Verhandlungen mit der Bahn die Möglichkeit, die nicht erwünschten GDL-Abschlüsse zu torpedieren.

Lokrangierführer...

... sollen nach dem Willen der GDL wie ihre Kollegen auf der Strecke bezahlt werden. Die Bahn will hingegen die bislang mit der EVG vereinbarte niedrigere Einstufung auch für GDL-Mitglieder beibehalten.

Tarifeinheit

Das Gesetzesvorhaben der Bundesregierung setzt die GDL zusätzlich unter Druck. Wenn vom Sommer an nur noch eine Gewerkschaft in einem Betrieb einen Tarifabschluss verhandeln kann, gilt es für die Lokführer, vorher noch einen Abschluss zu erzielen und einen möglichst großen Teilbetrieb des Bahn-Konzerns zu organisieren. Der GDL schwebt eine gewerkschaftliche Trennung in Fahrbetrieb (GDL) und Infrastrukturbetrieb (EVG) vor.

Entgelt

Über Löhne und Gehälter ist mit Ausnahme von Abschlagszahlungen zu Jahresbeginn noch gar nicht gesprochen worden. Auch hier ist die Lage wegen der Gewerkschaftskonkurrenz komplex, weil EVG und GDL unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die Lokführer wollen eine Arbeitszeitverkürzung von derzeit noch einer Stunde, während die EVG vor allem die unteren Gehaltsgruppen stärker anheben will. Diese soziale Komponente fehlt bei den Lokführern.

Die Gewerkschaft hatte nach den Gesprächen angekündigt, ihre Gremien würden „über das weitere Vorgehen entscheiden“. Sie ließ offen, ob sie ohne vorherigen Streik an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Erst am 10. Mai war ein fast sechstägiger Ausstand zu Ende gegangen. Es war der längste Streik in der 21-jährigen Geschichte der Deutschen Bahn AG.

GDL will kein „diktiertes Schlichtungsverfahren“

Für die rund 3000 Lokrangierführer bei der Bahn hat bisher die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Tarifverträge abgeschlossen. Die GDL verlangt für ihre Mitglieder in dieser und anderen Berufsgruppen des Zugpersonals eigene Tarifverträge.

Kommentare (6)

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Herr Paul Rimmele

18.05.2015, 09:15 Uhr

Hier spiel jemand falsch.
Eine Einigung wird ohne grundsätzliche Veränderungen nicht möglich sein,
Deutschland macht sich lächerlich!

Herr Nikolaus Hesse

18.05.2015, 09:32 Uhr

Am liebsten moechten sie uns das Bargeld wegnehmen und wer Geld und Gold hortet ist dann ein Rechtspopulist. Sie fordern "Solidaritaet"-mit wem und fuer was?-und wuerden am liebsten das "erben" ganz abschaffen, die Erben "grosser" "Vermoegen" gelten dann fuerderhin als Rechtspopulisten.
Einheitsgewerkschaft versus Spartengewerkschaft, am besten mit Zwangsmitgliedschaft, wie '33 bis '45, wie in der DDR, wie heute schon in -F- und Italien. Wer nicht Mitglied in der Einheitsgewerkschaft ist, der ist ein Rechtspopulist.
Der Kampf der Gdl it unser aller Kampf, die Gdl kaempft fuer uns alle und eroeffnet uns vielleicht eine der letzten Chancen, in diesem Land noch etwas zu aendern.
Die Gdl sollte den Schulterschluss mit den unzufriedenen Postlern suchen und Postler und GdL sollten bei der Bevoelkerung fuer ihre legitimen Anliegen werben. Ein Ruck sollte durch Deutschland gehen, sonst ist bald aus, die Maus, so wie Carl Jaspers bereits 1966 hellseherisch vwarnte:

Der Philosoph Carl Jaspers 17/1966 in "Der Spiegel"
"Der Bevoelkerung der Bundesrepublik geht es wirtschaftlich so gut wie noch nie...
Trotztdem gibt es Unruhe.... Ist dieses Leben auch sicher?....Die Demokratie der Bundesrepublik wandelt sich vor unseren Augen. Es werden Wege beschritten, an deren Ende es weder eine Demokratie noch einen freien Bürger geben würde, vielleicht ohne daß die, die sie gehen, dieses Ende wollen. Diese Wege sind nicht unausweichlich. Aber nur ein zur Freiheit drängendes, seiner selbst darin bewußtes Volk kann die Demokratie in freier republikanischer Verfassung, die bisher nur eine Chance ist, verwirklichen.
Wie werden wir regiert? Wer regiert uns? Woher kommen die Politiker?
Woher kommen die Politiker? -Wie ist die Struktur der Bundesrepublik, nicht nur juristisch und in der Theorie, sondern im faktischen Geschehen? - Welcher Wandel vollzieht sich in der Struktur der Bundesrepublik? Es scheint: von der Demokratie zur Parteienoligarchie, von der Parteienoligarchie zur Diktatur.

Herr otto r. kristek

18.05.2015, 09:55 Uhr

Sie- die ganzen pseudodemokraten in regierung und wirtschaft, fürchten die freiheit der einfachen massen

sie -die freiheit- darf nicht verwässert/verschlichtet werden

aber nur eine frage ist zu stellen
wer profitiert von einem solchen schaden durch die weigerung der bahn-chefs die freiheit des einzelnen auf selbstbestimmung zu akzeptieren.

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