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13.01.2015

12:36 Uhr

„Banale Tatsachenbeschreibung“

Sarrazin kritisiert Merkels Islam-Bekenntnis

VonDietmar Neuerer

ExklusivKanzlerin Merkel stößt mit ihrem Bekenntnis, der Islam gehöre zu Deutschland, auf Kritik. Für Thilo Sarrazin verfehlt sie damit das eigentliche Thema. Auch die Türken in Deutschland reagieren zurückhaltend.

Thilo Sarrazin: „Dem türkischen Ministerpräsidenten würde übrigens niemals der Satz von den Lippen gehen, das Christentum sei ein Teil der Türkei.“ picture alliance / dpaFrank Rumpenhorst dpa

Thilo Sarrazin: „Dem türkischen Ministerpräsidenten würde übrigens niemals der Satz von den Lippen gehen, das Christentum sei ein Teil der Türkei.“

BerlinDer ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat die islamfreundliche Aussage von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), dass der Islam zu Deutschland gehöre, scharf kritisiert. „Nimmt man sie als Tatsachenbeschreibung, dann ist sie banal“, sagte Sarrazin dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Denn natürlich sind vier Millionen in Deutschland lebende Menschen islamischen Glaubens ein Teil dieses Landes, nicht mehr und nicht weniger als ein bayerischer Trachtenverein, der braune Sumpf der NSU oder rote Socken in der Brandenburger Provinz.“  Das alles und noch viel mehr gehöre zu Deutschland, darunter auch die in Deutschland aufgewachsenen radikalen Salafisten, die für die Terrormiliz IS in Syrien und Irak kämpfen.

„Nimmt man dagegen die Aussage als Behauptung, der Islam sei ein historisch gewachsener Bestandteil der deutschen Kultur, Tradition und Lebensart, dann ist die Antwort nein“, sagte Sarrazin weiter. Als „geoffenbarte Religion“ habe der Islam zudem wie alle Religionen „keine objektiv fassbare Gestalt, sondern ist das, was Muslime glauben“, fügte er hinzu. Jede Interpretation sei genauso gültig wie die andere.

„Das Problem des Islams ist es ja gerade, dass so viele demokratiefeindliche, gewalttätige Interpretationen dieser Religion in Umlauf sind und das Weltgeschehen bestimmen“, betonte Sarrazin. Diesem Thema weiche die Bundeskanzlerin aber aus. Dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu, so Sarrazin weiter, „würde übrigens niemals der Satz von den Lippen gehen, das Christentum sei ein Teil der Türkei“. Dort habe man ja den Anteil der Christen seit 1918 „mit Erfolg von 25 Prozent auf jetzt unter ein Prozent vermindert und ist darauf auch stolz“.

Salafisten – radikale Islamisten mit Verbindung zum Terror

Wer sie sind

Die Salafisten sind eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Was sie wollen

Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Das arabische Wort „Salaf“ steht für: Ahnen, Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte und weite Gewänder. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Wie viele Anhänger sie haben

In Deutschland zählen die Salafisten oder Neosalafisten knapp 6300 Anhänger, bis Ende des Jahres sieht der Verfassungsschutz die Zahl bei 7000. 1800 seien bereits nach Syrien oder in den Irak gezogen, um mit dem Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

Wen sie beeinflussen

Aus der größten Terrorvereinigung Algeriens, der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ ging die Terrororganisation „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ hervor. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad (Heiligen Krieg) befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

Merkel hatte nach den Terroranschlägen in Paris vor einer pauschalen Verurteilung der rund vier Millionen Muslime im Land gewarnt. Der frühere Bundespräsident Christian Wulff habe gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland. „Dieser Meinung bin ich auch“, sagte die Kanzlerin am Montag.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland reagierte zurückhaltend auf Merkels Bekenntnis zum Islam in Deutschland. „Im jetzigen Klima ist es schön, das zu sagen. Aber es muss genau definiert werden, was man damit gemeint ist“, sagte der Bundesvorsitzende Gökay Sofuoglu der „Passauer Neuen Presse“.

Kommentare (89)

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Herr peter Spirat

13.01.2015, 12:46 Uhr

Wer für den Islam ist, der ist auch für Armut und Rückschritt ins finstere Mittelalter.

- Erika regiert wie Kaiser wilhelm
- Hexenverbrennung kommt wieder
- Frauen sind Menschen 2. Klasse

Das Volk lebt in Armut und Hungersnot.

Herr Horst Meiller

13.01.2015, 12:51 Uhr

Dieser primitive Anbiederungsspruch gestern war aber auch SOWAS von daneben...! Das war der falscheste Satz im falschesten Moment!!!

Gustav Godorzky

13.01.2015, 12:57 Uhr

Es gibt einen sehr großen Unterschied zwischen dem Christentum und dem Islam:
Während sich das Christentum "reformiert" hat und der Glaube nicht mehr wie im Mittelalter gelebt wird, hat der Islam nie eine Reformierung und Anpassung an die heutige Zeit erfahren. Die Kirche leugnet nicht die Inquisition und Hexenverbrennung. Der Islam jedoch distanziert sich von den Greueltaten der Terroristen und übernimmt keine Verantwortung - und das, obwohl vorher in den Moscheen zu RACHE und Verteidigung der EHRE aufgerufen wurde. Wo auf der Welt haben sich Islamisten je integriert?? Überall dort, wo sie Fuß gefasst haben, sind Unterdrückung und Gewalt gegenüber den Andersgläubigen an der Tagesordnung. Und mit "Tagesordnung" meine ich auch den Alltag. In Schulen und Kindergärten z.B.
Warum leistet der Islam keine Entschädigungszahlungen, wie dies von einer großen Gemeinschaft, die für Ihre Taten die Verantwortung übernimmt, erwartet wird (z.B. die Kirche für die Fehltritte Ihrer Priester oder Deutschland für die Verbrechen an den Juden)? Das wäre der erst Schritt zu einer ernstgemeinten Reformierung und einer ehrlichen Distanzierung vom Terror im Namen Allahs.

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