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20.04.2013

11:32 Uhr

Bankenrettung

Schäuble sieht in Zypern doch eine Blaupause

Wolfgang Schäuble will entgegen vorheriger Aussagen sehr wohl Vermögende an Bankenrettungen beteiligen – damit nimmt er Eurogruppen-Chef Dijsselbloem in Schutz. Die Allgemeinheit könne nicht alle Verluste tragen.

Wolfgang Schäuble gesteht dem Eurogruppen-Chef nun zu, in der Substanz zu Unrecht gescholten worden zu sein. dpa

Wolfgang Schäuble gesteht dem Eurogruppen-Chef nun zu, in der Substanz zu Unrecht gescholten worden zu sein.

BerlinEurogruppen-Chef Jeroeme Dijsselbloem musste am Ende zurückrudern. Ein dummer Fehler war ihm im Interview unterlaufen. Die Rettung in Zypern hatte er als „Blaupause“ für weitere Krisen bezeichnet – und heftige Kritik einstecken müssen. Sollen Vermögende an der Rettung von Banken beteiligt werden? Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nimmt Dijsselbloem nun, wenige Wochen nach der Zypern-Rettung, in Schutz: „Herr Dijsselbloem ist in der Substanz zu Unrecht gescholten worden. Und auch nicht von mir“, unterstrich Schäuble.

Während der Finanzminister bis zuletzt in Interviews die Rettung des Mittelmeerstaats als „speziellen Einzelfall“ bezeichnet hatte, erklärt er nun: „Die Beteiligung von Eigentümern, nachrangigen Anleihegläubigern und dann ungesicherten Anlegern muss der Normalfall sein, wenn ein Finanzinstitut in eine Schieflage gerät.“ In einem Gespräch mit der „WirtschaftsWoche“ bekräftigte er, dass auch in Zukunft vermögende Kunden ihren Beitrag leisten müssen.

Jeroen Dijsselbloem: Der Euro-Erschütterer

Jeroen Dijsselbloem

Der Euro-Erschütterer

Als Euro-Gruppen-Chef hat sich Jeroen Dijsselbloem bisher nicht mit Ruhm bekleckert. In der Zypern-Frage unterliefen ihm schon zwei schwere Patzer. War es ein Fehler, den unerfahrenen Niederländer zum Mr. Euro zu machen?

„Ansonsten bekommen wir das Moral-Hazard-Problem nicht in den Griff, dass Banken mit riskanten Geschäften fette Gewinne machen, aber im Fall eines Scheiterns dann die Verluste der Allgemeinheit aufbürden“, ergänzte Schäuble. „Das darf nicht sein.“

Einen Nachschlag der Eurozone für die Rettung Zyperns vor einer Pleite wird es nach Schäubles Worten nicht geben: „Mehr als (die beschlossenen) zehn Milliarden Euro Darlehen sind nicht drin.“ Sonst sei die „Schuldentragfähigkeit Zyperns nicht gewährleistet“. Die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) gehen von einem kurzfristigen Finanzbedarf von 23 Milliarden Euro brutto aus - bis zum ersten Quartal 2016. Bisher war von gut 17 Milliarden die Rede.

Das Hilfspaket in Kürze

Anlegerschutz

Im Gegensatz zur ursprünglichen Fassung der Abmachung von Mitte März werden Konten mit Guthaben von weniger als 100 000 Euro nicht angerührt. Die geplante generelle Zwangsabgabe auf Konten entfällt.

Endgültige Abmachung

Sie soll im April stehen. Zuvor müssen nationale Parlamente wie in Deutschland noch zustimmen. Die ersten Auszahlungen aus dem europäischen Rettungsschirm ESM soll es dann im Mai geben.

Umfang

Die Finanzhilfen der Geldgeber umfassen bis zu zehn Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds will sich beteiligen, eine Summe steht noch nicht fest. Im Gespräch ist rund eine Milliarde Euro.

Zyprische Banken

Zypern sichert zu, sein aufgeblähtes Bankensystem zu sanieren und deutlich zu verkleinern. Die zweitgrößte Bank Laiki wird abgewickelt. Der Branchenprimus Bank of Cyprus wird zurechtgestutzt und übernimmt den überlebensfähigen Teil von Laiki.


Kommentare (74)

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Account gelöscht!

20.04.2013, 11:45 Uhr

Danke Hr. Schäuble, wer als der Kleinsparer ist den die Allgemeinheit?????

Gast

20.04.2013, 11:47 Uhr

Die wahren Kosten kommen doch alle erst noch. Für alle, bis zum kleinsten Cent im Portemonnaie.
Ich kann allerdings beim besten Willen nicht vorstellen, dass die unvorstellbar gigantischen Summen die sich immer schneller aufblähen niemandem in dem Metier bekannt sein sollen. Mit anderen Worten: Hier wird verschwiegen. Aber das ist ja nichts Neues.

kroenig

20.04.2013, 11:54 Uhr

Wer dem Diebstahl am Eigentum das Wort redet, gehört nicht in die Politik. Zypern hat bewiesen wie unredliche Politik in Deutschland und der EU endet: Mit Raub am Privatvermögen. Solche Straftaten werden mit langen Gefängnisstrafen bestraft. Es ist doch kein Wunder, dass wegen der Euromisere die Wähler zur AfD überlaufen. Diese neue Partei versucht man mit allen Mitteln in die rechte Ecke zu stellen, wobei im Programm ganz klar die Mitte auszumachen ist. Diese AfD wird kommen, um so stärker, wenn sie niedergemacht wird!

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