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11.05.2013

16:20 Uhr

Bayern-Boss

Hoeneß stellt Strafanzeige

Wie konnte die Steuersünde des FC-Bayern-Präsidenten in die Öffentlichkeit gelangen? Seine Anwälte klagen gegen Unbekannt. Derweil verteidigt die Telekom das Festhalten des Bayern-Aufsichtsrats an Hoeneß.

Uli Hoeneß geht juristisch gegen die Veröffentlichung seiner Steuerhinterziehung vor. dpa

Uli Hoeneß geht juristisch gegen die Veröffentlichung seiner Steuerhinterziehung vor.

MünchenIn der Steueraffäre um Uli Hoeneß haben die Anwälte des Bayern-Präsidenten Strafanzeige gestellt. Die Anzeige wegen des Verdachts auf Verletzung des Steuergeheimnisses richtet sich gegen Unbekannt. Einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ bestätigte der Münchner Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Im April waren die Ermittlungen der Münchner Staatsanwälte gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung öffentlich bekanntgeworden. Der Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München hatte sich bereits im Januar selbst bei den Finanzbehörden angezeigt.

Nun wollen seine Anwälte Aufklärung darüber, warum die Steuersünde von Hoeneß in die Öffentlichkeit gelangen konnte. Die Staatsanwaltschaft München II habe die Strafanzeige umgehend an die zuständige Staatsanwaltschaft München I abgegeben, sagte Heidenreich. Dort muss nun entschieden werden, ob ein offizielles Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.

Im Verfahren gegen Hoeneß selbst ist weiterhin offen, ob Anklage gegen den Vereinspatron erhoben wird. Ein Haftbefehl gegen den 61-Jährigen ist außer Vollzug gesetzt. Nach einem 8:0-Votum des Aufsichtsrats darf Hoeneß seine Ämter als Chef des Kontrollgremiums und Vereinspräsident weiter ausüben. Dies hatten Spitzenpolitiker und Experten für saubere Unternehmensführung kritisiert.

Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges verteidigte das Festhalten des Bayern-Aufsichtsrats an Hoeneß. „Wir haben sehr intensiv über das Thema im Aufsichtsrat von Bayern München diskutiert. Und wir haben aus guten Gründen eine Entscheidung getroffen“, sagte Höttges, der eines von neun Mitgliedern im Bayern-Kontrollgremium ist, der „Welt am Sonntag“. Hoeneß hatte dem Aufsichtsrat angeboten, sein Amt ruhen zu lassen, bis die zuständigen Behörden über die strafbefreiende Wirkung seiner Selbstanzeige entschieden haben.

Aus Gründen der Verschwiegenheitspflicht könne er sich aber nicht weiter äußern. Neben Hauptsponsor Telekom sitzen auch Vorstände von Volkswagen, Audi und Adidas im Aufsichtsrat der Münchner.

Höttges betonte, die Telekom werde trotz des Wirbels am Sponsoring der Bayern festhalten. Bayern München habe im nationalen und internationalen Fußball enorme Erfolge. Schlage man am Montagmorgen die Zeitungen auf, sei das „T“ der Telekom auf den Trikots das Erste, was einen ins Auge falle, merkte Höttges, der spätestens Anfang 2014 René Obermann als Telekom-Chef ablösen soll, an. „Diese Investition hat für uns einen enormen Wert zur Aufladung unserer Marke. Das ist messbar und für uns hochattraktiv. Deswegen ist Bayern München der richtige Partner“, erklärte der designierte Nachfolger von Telekom-Chef René Obermann.

Kommentare (39)

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Kommentator

11.05.2013, 16:53 Uhr

Ob Hoeneß damit ein Befreiungsschlag gelingt ist zu bezweifeln. Das Bild eines systematischen, wehleidigen, eitlen Steuerbetrügers der nun blind wie eine angeschossene Wildsau um sich keilt hat sich nicht nur in Deutschland verfestigt - nicht grundlos.

Die Wahrnehmung der DEUTSCHE TELEKOM mutet daher seltsam an, wenn Obermann von "positiver Aufladung" spricht, ist das einfach nur dumm oder extrem komisch.

Wenn der Aufsichtsrat der DEUTSCHE TELEKOM solche Kinderdummheiten wie im Aufsichtsrat des FCB geschehen nicht anspricht, wird natürlich auch die Glaubwürdigkeit des Aufsichtsrats der DEUTSCHE TELEKOM erschüttert.

So kann man auch Standortpolitik betreiben.

Ehrlich

11.05.2013, 17:00 Uhr

Damit hat er sich keinen Gefallen getan. Die ermittelnden Staatsanwälte sollten sich jetzt die Akte Hoeneß ganz besonders genau ansehen.
Im übrigen bin ich der Meinung, dass es normal sein sollte, daß eine derartige Größenordnung von Steuerhinterziehung immer öffentlich gemacht wird. Es hat mit Sicherheit eine abschreckende wirkung.

Account gelöscht!

11.05.2013, 17:37 Uhr

Durch seine Selbstanzeige hat sich Herr Hoeneß reumütig gezeigt und wird für seine gesetzlich unzulässige Verfehlung die Konsequenz tragen.
Bin gespannt, ob sich das Plappermaul der Veröffentlichung der Steuergeheimnisse ebenfalls reumütig zeigt und Selbstanzeige stellt, oder ob es erst selbst gestellt werden muß.

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