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03.03.2016

06:16 Uhr

Beck-Affäre

Wenn Politikern der Drogenkonsum vergeben wird

VonAxel Postinett

Volker Beck hat nach Vorwürfen des Drogenmissbrauchs seine Ämter niedergelegt. Er ist nicht der erste Politiker, der erwischt wurde. Beispiele aus den USA zeigen, einigen wird vergeben - zum Beispiel Barack Obama.

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck hat seine Ämter in der Grünen-Fraktion abgegeben: Die Staatsanwaltschaft in Berlin hat den Fund eines verdächtigen Stoffs beim 55-Jährigen bestätigt. dpa

Volker Beck

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck hat seine Ämter in der Grünen-Fraktion abgegeben: Die Staatsanwaltschaft in Berlin hat den Fund eines verdächtigen Stoffs beim 55-Jährigen bestätigt.

San FranciscoDie Meldung schlug ein wie eine Bombe. Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch den Fund eines verdächtigen Stoffs bei dem 55-jährigen Politiker Volker Beck. Die „Bild“-Zeitung hatte als Erstes über den Vorfall berichtet. Dem Blatt zufolge soll es sich dabei um die synthetische Droge Crystal Meth handeln, die den Ruf hat, noch gefährlicher als Heroin oder Kokain zu sein. Beck äußerte sich nicht näher zu den Vorwürfen, erklärte aber, dass er seine Ämter in der Grünen-Fraktion zur Verfügung stelle.

Schnell verbreitete sich auf Twitter der Hashtag #BreakingBeck - mit Anspielung auf die erfolgreiche US-TV-Serie „Breaking Bad“, in der ein unbescholtener Hochschullehrer durch unvorhersehbare Ereignisse immer tiefer im Sumpf der Drogen versinkt und sich nicht mehr daraus befreien kann.

Vieles deutet darauf hin, dass es sich jetzt um das Ende der politischen Karriere des Grünen-Politikers handelt. Seit über 30 Jahren als Abgeordneter im Bundestag und langjähriger Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Fraktion machte er oft von sich reden und setzte sich vehement für die Rechte von Minderheiten ein, kämpfte gegen Rassismus und Vorurteile. Ob er selbst jetzt noch einmal aus dem Morast der moralischen und sozialen Vorurteile auftauchen wird, ist noch offen. Hebt der Bundestag seine Immunität auf, könnte ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft auf ihn zukommen.

Der Blick in die USA verrät, dass es möglich ist, Drogenvorwürfe politisch zu überleben. Wenn auch nicht immer unbeschadet. Es kommt darauf an, wie die Betroffenen damit umgehen.
Die USA in den 60er und 70er-Jahren: Vietnamkrieg, Flower-Power, San Francisco, freie Liebe und Drogen, Eric Clapton macht den Song „Cocaine“ von JJ Cale weltberühmt. Viele der jungen Männer und Frauen, die damals aufgewachsen sind, bekleiden heute politische Ämter.

Journalisten und politische Gegner wissen, was sich damals in High Schools oder Freiluftkonzerten abgespielt hat. Darum gehört die Frage nach dem Drogengebrauch längst zum Standardrepertoire. Die einen gestehen, die andern nicht, andere werden erwischt. Das Urteil der Wähler ist nicht vorherzusehen.

Trey Radel, republikanischer Kongressabgeordneter aus Florida, schrieb im November 2013 Geschichte. Ihm gebührt die Ehre, als erster gewählter Volksvertreter im US-Kongress während seiner Amtszeit wegen eines Drogenvergehens verurteilt worden zu sein. Damals, als 37-Jähriger, war er Undercover-Agenten in die Falle gegangen, als er versuchte, 3,5 Gramm Kokain für 250 Dollar zu kaufen. Um einen langen Prozess unter den Augen der Öffentlichkeit zu vermeiden, bekannte er sich schuldig und bekam eine Gefängnisstrafe auf Bewährung. Aber politisch war er nicht mehr tragbar.

Ausgerechnet er war einer der schärfsten Befürworter einer Gesetzesinitiative, nach der sich Sozialhilfeempfänger, die Essensmarken vom Staat bekamen, routinemäßig Drogentests unterziehen sollten. Bei einem positiven Ergebnis sollten die Leistungen gekürzt werden.

Die Häme, die ihm, der auch noch alkoholabhängig war, entgegenschlug, war überwältigend. Nach einer Entziehungskur kehrte er in die Politik zurück. Ende Januar 2014 verließ er den Kongress, in dem er zunehmend isoliert war. Es drohte ihm eine Untersuchung der Ethik-Kommission, die ihn wie auch seine Familie und Freunde schwer hätte belasten können. 2015 eröffnete er eine Agentur für Krisenkommunikation.

Kommentare (67)

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Herr Hans Mayer

03.03.2016, 09:00 Uhr

Schlimm zu sehen was wir für "Volksverteter" haben, Kinderliebhaber, Drogenabhängige und Alkoholiker, dazu meißt ungelernt, ohne jeglichen Bildungsabschluss wie eine Frau Döring-Eckhart oder die Betroffenheitsbeauftragte Claudia Roth.
Nun stellt sich nicht mehr so oft die Frage wieso viele Entscheidungen für den normalen Bürger nicht mehr nachvollziehbar sind.
Wir müßen eben alle Kiffen und Saufen, dann kapiert man auch manche Entscheidung der "Volksverräter" besser.

Herr C. Falk

03.03.2016, 09:04 Uhr

Na ja, es gibt meineserachtens wohl gewisse Unterschiede ob mal als 18 oder 20 jähriger mal einen Joint geraucht hat oder ob mal als 55 jähriger erwachsener Mann zur "Selbstoptimierung " Crystal Meth konsumiert.

Der Bundestag stinkt nach Alkohol und viele Abgeordnete sind Alkoholiker, hat Joschka Fischer einmal gesagt. Crystal Meth oder Pervertin, die Nazi-Droge des Zweiten Weltkriegs, ist noch einmal eine andere und in hohem Mäße persönlichkeitszerstörende Droge.

Herrn Beck und seiner "Unermüdlichkeit" hat man angesehen, dass mit diesem Zeitgenossen etwas nicht stimmt.

Account gelöscht!

03.03.2016, 09:09 Uhr

In Psalm 25, 7 lesen wir: "Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend".

Ich denke, es ist ein Unterschied, ob jemand als Jugendlicher in dem für dieses Alter oft typischem Leichtsinn einmal Drogen probiert hat oder ob ein gestandener Erwachsener und Bundestagsabgeordneter gewohnheitsmäßig Drogen nimmt.

Auch für Jugendliche ist Drogenkonsum natürlich in höchstem Maße zu verbieten und nach Möglichkeit zu verhindern, weil diese Menschen in ihrem Leichtsinn Gefahr laufen, ihr Leben und das anderer zu zerstören, aber man sollte es unter Strafgesichtspunkten anders behandeln als bei Erwachsenen.

Obama ist ein vollkommen anderer Fall als Beck.

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