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15.09.2011

11:09 Uhr

Bankenregulierung

Was tun gegen einen neuen Banken-Crash?

VonDietmar Neuerer

Vor drei Jahren erschütterte der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers die Weltmärkte. Ein neuer Crash ist nicht ausgeschlossen, denn eine zentrale Frage von damals ist immer noch nicht beantwortet.

Dunkle Wolken über den Hochhäusern der Banken in Frankfurt am Main (Archivfoto vom 08.08.2008). dpa

Dunkle Wolken über den Hochhäusern der Banken in Frankfurt am Main (Archivfoto vom 08.08.2008).

BerlinDie Lehman-Insolvenz, die das globale Finanzsystem an den Rand des Abgrunds führte, jährt sich heute zum dritten Mal. Was damals passierte war bis dato ein Novum in der Finanzwelt – mit verheerenden Folgen. Denn: Was niemand für möglich hielt, wurde mit einem Schlag bittere Gewissheit: systemrelevante Banken können nicht einfach pleite gehen, ohne dass ein Zusammenbruch des Finanzsystems zu befürchten ist. Und: Wenn große Banken nicht insolvent werden dürfen („too big to fail“)  kann auch schnell die Solvenz von Staaten in Gefahr geraten, wie zum Beispiel in Irland zu beobachten war.

Inzwischen sind diverse Reformen am Finanzmarkt beschlossen worden. Im Fall einer ernsten Schieflage muss jedoch auch heute noch der Staat einspringen. Klare Regeln, dies zu verhindern gibt es bis heute nicht. Und Großbanken mauern gegen (fast) jeden Vorstoß aus der Politik. Sie wollen nicht geschrumpft werden und argumentieren, dass nur sie die Finanzierungsbedürfnisse von großen Unternehmen bedienen könnten. Deutschland als wichtige Exportnation brauche Großbanken, die in der Weltliga mitspielen können.

Was ist also zu tun, um ein Lehman 2 zu verhindern? Wie groß sollen Banken in Deutschland sein dürfen? Dass etwas geschehen muss, darüber sind sich Experten einig. Zumal es offenkundig ist, dass weder die die Finanzwelt noch die Politik aus der der Krise von 2008 schnell gelernt und für die künftige Bankenregulierung die richtigen Konsequenzen gezogen haben. Das beklagt auch die Wirtschaftsweise Weder di Mauro. Bei einer Grünen-Anhörung zum Thema setzte sie sich jetzt nachdrücklich für schärfere Regelungen ein. Die Institute müssten vor einer Schieflage sagen, was sie mit einzelnen Teilen tun würden, wenn der Ernstfall eintritt. „Sie müssen sagen können, welcher Arm ihnen dann abgeschnitten werden soll“, schlägt die Ökonomin vor - und hat dabei auch die Deutsche Bank im Blick.

Deutschlands größte Privatbank hat Reiner Neske zu der Grünen-Veranstaltung entsandt. Das Vorstandsmitglied gibt denn auch den Bankenverteidiger, der aber auch einräumt, das noch vieles zu verbessern sei, um eine neue Krise zu verhindern. Besonders brisant ist für ihn, dass es noch keine Lösung für das Too-big-to-fail-Problem gibt und Europa sich aber bereits mit einer weiteren Krise auseinandersetzen muss – der Staatsschuldenkrise. Die kann auch für Banken gefährlich werden.

Am Mittwoch stufte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit der französischen Großbanken Société Générale und Crédit Agricole herab, weil sie im krisengeschüttelten Griechenland engagiert sind. Sollte das Land umkippen, haben die Institute ein Problem. In den USA heißt das Sorgenkind Bank of America. Wegen milliardenschwerer Verluste fallen hier 30.000 Jobs weg. Der nächste Knall ist wohl doch nur eine Frage der Zeit.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

15.09.2011, 11:33 Uhr

Ich versteh das Problem immer noch nicht! Die privaten Ersparnisse sind gegen eine Bankenpleite versichert, Firmen leihen einer Bank kein Geld sonder, sie leihen es von dieser (was im Falle einer Pleite der Bank ja auch OK wäre) ... das selbe gilt ja auch für Staaten die geben Banken auch kein Geld es ist eher umgekehrt. Wo genau liegt das Problem bei der Pleite einer Großbank???

Account gelöscht!

15.09.2011, 11:48 Uhr

Das Problem ist der Zahlungsverkehr der an einem Domino-Day zum Erliegen käme und die Realwirtschaft erstarren ließe. Es ist wie in einem Körper, in dem der Blutkreislauf plötzlich zusammenbricht. Das Kammerflimmern hatten wir bereits nach der Lehman-Pleite. Details und den Weg, wie man die Probleme vielleicht vermeiden kann, können Sie z.B. hier nachlesen.

http://www.faz.net/artikel/C30638/standpunkt-eu-superstaatsgruendung-aus-angst-vor-crash-30686321.html

Die fortwährende To-Big-To-Fail-Erperessung auf Kosten des Steuerzahler ist nicht länger tolerierbar. Wenn das Drecksfinanzbetrugssystem sich nicht aus sich heraus saniert muss es abgewickelt werden. So läuft das!

whisky

15.09.2011, 11:49 Uhr

Bastian:
Das fragt sich der frühere Banker Poullain auch. "Sollten wir nicht lieber darüber reden, wofür überhaupt wir Banken brauchen. Das ist doch die entscheidende Frage. Oder noch deutlicher gefragt: Brauchen wir Banken überhaupt noch? Zunächst mal stellen wir fest, dass sie ihre Aufgabe innerhalb der Wirtschaft völlig verändert haben. Aus Dienstleistern, die produzierende Unternehmen mit Geld versorgen, sind Produzenten geworden.
Wir müssen lernen, dass Geld nicht gleich Geld ist. Man muss zwischen konkretem und abstraktem Geld unterscheiden.
Handelsblatt: Das abstrakte Geld schafft aber auch neues Geld, das dann wieder der Wirtschaft zu gute kommt.
P.:Nein, abstraktes Geld bleibt abstraktes Geld. Die Banken weichen auf die Synthetik aus. Das aber ist eine Epidemie, gegen die noch kein Penicillin erfunden wurde.
... der erste Höhepunkt der Bankenkrise trat ein, weil die Banken zu viele Schrottkredite gewährt haben. Dann sprangen die Staaten bei, die Banken erholten sich, rissen aber die Staaten in die Krise. Daraufhin investierten die Banken wieder in Schrottpapiere – dieses Mal am Anleihemarkt. Und gerieten wieder in die Krise. Wir haben also dasselbe, ich sage ausdrücklich nicht das gleiche, Problem wieder."
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/das-endet-mit-dem-grossen-knall/4590890.html?p4590890=2

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