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14.06.2016

11:02 Uhr

Barmer Arzneireport

Teure Therapie

VonPeter Thelen

Die Patente für viele teure Medikamente laufen demnächst aus. Krankenkassen könnten Milliarden sparen, denn die Nachahmprodukte vieler Hersteller sind günstiger. Doch die Ärzte verschreiben sie nicht. Warum nur?

Der Einsatz von Biosimilars, also Nachahmprodukten, könnte die Krankenkassen stark entlasten. Die Ärzte aber verschreiben sie nicht. dpa

Könnte günstiger sein

Der Einsatz von Biosimilars, also Nachahmprodukten, könnte die Krankenkassen stark entlasten. Die Ärzte aber verschreiben sie nicht.

BerlinAllein in den kommenden fünf Jahren könnten die gesetzlichen Krankenkassen vier Milliarden Euro Arzneimittelausgaben sparen. Dies meldet der aktuelle Arzneimittelreport der Barmer GEK. Möglich macht dies eine relativ junge Klasse von Medikamenten, die so genannten Biosimilars.

Das sind erst seit 2006 hergestellte Nachahmerprodukte ehemals patentgeschützter biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln oder Biologika. Deren Herstellung ist weit teurer als die normaler chemischer Medikamente. Zudem helfen sie gegen Krankheiten wie Rheuma und Krebs, für die es wenige oder gar keine Therapiealternativen gibt. Dies ist auch der Grund, warum sie die Etats der Krankenkassen immer stärker belasten. Inzwischen verursachen sie ein Fünftel aller Arzneimittelkosten.

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Nun laufen seit einigen Jahren bei etlichen der teuren Biologika die Patente aus. Dies könnte eigentlich die Stunde der Hersteller von Nachahmerprodukten, eben der Biosimilars, sein. Deren Herstellung ist zwar ähnlich aufwendig. Trotzdem gehen die Hersteller bislang mit Preisen an den Markt, die rund 25 Prozent unter den Preisen der ehemals patentgeschützten Biologika liegen.

Könnte. Bislang kommt der Wettbewerb um Biosimilars nämlich nicht richtig in Schwung. Darauf weist der aktuelle Arzneimittelreport der Barmer GEK hin. „Allein bei der Barmer GEK lässt sich in den nächsten fünf Jahren durch eine konsequente Verschreibung von Biosimilars eine halbe Milliarde Euro überflüssiger Ausgaben  verhindern“, sagte Barmer-Chef Christoph Straub am Dienstag bei der Präsentation des Reports.

Medizinisch sei deren Einsatz unbedenklich. Biosimilars böten, obwohl sie den Originalpräparaten auf Grund der komplizierten Herstellungsverfahren nur ähnlich und nie identisch sein könnten, eine genau so gute Versorgungsqualität wie die Originale.

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