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11.07.2012

17:03 Uhr

BAP-Sänger

Niedecken hält nichts von Piraten-„Nerds“

ExklusivWolfgang Niedecken, Sänger der Popgruppe BAP, findet die Piratenpartei „ganz furchtbar“. Die Piraten seien „Nerds, die einen anonym im Internet bedrohen, wenn man anderer Meinung ist“, sagt der 61-Jährige.

Wolfgang Niedecken von der Kölner Rockgruppe BAP auf einem Archivfoto von 2004. dpa

Wolfgang Niedecken von der Kölner Rockgruppe BAP auf einem Archivfoto von 2004.

KölnWolfgang Niedecken, der Chef der erfolgreichen Kölsch-Rockgruppe BAP, findet die Piratenpartei „ganz furchtbar“. Im Interview mit dem Handelsblatt bezeichnete er sie als „Nerds, die einen anonym im Internet bedrohen, wenn man anderer Meinung ist.“ Mit der Protestbewegung vor 30 Jahren haben die Piraten seiner Meinung nach nichts gemeinsam: „Damals ging es um Ökologie und Abrüstung, heute darum, wie man unentgeltlich an das geistige Eigentum anderer kommt.“ Man könne keiner Partei einen Blankoscheck ausstellen, die sage „Wir wissen zwar noch nicht, was wir mit deiner Stimme machen, aber Du musst uns jetzt einfach mal vertrauen. Wir sehen ja abenteuerlich genug aus, dass Du uns auch als Künstler wählen kannst.“

Der heute 61-jährige Niedecken gründete BAP im Jahr 1976. Die Band hat seither 19 CDs herausgebracht und geht weiter auf Tournee. Man müsse mehr auf Tour gehen, um die sinkenden Verkäufe zu kompensieren, sagte Niedecken. „Wenn wir früher ein  Album veröffentlicht haben, und es ging von null auf eins, dann wussten wir, es wird sich irgendwo zwischen 500 000 und einer Million Mal verkaufen“, sagte  Niedecken. „ Wenn wir heute von null auf eins gehen, können wir froh sein, wenn wir die 100 000er Grenze überschreiten.“ Alles andere sei illegaler Download. Zudem drängten allwöchentlich unzählige Neuproduktionen auf den Markt.

Zu seinem persönlichen Umgang mit Geld sagte der  Musiker: „Geld beruhigt, aber ich verprasse es nie“. Anfang der Achtziger Jahre habe er plötzlich über Summen verfügen können, an die er  früher nie im Traum gedacht habe. „Irgendwann hatten wir mit ‚Für usszeschniggge‘ und ‚Vun drinne noh drusse‘ zwei Doppel-Platin-Alben, die haben sich über eine Millionen Mal verkauft.“  Aber: „Da  man nicht ausgesorgt, mit vier Kindern und zwei dämlichen Doppel-Platin-Alben.“ Das meiste Geld gibt Niedecken nach eigenen Angaben „ wahrscheinlich für Reisen“ aus.  Zudem  sammelt er alte Gitarren.

Das Programm der Piraten

Finanzen

Im Programm tauchen weder Schuldenbremse noch Staatsverschuldung auf. Auch eine Steuerpolitik fehlt.

Grundeinkommen

Unklar ist, wie die Piraten das „bedingungslose Grundeinkommen“ finanzieren wollen. Detaillierte Pläne gibt es nicht. Nur die Überzeugung, dass „die überwältigende Mehrheit der Menschen eine sichere Existenz als Grundlage für die Entfaltung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Potenziale nutzen“ und nicht faulenzen werde.

Verkehr

Die Partei will „die Machbarkeit eines fahrscheinlosen öffentlichen Nahverkehrs“ analysieren – Pilotprojekte „in kleineren und mittelgroßen Städten“ sollen im Erfolgsfall bundesweit ausgedehnt werden.

Wirtschaft

Keine Pläne, denn auf dem Bundesparteitag 2011 wurde das Thema vertagt – zugunsten der Drogenpolitik.

Urheberrecht

Da die Kopierbarkeit im Netz technisch ohnehin kaum zu begrenzen sei, fordern die Piraten eine Legalisierung. Nach dem massiven Protest vor allem der Künstler wollen sie nun mit Betroffenen nach einem modernen Urheberrecht suchen, das die Verwerter schwächt und die Urheber stärkt. Als Vorbild gelten die neuen Lizenzvereinbarungen von Bitkom und Gema.

IHK

Keine Zwangsmitgliedschaft von Unternehmen.

Von

scc

Kommentare (10)

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keeper

11.07.2012, 17:26 Uhr

„Damals ging es um Ökologie und Abrüstung, heute darum, wie man unentgeltlich an das geistige Eigentum anderer kommt.“

Nö.

Heute geht es um Basisdemokratie.

Des weiteren: ändern sich die Zeiten, und ab und zu geschehen technologische Revolutionen.

... und das "Kommerz-Kunst" in manchen Bereichen nicht mehr so wie früher, in der "guten alten Zeit" realisierbar ist, ist nur für manche ein Verlust.

Die Piraten fordern auch ein Grundeinkommen - das ist eine sehr viel bessere Basis für gute, für echte Kunst als das bisherige geldgeile, marketing-strategisch durchdachtes "Superstar-System".
Diese Unterhaltungsindustrie färbt auch ganz übel auf die Gesellschaft ab; leistungsscheue, opportunistische Wendehals- "möchtegern-will-I-Kids" sind die Folge.

Auf der Basis eines bedingungslosen Grundeinkommens können tatsächliche Künstler wesentlich besser gedeihen als auf Basis nicht mehr zeitgemäßer Schutzrechte.

Es wird Zeit, die Kunst aus den Fesseln des Kapitals zu befreien.

Henry_Bleckert

11.07.2012, 17:56 Uhr

Als Software noch völlig überteuert war, wurde raubkopiert auf Teufel komm raus. Bei preiswerterer Software, beispielsweise die ganzen Apps für Smartfones oder preiswerter Shareware, kommen deutlich weniger Leute auf solch eine Idee. Es lohnt sich einfach nicht. Da wird der Preis im Bereich von wenigen Euro oder auch nur Cent bezahlt und gut ist´s.

Vielleicht sollte man die ganzen unersättlichen Parasiten, welche sich im weiten Feld zwischen Musikern und Konsumenten tummeln, deutlich kürzer halten. Diese sind es, welche das Produkt Musik unnötig verteuern.

e1811300

12.07.2012, 06:18 Uhr

„ Wenn wir heute von null auf eins gehen, können wir froh sein, wenn wir die 100 000er Grenze überschreiten.“ Alles andere sei illegaler Download. Zudem drängten allwöchentlich unzählige Neuproduktionen auf den Markt.

und der letzte satz ist doch schon die ursache...ein unglaublich breites angebot...damals waren es nur ~100 musiker...jetzt sinds >100000 in .de und der verschärfte globale wettbewerb..jeden tag tauchen neue 1-tages-fliegen künstler dsds,popstars,...allein dieses jahr gabs unzählige shows, newcomer etc. 1-hit-wonder ...und heute erreicht man auch viel schneller den platinum/gold status eines albums/single...

"erfolgreichen Kölsch-Rockgruppe BAP" - ich hatte vorher nie etwas von denen gehört....und laut wiki single chart platzierungen von denen waren die auch nichtmal so toll...und als anmerkungen stehen auch ungefähre verkäufe...1982 >1mio verkäufe....1984 ~250,000verkäufe....da gabs nichtmal das internet so wie wir es heute kennen mit tauschbörsen etc. was ist also sein argument dafür?

Nicht jeder Download ist illegal...aber das versteht er wohl nicht. Für ihn scheint das Internet ein rechtsfreier Raum zu sein..oder wie der als ehemals und wieder Prince bezeichnete Musiker als Modeerscheinung bezeichnete, dass out ist und keine zukunft hat und auch nix von itunes hält ^^..

also ich kann gut auf musik von bap sänger niedecken verzichten, denn ich halte nix von verbitterten ausgedienten pseudo-musikern ;-)

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