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08.08.2014

16:33 Uhr

Bangen um Angehörige

Jesiden in Deutschland gehen auf die Straße

Angehörige der im Irak von Islamisten eingekesselten Jesiden hören per Handy immer neue Berichte über Gräueltaten. Im deutschen Exil gehen sie gegen den von ihnen befürchteten Völkermord auf die Straße.

Jesiden gehen in Herford (Nordrhein-Westfalen) nach einem Messerangriff von IS-Sympathisanten von Polizei begleitet durch die Stadt:  US-Flugzeuge nahmen am Freitag erstmals Artilleriegeschütze der IS-Extremisten ins Visier. dpa

Jesiden gehen in Herford (Nordrhein-Westfalen) nach einem Messerangriff von IS-Sympathisanten von Polizei begleitet durch die Stadt: US-Flugzeuge nahmen am Freitag erstmals Artilleriegeschütze der IS-Extremisten ins Visier.

Bielefeld/OldenburgIn angsterfüllten Handytelefonaten melden sich die in den nordirakischen Bergen von Islamisten eingekesselten Jesiden bei ihren Angehörigen in Deutschland. Es sind Berichte von Vertreibung und Not. Während Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) von einer „neuen Dimension des Schreckens“ spricht und die USA Luftangriffe gegen die Terroristen der Organisation Islamischer Staat (IS) gestartet haben, fürchten Jesiden hier um das Leben ihrer Familien. Gegen ihre systematische Vertreibung und Ermordung demonstrieren sie seit Tagen in deutschen Fußgängerzonen. Die meisten Mitglieder der religiösen Minderheit leben in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

„Das ist Völkermord, was da passiert, bald ist unsere Kultur ausgestorben“, sagt Falar-Scharif Maschka, der mit einem Klapptisch in der Bielefelder Innenstadt Unterschriften und Spenden sammelt. Der Jeside will etwas für seine Verwandten im Irak tun. „Vor allem für die ganzen Kinder, die in der Bergregion eingeschlossen sind.“ 3300 Kilometer Luftlinie trennen ihn von den Verwandten, die von den vorrückenden IS-Milizen wegen ihrer Religion als „Ungläubige“ und „Teufelsanbeter“ verfolgt werden.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

„Von Mitternacht bis heute Morgen um fünf Uhr haben wir immer wieder versucht, sie zu erreichen. Dann war Ende“, berichtet Jahfar Jonys, der am Freitag zum Sitz des Zentralrats der Jesiden nach Oldenburg gekommen ist. Seine Familie wohnte rund 40 Kilometer von der ehemaligen jesidischen Hochburg Sindschar entfernt. Jetzt ist sie in die Berge geflüchtet. „Es gibt kein Wasser und kein Essen. Vor allem den Kindern geht es schlecht“ - das ist das, was ihm seine Onkel per Handy übermittelt haben. „Unseren Verwandten geht es noch gut, aber viele Freunde berichten schon von Toten in der Region“, sagt Falar-Scharif Maschka. „Wir brauchen dringend Unterstützung, sowohl im Irak als auch in Deutschland.“

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

08.08.2014, 18:46 Uhr

Die Jesiden dürfen von deutschen christlichen Politiker keine Hilfe erwarten. Da der Islam zu Deutschland gehört, unterstützen wir nur Islamgläubige. Wie lautet es im Koran, der befolgt werden muss, auch in Deutschland: "Tötet Andrsgläubige"! Haben Hier Frau Merkel, Hr. Gauck und Hr. Wulff ihre Stimmen erhoben???

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