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18.10.2014

09:03 Uhr

Bahnstreik

GDL-Konkurrenz rechnet mit Eskalation

Der Arbeitskampf der Lokführer sorgt für Unmut bei der Konkurrenzgewerkschaft EVG. Sie kritisiert den GDL-Streik als eine Mitgliederwerbeaktion, die das Verhältnis zwischen den beiden Gewerkschaften verschlechtere.

Der GDL-Streik sorgt nicht nur bei Bahnreisenden für Ärger. Auch die Konkurrenzgewerkschaft EVG kritisiert die Lokführer. dpa

Der GDL-Streik sorgt nicht nur bei Bahnreisenden für Ärger. Auch die Konkurrenzgewerkschaft EVG kritisiert die Lokführer.

BerlinDer Streik der Lokführergewerkschaft GDL stößt bei der Konkurrenzorganisation EVG auf Kritik. Der Ausstand diene nicht dazu, Tarifforderungen zu untermauern, sagte der stellvertretende EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel am Samstag im WDR laut Mitteilung. Vielmehr handele es sich um eine „Mitgliederwerbeaktion”. Ein Ende des Konfliktes ist nach seinen Worten nicht in Sicht. „Ich gehe davon aus, dass die Situation leider noch weiter eskalieren wird in den nächsten Tagen.”

Der Tarifkonflikt bei der Bahn

Die GDL-Forderungen

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 37 Stunden. Daneben müsse es insgesamt familienfreundlichere Schichtregelungen geben.

Für wen die GDL verhandeln will

Das ist der Kern des Konflikts: Bislang schloss sie Tarifverträge für die 20.000 Lokführer, bei denen sie die stärkste Arbeitnehmervertretung ist. Die übrigen Berufsgruppen, insgesamt rund 140.000 Beschäftigte, vertrat die größere Eisenbahn-und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Zwischen beiden Gewerkschaften gab es ein Abkommen, das dies regelte. Dies ist jedoch im Juni ausgelaufen und wurde nicht verlängert.

Die GDL will nun auch für rund 17.000 Mitarbeiter des Bordpersonals wie Zugbegleiter und Restaurantkräfte sowie Rangierführer verhandeln. In der Gruppe des Zugpersonals insgesamt, also mit Lokführern, sei man die stärkste Gewerkschaft, argumentiert die GDL.

Die Position der Bahn

Die Bahn will mit der GDL einen Lokführer-Vertrag abschließen, lehnt aber konkurrierende Verhandlungen mit zwei Gewerkschaften zur gleichen Berufsgruppe strikt ab. Denn die EVG will im Gegenzug zur GDL nun auch für ihre Mitglieder unter den Lokführer einen eigenen Vertrag. Dies kann den Konflikt weiter verschärfen: Die EVG will am Mittwoch mit der Bahn verhandeln.

Rivalität zwischen GDL und EVG

Eine neue Verständigung zwischen GDL und EVG könnte den Konflikt entschärfen. Dies ist jedoch unwahrscheinlich. Zum einen will die GDL ihren Einfluss ausdehnen. Zum anderen verläuft ein tiefer Riss zwischen den Organisationen, da die Vorgängerorganisation der EVG die Börsenpläne von Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn unterstützt hatte. Dies gipfelte im Wechsel von Gewerkschaftschef Norbert Hansen in den Bahn-Vorstand. Seitdem sieht sich die GDL als einzige wirkliche Arbeitnehmervertretung.

Tarifeinheitsgesetz

Die GDL fürchtet, dass die Politik der Bahn mit dem geplanten Tarifeinheitsgesetz beispringt. Damit soll der Einfluss von Spartengewerkschaften wie der GDL oder der Pilotenvereinigung Cockpit begrenzt werden. Die GDL wirft der Bahn vor, mit ihrer Haltung Streiks provozieren zu wollen, damit das Gesetz schneller und schärfer kommt. Ein Entwurf soll im November vorgestellt werden.

Der Streik wirkt sich nach Hommels Ansicht auch negativ auf das Verhältnis zwischen den beiden Gewerkschaften aus. Die Stimmung zwischen den unterschiedlichen Mitgliedern werde immer schlechter. Unter anderem würden die am Wochenende arbeitenden Kollegen als Streikbrecher diffamiert, obwohl diese arbeiten müssten, weil sie selbst nicht im Arbeitskampf seien, beklagte Hommel. Er habe Drohnachrichten bekommen.

Die GDL bestreikt den Fern-, Regional- und Güterverkehr der Deutschen Bahn noch bis zum Montagmorgen. Ein Großteil der Zugverbindungen entfällt deswegen.

Die Lokführer verlangen aufs Jahr gerechnet fünf Prozent mehr Lohn bei kürzeren Arbeitszeiten. Kern des Konflikts ist aber, dass die GDL dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Die Vertretung dieser Gruppe beansprucht die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für sich. Die Bahn lehnt konkurrierende Abschlüsse für dieselbe Berufsgruppe ab.

Von

rtr

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