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25.06.2013

09:27 Uhr

Bankbilanzen

Weidmann warnt vor Banken-Schlendrian

Eine gründliche Überprüfung der Bankbilanzen muss jetzt stattfinden, und nicht erst wenn die EZB die Aufsicht übernimmt, fordert Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Sonst drohe eine böse Überraschung.

Bundesbank-Chef Jens Weidmann und EZB-Direktor Jörg Asmussen (R). Reuters

Bundesbank-Chef Jens Weidmann und EZB-Direktor Jörg Asmussen (R).

Frankfurt/MünchenBundesbank-Chef Jens Weidmann warnt vor einer zu laschen Überprüfung von Bankbilanzen, ehe die Europäische Zentralbank (EZB) die Aufsicht übernimmt. „Eine gründliche und strenge Überprüfung ist unumgänglich, um spätere unangenehme Überraschungen zu vermeiden“, sagte Weidmann der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag).

Auch EZB-Direktor Jörg Asmussen hatte sich zuletzt für eine strenge Prüfung ausgesprochen, um Altlasten zu finden.

Die Bundesbank im Überblick

Aufgaben

Die Bundesbank ist Teil des Eurosystems und damit mitverantwortlich für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie ist die Zentralbank und damit die "Bank der Banken" - bei ihr müssen Banken Mindestreserven einzahlen, um ihr Bankgeschäft betreiben zu dürfen.

Im Auftrag der EZB werden auch Überweisungen abgewickelt und Bargeld gedruckt und verteilt.

Ein weiteres wichtiges Gebiet ist die Überwachung von Banken und ihren Geschäften sowie die Beobachtung der Großwetterlage der Konjunktur und Finanzmärkte.

Verhältnis zur Europäischen Zentralbank (EZB)

Die Bundesbank ist die bedeutendste Notenbank im Euro-Raum mit einem Anteil am eingezahlten Kapital der EZB in Höhe von etwas mehr als 27 Prozent. Viele Dienstleistungen wie der Aufkauf von Staatsanleihen oder die Lagerung von Bargeld-Notreserven erfolgen im Auftrag der EZB.

Jahresüberschuss

Der Überschuss der Bundesbank steht dem Finanzministerium zu. Im Jahr 2012 gab es einen Gewinn in Höhe von 664 Millionen Euro (Vorjahr: 643 Millionen Euro).

Goldbestände

Zu den Währungsreserven der Bundesbank zählen auch Goldbestände. Sie belaufen sich auf 3391 Tonnen und werden von der Bundesbank mit einem Wert von 137,5 Milliarden Euro bilanziert.

Das Gold lagert in Frankfurt (1036 Tonnen), New York (1536 Tonnen), London (445 Tonnen) und Paris (374 Tonnen). Die Goldbestände in Paris sollen nach Deutschland geholt werden.

Mitarbeiter

10.825 Mitarbeiter (9.543 Vollzeitstellen), davon 5417 Beamte und 5408 Tarifbeschäftigte

Standorte

Die Zentrale der Bundesbank ist in Frankfurt. Es gibt außerdem neun Hauptverwaltungen und 41 Filialen, 2011 waren es noch 47 Filialen. Ein weiterer Abbau auf 35 Filialen ist beschlossen – dicht gemacht werden noch Bayreuth, Bremen, Dresden, Gießen, Kiel und Lübeck.

Die Außenstellen sind unter anderem für Bargelddienstleistungen zuständig, entsenden aber auch Prüfer in Banken.

Um die Qualitätstests dürfte sich noch ein heftiger Streit in Europa entzünden. Viele Regierungen wünschen sich einen einfachen Test, um für Altlasten der Banken nicht geradestehen zu müssen. Das Ziel einer Bankenunion in Europa ist allerdings, die Institute stabiler zu machen und die Kreditklemme im Süden zu lösen. „Es geht am Ende darum, dass wir ausreichend kapitalisierte Banken haben, die über nachhaltige Geschäftsmodelle verfügen“, sagte Weidmann. „Nur dann können die Banken ihre Risiken auch selbst tragen und ihrer Aufgabe nachkommen, Kredite zu vergeben.“

Von

dpa

Kommentare (11)

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Pequod

25.06.2013, 10:49 Uhr

Der deutsche Steuerzahler haftet für das
- Germany's Asset Stripping - der EZB
-------------------------------------------
So sollte in erster Linie die EZB ihre Bilanzen
in Ordnung bringen und veröffentlichen, denn be-
kanntlich muß die EZB ihre unkontrollierten An-
käufe der faulen Staatsanleihen nicht bilanzieren
und dürfte damit mehrfach ihr Eigenkapital auf-
gebraucht haben.
Für Klarheit in dieser Richtung dürfte die AfD -
Alternative für Deutschland - im Herbst sorgen
und keine Bankenaufsicht durch die EZB!

juhoh

25.06.2013, 10:57 Uhr

Haste da noch Worte?
"Viele Regierungen wünschen sich einen einfachen Test, um für Altlasten der Banken nicht geradestehen zu müssen."
Man-o-man, was geht da eigentlich ab? Erst mal europäische Bankenunion, dann wird der ganze Bilanzmüll aufgedeckt und die finanzkräftigen Länder (ich meine der Michel) blecht dann wieder. Haben wir denn wirklich nur noch Vollidioten in Berlin die diesen Mist durchwinken?

azaziel

25.06.2013, 11:03 Uhr

Das heimliche Ziel der Bankenunion ist es, marode Banken auf Kosten anderer zu sanieren. Die Stabilitaet des Sektors ist fuer die Initiatoren nachrangig. Das ist so, wie wenn man nach dem Unfall schnell noch eine Vollkaskoversicherung abschliessen moechte. Ich kann nur hoffen, dass sich Weidmann bei der Bundesregierung Gehoer verschaffen kann. Die Bundesregierung haette von Anfang an kategorisch NEIN sagen muessen. Aber von der unfaehigsten Regierung, die Deutschland je hatte, kann man wohl nicht viel erwarten.

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