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14.06.2011

19:20 Uhr

BDI-Leitfaden

Wirtschaft fordert stärkere Energieforschung

ExklusivIn einem Leitfaden hat der BDI seine „Prioritäten für die Energieforschung in Deutschland“ formuliert. Fokussiert werden Projekte, die mit geringem Einsatz von Forschungsgeldern verwertbare Ergebnisse bringen.

Im Windpark Küstrow in Nordvorpommern drehen sich die Rotoren. Quelle: dpa

Im Windpark Küstrow in Nordvorpommern drehen sich die Rotoren.

DüsseldorfDer Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert eine stärkere Konzentration der Bundesregierung auf die Energieforschung. „Größere Anstrengungen in der Energieforschung sind aus unserer Sicht unabdingbar, wenn wir die ehrgeizigen Ziele der Energiewende erreichen wollen“, sagte Christian Urbanke dem Handelsblatt.

Unter Federführung des Siemens-Managers ist beim BDI der Leitfaden „Prioritäten für die Energieforschung in Deutschland“ entstanden, der dem Handelsblatt vorliegt. Das Papier, erstellt auf Anregung des Bundeswirtschaftsministeriums, zeigt, welche Projekte der Energieforschung aus Sicht der Wirtschaft bei der Forschungsförderung Vorrang haben müssen. Hintergrund sind die derzeit laufenden Arbeiten des Wirtschaftsministeriums am neuen Energieforschungsprogramm der Bundesregierung.

Die ersten Plätze im BDI-Ranking belegen unter 31 technologischen Optionen die Themen energieeffiziente Industrieprozesse, Hochleistungswerkstoffe für den Gebäudebereich, Elektromobilität mit Batterie, Photovoltaik, solarthermische Stromerzeugung und die Windkraftnutzung im Meer. Weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen rangieren dagegen die Fusionsforschung (Energie aus Kernverschmelzung), aber auch das Thema Wasserstoff als Kraftstoff.

Der BDI will die Bundesregierung mit seinem Papier dazu bringen, sich bei der Förderung auf bestimmte Forschungsvorhaben zu konzentrieren. „Wir appellieren an die Politik, keine Förderprogramme nach dem Gießkannenprinzip zuzulassen. Die Politik muss Schwerpunkte setzen. Wir sind gerne dabei behilflich, diese Schwerpunkte zu definieren“, sagte Urbanke.

Besonderes Augenmerk hat der BDI darauf gelegt, solche Schwerpunkte zu definieren, die mit relativ geringem Einsatz von Forschungsgeldern kurzfristig wirtschaftlich verwertbare Ergebnisse versprechen. Der Zeithorizont reicht dabei bis 2020. „Dauersubventionen sind nicht unser Ziel. Im Gegenteil: Für uns hat Marktfähigkeit höchste Priorität“, sagte Urbanke.

In dem Anfang vergangener Woche vom Bundeskabinett verabschiedeten Konzept „Der Weg zur Energie der Zukunft“, das die wesentlichen Punkte der Energiewende zusammenfasst, wird das Thema Energieforschung nur gestreift. Allerdings hatte die Bundesregierung schon bei anderer Gelegenheit betont, der Energieforschung größere Aufmerksamkeit widmen zu wollen. Das erscheint auch dringend geboten. Ihren Höhepunkt erreichte die Energieforschung vor knapp 30 Jahren:1982 beliefen sich die Aufwendungen des Bundes für die Energieforschung auf gut 1,4 Milliarden Euro. Seitdem sanken sie kontinuierlich auf zuletzt unter 500 Millionen Euro.

„Wir sind bei der Förderung der Energieforschung weit vom Niveau der 80er-Jahre entfernt. Es wäre eine gefährliche Wettbewerbsverzerrung zulasten deutscher Unternehmen und Forschungseinrichtungen, wenn die Unterstützung deutlich hinter dem zurückbliebe, was in konkurrierenden Wirtschaftsräumen staatlicherseits aufgewandt wird“, sagte Urbanke. Länder wie die Schweiz, Dänemark oder Japan lägen mit ihren Pro-Kopf-Ausgaben „um den Faktor zwei bis drei höher“.

Von

str

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