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08.07.2016

13:52 Uhr

Beatrix von Storch

AfD-Vizechefin beleidigt deutsche Nationalmannschaft

VonDietmar Neuerer

Nach dem EM-Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft meldet sich die Vize-Chefin der AfD, von Storch, mit einem beleidigenden Tweet zu Wort. Und provoziert damit heftige Reaktionen.

Die Vize-Chefin der AfD beleidigt die deutsche Nationalmannschaft. Screenshot Twitter

Der (mittlerweile gelöschte) Tweet von Beatrix von Storch

Die Vize-Chefin der AfD beleidigt die deutsche Nationalmannschaft.

BerlinDie deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat das Endspiel der Europameisterschaft verpasst. Naturgemäß fragt sich danach jeder, woran es denn gelegen haben mag, dass das Team von Bundestrainer Joachim Löw im Halbfinale am Donnerstagabend in Marseille gegen Gastgeber Frankreich mit 0:2 (0:1) verloren hat.

Auch die AfD ist mit einer Erklärung schnell zur Hand. „Vielleicht sollte nächstes mal dann wieder die deutsche NATIONALMANNSCHAFT spielen?  #GERFRA #DieMannschaft“, schrieb die Vize-Chefin der Partei, Beatrix von Storch, auf Twitter. Kurze Zeit später löschte sie den Kommentar wieder und lieferte auf ihrer Facebook-Seite eine andere Sicht auf das Thema.

Der Aufstieg der AfD

Zerstritten und erfolgreich

Die AfD steht erneut vor einer Zerreißprobe: Nach der Spaltung der Stuttgarter AfD-Landtagsfraktion spitzt sich der Machtkampf um die beiden Parteichefs Frauke Petry und Jörg Meuthen zu. Erbitterten Streit gab es in der Partei in den drei Jahren seit ihrer Gründung oft. Die AfD entwickelte sich dabei von einer eurokritischen Partei mit wirtschaftsliberalem Anspruch zu einer rechtspopulistischen und nationalkonservativen Organisation. Ein Überblick.

April 2013

Die AfD hält in Berlin ihren Gründungsparteitag ab. Bernd Lucke, Frauke Petry und Konrad Adam werden zu Sprechern der Partei gewählt. Lucke ist der führende Kopf.

Mai 2014

Bei der Wahl zum Europaparlament erreicht die AfD sieben Prozent und entsendet sieben Abgeordnete.

August 2014

In Sachsen zieht die AfD unter Führung ihrer Landesvorsitzenden Petry mit 9,7 Prozent erstmals in ein deutsches Parlament ein. Im September schafft sie zudem den Einzug in die Landtage von Thüringen und Brandenburg.

Ende 2014

Der Machtkampf zwischen Lucke und Petry tritt offen zutage. Er ist eng verknüpft mit dem Richtungsstreit zwischen den moderateren wirtschaftsliberalen Kräften und den von Petry repräsentierten rechten Nationalkonservativen.

Februar 2015

Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg zieht die AfD mit 6,1 Prozent erstmals auch in ein westdeutsches Landesparlament ein.

Juli 2015

Auf dem Bundesparteitag in Essen setzt sich Petry im Kampf um die Parteispitze gegen Lucke durch. Lucke erklärt seinen Austritt und gründet kurz darauf eine neue Partei, die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa). Die AfD rutscht in Umfragen auf drei Prozent. Im Europaparlament stellt die AfD nur noch zwei Abgeordnete, die Lucke-Partei die restlichen fünf.

September 2015

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) öffnet die Grenzen für Flüchtlinge, die in Ungarn festsitzen. Die AfD hat ein neues Thema und legt in Umfragen wieder zu.

Januar 2016

Petry sorgt mit Äußerungen über einen denkbaren Schusswaffeneinsatz gegen Flüchtlinge an den deutschen Grenzen für Empörung. Die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch weitet den Waffeneinsatz auf „Frauen mit Kindern“ aus, nimmt die „Kinder“ später aber wieder zurück.

März 2016

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird die AfD mit 24,3 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CDU. In Baden-Württemberg erreicht sie 15,1 und in Rheinland-Pfalz 12,6 Prozent.

April 2016

Die AfD beschließt drei Jahre nach der Gründung ihr erstes Parteiprogramm, in dem sie sich auf einen klaren Anti-Islam-Kurs festlegt.

Juli 2016

Die AfD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg zerbricht an den Antisemitismusvorwürfen gegen den Abgeordneten Wolfgang Gedeon. Der Stuttgarter Fraktionschef und Bundesvorsitzende Meuthen verlässt zusammen mit zwölf Mitstreitern die Fraktion, weil sich in der Fraktion nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit für den Ausschluss Gedeons findet. Die Spaltung lässt auch den seit längerem schwelenden Machtkampf zwischen Meuthen und Petry weiter eskalieren.

Die Reaktionen auf den Twitter-Eintrag waren da schon längst in der Welt. "Die griesgrämige AfD dreht wieder durch. Unfassbare Borniertheit", erklärte der CDU-Bundesvize Armin Laschet. „Dummheit pur!“, schrieb SPD-Bundesvize Ralf Stegner bei Twitter. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu nannte von Storch „eine üble Rassistin, die das gesellschaftliche Klima in unserem Land vergiftet“. Und er fügte hinzu: „Sie brauchen eine Therapie!“

Volker Wissing, FDP-Präsidiumsmitglied und rheinland-pfälzischer Wirtschaftsminister, spielte auf Twitter auf frühere Beleidigungen der deutschen Fußballer durch die AfD an: „Neues Feindbild der #AfD: #DieMannschaft! Erst #Gauland gegen #Boateng, jetzt #Storch gegen die National-Elf...“

AfD-Vize Alexander Gauland hatte kurz vor Beginn des EM-Turnier in Frankreich in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gesagt, „die Leute“ fänden den dunkelhäutigen Nationalspieler Jerome Boateng als Fußballer gut, aber sie wollten „einen Boateng“ nicht als Nachbarn.

Die Sprüche der AfD

Immer wieder im Mittelpunkt

Ob Flüchtlingspolitik oder Fußball - mit markigen Sprüchen sorgen führende AfD-Politiker immer wieder für Kopfschütteln und Empörung, wie jetzt die stellvertretende Bundesvorsitzende Beatrix von Storch. Einige Zitate.

Quelle:dpa

Undeutsches Nationalteam

„Eine deutsche oder eine englische Fußballnationalmannschaft sind schon lange nicht mehr deutsch oder englisch im klassischen Sinne.“ (Der AfD-Bundesvize Alexander Gauland am 3. Juni im „Spiegel“)

Unerwünschter Nachbar

„Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ (Gauland in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vom 29. Mai über Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng)

Bitte abschotten

„Wir müssen die Grenzen dichtmachen und dann die grausamen Bilder aushalten. Wir können uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen.“ (Gauland am 24. Februar im Magazin der Wochenzeitung „Die Zeit“ über Flüchtlinge)

Schießbefehl dringend erwünscht

„Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt.“ (Die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry in einem Interview des „Mannheimer Morgen“ vom 30. Januar 2016. Angesichts des Flüchtlingszustroms forderte sie im Notfall auch den Einsatz von Schusswaffen.)

Der Flüchtling als Angreifer

„Wer das HALT an unserer Grenze nicht akzeptiert, der ist ein Angreifer. Und gegen Angriffe müssen wir uns verteidigen. (...) Es gibt keinen Grund, mit Gewalt unsere Grenze zu überqueren.“ (Die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch Ende Januar auf ihrer Facebook-Seite über Flüchtlinge)

Nachhilfe in Rassenkunde

„Im 21. Jahrhundert trifft der lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp auf den selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp.“ (Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke am 21. November 2015 in einem Vortrag über Asylbewerber aus Afrika)

Flucht als Naturkatastrophe

„Das ist ungefähr so, als würden Sie mit Plastikeimern einen Tsunami stoppen wollen.“ (Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen am 24. Oktober 2015 bei einem Landesparteitag in Baden-Württemberg über die Maßnahmen der Bundesregierung zur Bewältigung der Flüchtlingskrise)

Wohl angesichts der Aufregung um ihren Eintrag bei Twitter, ruderte von Storch auf ihrer Facebook-Seite wieder zurück und erklärte, dass "unsere Nationalmannschaft" das Weiterkommen verdient gehabt hätte - "nach ihrem besten Spiel der ganzen EM". Zugleich griff sie die Presse an, die ihren Tweet als rassistisch gewertet hatte.

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